Full text: Hessenland (3.1889)

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erster Größe am Firmament der Jurisprudenz, nicht 
nur als den größten Romanisten, sondern auch 
als den vorzüglichsten Kanonisten unserer Zeit 
gefeiert und weiter bemerkt, was das deutsche 
Recht anbelange, so werde er nur von Einem über 
troffen, das sei Se. König!. Hoheit, der Kurfürst 
von Hessen. Was that Büchel nach dieser An 
rede ? Statt mit gerechtem Unwillen den grandi 
osen Ulk zurückzuweisen, dankte er für die An 
erkennung seiner Leistungen als Professor des 
römischen Rechts. Dagegen könne er das ihm 
als Kirchenrechtslehrer und Germanisten ge 
spendete Lob nicht annehmen. Hierauf lehrte 
er sein Glas in Erwiderung des auf ihn ge 
riebenen Salamanders mit einem Hoch auf die 
anwesenden Studenten. Die liebe Eitelkeit ließ 
ihn einmal nicht zu der Erkenntniß kommen, 
daß es sich hier, wie in vielen ähnlichen Fällen, 
blos um einen Jux handelte. — 
Konrad Büchel machte in seiner äußeren Er 
scheinung einen sehr sympathischen Eindruck. Er 
war ein Manu von Mittelgröße, seine Figur 
hätte man zierlich nennen können, wenn er nicht 
zue Fettleibigkeit geneigt hätte. Hände und Füße 
waren von außerordentlicher Kleinheit. Sein 
Antlitz war einehmend, die Züge verriethen Geist 
und Wohlwollen, das Charakteristischste aber 
war an ihm die hohe hervorspringende Denker 
stirne, an der die tubora frontalia, welche ja 
nach der Lehre der Phrenologen den Sitz des 
Scharfsinns anzeigen sollen, mächtig hervortraten. 
Sein Anzug war stets der feinste, man konnte 
von ihm sagen, daß er stets „geschniegelt und 
gebügelt" einherschritt, ja diese Eigenschaft er 
streckte sich sogar bis auf seinen Schlafrock. 
Störend wirkte nur, daß er sich zu viel und 
zu auffallend mit goldenen Ringen, Busennadeln 
u. s. w. belud. Indem wir dieses niederschreiben, 
zaubert uns das wohlgelungene Brustbild des 
Professors Büchel, welches seine Schüler in der 
Mitte der 40er Jahre durch den Universitäts 
Zeichenlehrer vr. L. Chr. Hach anfertigen ließen, 
seine ganze Persönlichkeit vor die Augen. Das 
selbe fand eine außerordentlich große Verbrei 
tung, keiner der damals in Marburg Rechts 
wissenschaft Studirenden unterließ es, sich das 
Portrait des verehrten Lehrers anzuschaffen und 
es als theures Andenken mit in das Philisterium 
zu nehmen. — 
Ueber den Charakter Büchels können wir uns 
nur lobend aussprechen. Er war in hohem Grade 
wohlwollend, und gern zur Hilfeleistung bereit, 
offen und ehrlich, als Freund wie als Gegner, 
freundlich und zuvorkommend gegen Jedermann, 
nur nicht — seltsamer Widerspruch — gegen 
seine Familienangehörigen, da soll er ein kleiner 
Hanstyrann gewesen sein. Daß auch er nicht 
frei war von menschlichen Schwächen, haben wir 
schon in unserem ersten Artikel hervorgehoben, 
sie wurden aber weit ausgewogen durch die 
thatsächliche Bedeutung Büchel's als Mannes 
der Wissenschaft. Seine großen Verdienste um 
die Rechtswissenschaft werden stets die gebührende 
Anerkennung finden und sein Andenken wird un 
auslöschlich mit der juristischen Fakultät der 
Universität Marburg, zu deren Zierden er ge 
hörte, verbunden bleiben. 
/ Hessische Mftziere im Dienste öe§ schwarzen Honigs 
Heinrich I. von Haiti. 
1816-1820. 
Von I. Schwank. 
In den 30er Jahren lebte zu Fulda still 
und zurückgezogen der M a j o r T r o st, ein 
früherer hessischer Offizier, der nach einem viel 
bewegten, schicksalsvollen Leben dort zur Ruhe 
gelangt war. Mochte er auch seine Eigenheiten 
besitzen, mochte er in manchen Beziehungen ein 
Sonderling sein, so hinderte das nicht, daß man 
vor dem alten Herrn gewaltigen Respekt hatte 
und daß man den Erzählungen seiner Erlebnisse 
gespannt und mit großem Interesse zuhörte. 
Trugen sie doch den Stempel der Wahrheit und 
fesselten sie doch durch den Reiz der Neuheit. 
Major Trost war in seiner Jugend hessischer 
Genie-Offizier. Aus Abneigung gegen die fran 
zösische Wirthschaft unter König Jerome nahm 
er seinen Abschied und trat in dänische Dienste 
über. Auch dort mochte es ihm wohl nicht ge 
fallen, sonst würde er nicht der an deutsche In 
genieure ergangenen Einladung des schwarzen 
Königs Heinrich I. von Haiti gefolgt und in 
dessen Dienste getreten sein. Er siedelte mit 
seiner Frau (geb. Meisterlin) und seinem am 25. 
April 1811 zu Eckernförde geborenen Sohne 
Karl nach der Antilleninsel San-Domingo über. 
Am 6. Januar 1817 landete das Schiff in der 
Bai von Haiti. Trost erhielt eine höhere Stelle
        

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