Full text: Hessenland (3.1889)

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Aus Heimach und Fremde. 
In der am Montag den 25. November dahier abge 
haltenen Monatsversammlung des Vereins für hessische 
Geschichte und Landeskunde berichtete der Vorsitzende 
Major von Stamford, daß der Vorstand den bei 
ihm eingegangenen Antrag, betr. die Einfriedigung 
und bessere Erhaltung des Denksteins auf dem Forste 
für die während der Fremdherrschaft unter König 
Jerome erschossenen treuen Hessen, dem hiesigen 
Stadtrathe unterbreitet und von diesem bereits eine 
zustimmende Antwort mit dem Bemerken erhallen 
habe, daß eine entsprechende Vorlage dem Bürger 
ausschusse gemacht werden solle. Die Namen der 
dort gefallenen Hessen sollen nach dem Antrage des 
Vorstandes des Geschichtsvereins dem Denkstein ein 
gefügt werden. — Hiernach hielt Oberstlieutenant 
a. D. von Stamford von Detmold den ange 
kündigten Vortrag über den Rachekrieg des Ger- 
manicus im Jahre 16 n. Chr. Der Vortrag wurde 
von den Zuhörern beifällig aufgenommen. 
Im historischen Verein für das Großherzogthum 
Hessen hielt zu D arm stad t am 18. November 
der Archiv-Direktor Dr. Freiherr von Schenk 
einen Vortrag, in welchem er eingehende Mit 
theilungen über Hessische Heraldik auf Grund 
neuerer Veröffentlichungen machte. Freiherr von 
Schenk ist bekanntlich eine Autorität auf diesem 
Gebiete, und da seine Mittheilungen für uns 
Hessen von besonderen Interesse sind, so lassen 
wir hier den Bericht der „Darmstädter Zeitung" 
über den Vortrag folgen: 
Freiherr von Schenk legte zunächst das Werk von 
O. Posse: Die Siegel der Wettiner bis 1324 und 
der Landgrafen von Thüringen bis 1247 vor, das 
zum ersten male eine sichere Grundlage auch für die 
älteste Heraldik des hessischen Wappens bietet. De? 
Löwenschild erscheint danach zuerst 1182 im Siegel 
Landgraf Ludwig's III. 
Der Vortragende bekämpfte die Annahme Posse's, 
daß die Erwerbung der Sächsischen Pfalzgrafschaft 
der Beweggrund zur Annahme des Löwenwappens 
gewesen sei, und erwähnte eine Lücke des Werkes, die 
sich bei Benutzung des Großh. Hausarchws hätte 
vermeiden lassen. Es fehlt nämlich das Siegel des 
Landgrafen Hermaun II., des Sohnes der heiligen 
Elisabeth, des ersten selbstständigen hessischen Fürsten, 
das an einer Urkunde von 1238 hängt. Es zeigt 
das Bild des jugendlichen Landgrafen zu Pferd auf 
der Falkenjagd, die Umschrift bezeichnet ihn als 
Hermann, Sohn des Landgrafen von 
Thüringen. 
Uebrigens finden sich in dem Werke auch die bis 
1273 reichenden schönen Siegel der Herzogin Sophie 
von Brabant, der späteren Erbin des Fürstenthums 
ihres Bruders. 
Der Vortragende besprach sodann das Werk von 
F. Warnecke: Die mittelalterlichen heral 
dischen Kampfschilde in der St. Elisabeth- 
Kirche zu Marburg. Er weilte besonders bei 
den sorgfältig beschriebenen und abgebildeten beiden 
ältesten Schilden des Landgrafenhauses, deren ältester 
zweifellos dem Deutschmeister Landgrafen Konrad von 
Thüringen zuzuschreiben ist, während der sehr reich 
ausgestattete jüngere recht wohl dem ersten hessischen 
Landgrafen aus dem brabantischen Herzogshause zu 
geschrieben werden kann. 
Freiherr von Schenk stellte einige irrthümliche Be 
stimmungen der Schilde hessischer Adelsfamilien 
richtig, und wendete sich dann gegen die Annahme 
Warneckes, daß man es hier durchgängig mit eigent 
lichen Kampfschilden zu thun habe. Es seien 
vielmehr in der Hauptsache Totenschild e, die über 
den Gräbern der in der Kirche beigesetzten Stifter 
von Seelenmessen aufgehangen worden seien. Eine 
hessische Urkunde von 1382 zeigt, daß das häufig erst 
lange nach dem Tode des Stifters seitens des be 
dachten Klosters geschah. Der Umstand, daß bei 
einigen Schilden die Rückseite ein anderes 
Wappenbild als die Vorderseite zeigt, dürfte be 
weisen, daß mau alte Totenschilde von der Wand 
abnahm, um sie neuerdings zu verwenden. 
Hierauf zirkulierte die Photographie eines Gewebes 
des 14. Jahrhunderts mit den vereinigten Hessischen 
und Cleve'schen Wappen mit der Umschrift „Elizabet 
van Cleve, Lantgrevinne van Hessen", welches Kabinets- 
bibliothekar Dr. Sahl im Germanischen Museum 
bemerkt hatte. Der Vortragende legte ein Original 
siegel ihres Gemahls, des Landgrafen Otto (des 
Schützen) vor, und beschrieb dessen Wappen, das sich 
in dem werthvollen Werke von V. Bouton, Wapen- 
boeck ou Armorial de 1334 a 1372 par Gelre 
heraut d’armes (Paris 1886) findet. 
Zum Schlüsse verwies Freiherr v. Schenk warm 
empfehlend auf das Werk G. Seylers, Geschichte der 
Heraldik, welches seines Erachtens einen großen Fort 
schritt bedeute, und besprach im Ganzen zustimmend 
die Ausführungen des Autors über die Heraldik des 
12. Jahrhunderts. 
Aus Horowitz ist uns folgende vom 25. Novbr. 
datirte Mittheilung zur Veröffentlichung zugegangen: 
„Die Nachricht von einer bevorstehenden Versteigerung 
das Andenken unseres hessischen Fürstenhauses be 
rührender Gegenstände hat in Hessen eine Erregung 
hervorgerufen, die einen vielseitigen und lebhaften Aus 
druck auch durch Zuschriften, namentlich an Seine 
Durchlaucht den Fürsten Wilhelm von Hanau in 
Horowitz gefunden hat. Diese Kundgebungen haben
        

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