Full text: Hessenland (3.1889)

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Rhein. Alles bleibt dann bis 1866 ungeändert, 
wo Hessen neben kleinen Austauschen Homburg 
und das Hinterland an Preußen abtritt. 
1867 tritt das Großherzogthum mit Ober 
hessen dem Norddeutschen Bunde bei und bildet 
seit 1871 ein Glied des Deutschen Reiches; in 
demselben eint das XI. preußische Armeekorps 
beide Hessen, Nassau, Waldeck, Südwestfalen 
und Thüringen. — 
Wir sind am Ende: Die Rolle der Klein 
staaten war ausgespielt, lange ehe Kurhessen 
politisch sein Ende fand. Vorher aber war dieses 
Hessen ein wichtiges Glied im heiligen römischen 
Reich deutscher Nation, selbst noch als Hessen- 
Kassel allein dastand, hochberühmt durch kriege 
rische Thaten seiner Söhne und Fürsten, wie 
Landgraf Wilhelm V. und Friedrich I. sowie 
glücklich regiert durch Volkswohlstand, Wissenschaft 
und Kunst liebende Fürsten, wie Wilhelm IV. 
der Weise, Moritz der Gelehrte, Wilhelm VI. 
der Gerechte, Landgraf Carl, Wilhelm VIII. und 
Friedrich II. 
Heute gehören wir einem Großstaate an, dessen 
König unser jetziger Landgraf von Hessen ist, 
und auf dessen Haupte die deutsche Kaiserkrone 
glänzt. . . Für uns gilt es mehr als je: An's 
Vaterland, an's theure schließ' dich an, das halte 
fest mit ganzem Herzen! 
Aber wo kann diese Liebe zum deutschen 
Reiche unerschütterlicher gedeihen, als festhaftend 
und hervorwachsend aus der treuen Anhänglich 
keit an die Heimath? — 
Gestatten Sie mir, verehrte Anwesende, ein 
Bild zu gebrauchen. Im Walde der Völker 
steht mächtig und trutzig die deutsche Eiche: Der 
kernhafte Stamm derselben ist das neue deutsche 
Reich, geeint durch Preußen, und die Zweige 
und Blätter des Baumes, ja das ist Grotz- 
Deutschland, soweit die deutsche Zunge klingt 
und Gott im Himmel Lieder singt. Aber wo 
her erhält der Eichstamm seinen Lebenssaft, 
warum treibt er heute noch frisch Aeste und 
Blätter in die Weite? — Einzig und allein 
aus der Nährkraft der Wurzeln! Eine solche 
und wahrlich nicht die letzte unter den vielver 
zweigten ist unser Hessenland. 
Lassen Sie uns Alle diese Wurzel pflegen und 
hüten. Freuen wir uns unserer alten ruhm 
reichen hessischen Geschichte und schauen wir dem 
trauten Lande der Chatten, mit dem Wander 
stabe in der Hand, fest in's wetterharte Antlitz, 
damit dienen wir am besten uns und dem 
Vaterlande. 
larburger Hanöeküstm 
Von F. Swenger. 
(Fortsetzung.) 
Wir gehen in unserem heutigen Artikel zunächst 
zu den „Luecbeliana" über, von denen eine 
solche Anzahl existirt, daß zu ihrer vollständigen 
Wiedergabe selbst ein umfangreicher Band nickt 
schicken würde. Selbstverständlich können wir hier 
nur einzelne anführen, die wir theils gütiger Mit 
theilung von befreundeter Seite verdanken, theils 
während unserer Studentenzeit in Marburg 
selbst erlebt haben.. 
Wie bereits früher erwähnt, war die Lehre 
vom Pfandrecht ein Steckenpferd Konrad Büchels. 
Seine Schüler erinnern sich gewiß mit Vergnügen 
der einleitenden Worte seines Vortrags über das 
Pfandrecht, die wir im Nachstehenden wiedergeben: 
„Ueber die Natur des Pfandrechtes hat man 
eine solche Anzahl von Büchern geschrieben, daß 
ein großer mit vier Ochsen bespannter Wagen 
kaum genügen würde, dieselben wegzuschaffen. 
Man definirte das Pfandrecht früher als das in 
seouritatein orediti konstituirte jus in re 
aliena, allein in dieser Definition liegt offenbar 
nichts weiter, als daß das Pfandrecht ein ac- 
cessorisches Recht sei und zwar ein jus in rs 
aliena, aber es war die Definition sonst inhalt 
los oder man mußte doch fragen: Was für ein 
jus in re aliena ist denn das Pfandrecht? Ist 
es etwa eine Servitut oder eine Emphyteuse oder 
gar ein superficiarisches Recht oder was für ein 
jus in re aliena ist es? Darüber gab jene 
Definition keinen Aufschluß, wie denn überhaupt 
große Unklarheit in dieser Materie herrschte. 
Da trat Konrad Büchel in Marburg auf und 
brachte Licht in die Sache. Büchel definirte das 
Pfandrecht als obligatio rei in securitatem cre- 
diti constituta. Es haftet eben die verpfändete 
Sache accessorisch für die Prinzipale Forderung, 
ähnlich wie der Constituent beim oonstitutuin 
debiti oder der Bürge bei der lläejussio, nur 
daß das Pfandrecht eine accessorische Obligation 
der Sache ist, während das oonstitutuin debiti 
und die Ldejussio accessorische obligationes per- 
sonae find. Dieser Theorie sind denn auch die 
meisten Neueren beigetreten, insbesondere v. Vang- 
erow, Huschke, v. Madai, Seuffert, Brinz. Doch
        

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