Full text: Hessenland (3.1889)

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Vor einigen Tagen brachten hiesige Zeitungen eine 
sehr befremdliche Nachricht. Nach derselben soll vom 
27. bis 30. d. M. in Köln eine Versteigerung von 
Kunstsachen, Mobilien, Gemälden rc. aus dem Nach 
lasse des Fürsten Moritz von Hanau stattfinden. Da 
runter befinden sich auch Andenken an die Kurfürsten 
Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm I., so eine 
komplete Uniform der hessischen Garde du Korps, 
ein Militärrock mit Epauletten des hessischen Garde 
regiments, welche der letzte Kurfürst getragen hat, 
ferner Orden, die Kurfürst Wilhelm II. getragen hat, 
sodann auch die Uhr, welche dem Kurfürsten Friedrich 
Wilhelm I. in Prag von treuen Hessen zum Andenken 
verehrt worden ist, u. s. w. Dem Vernehmen nach 
läßt die Gräfin Bentzel-Sternau, Nichte des Fürsten 
Moritz, Tochter der Prinzessin Alexandrine von 
Hohenlohe-Oehringen, der zweiten Tochter des Kur 
fürsten Friedrich Wilhelm, als testamentarisch ein 
gesetzte Erbin, die Sachen zum Verkauf bringen. Ein 
solches Verfahren, soweit es die persönlichen Erinne 
rungsstücke betrifft, widerspricht den Begriffen von 
Takt und Pietät, wie sie einmal bei uns auch in 
bürgerlichen Kreisen bestehen. Hoffentlich gelingt es, 
wenigstens die Orden und Uniformen, sowie die 
'1869 dem letzten Kurfürsten gewidmete Uhr vor 
den Händen der Trödler zu retten. In dieser Hin 
sicht macht der „Kasseler Spaziergänger" in der 
Sonntagsnummer des „Tageblatl's" bei Besprechung 
der Angelegenheit einen Vorschlag, der sich u. E. 
der Beachtung empfiehlt. Er schreibt: „Nun haben 
wir hier ein von der Tochter Wilhelms II., der 
Gräfin Bose, gestiftetes Hessisches Museum, welches 
außer für Werke hessischer Künstler ganz speciell zur 
Aufbewahrung hessischer Erinnerungen bestimmt ist. 
Was in dem Gebäude bisher angesammelt worden, 
hat die Oeffentlichkeit noch nicht beschäftigen können, 
da der Weg zu demselben noch nicht allgemein zu 
gänglich ist, bei dieser Gelegenheit aber dürfte wohl 
das Hessische Museum ein Lebenszeichen nach außen 
hin von sich geben und bei der Auktion diejenigen 
Stücke, welche an das erloschene Regentenhaus er 
innern, der Privatspekulation entreißen." 
Vor einigen Wochen stand an dieser Stelle die 
Mittheilung: daß der vor langen Jahren von Herrn 
Oberstlieutenat a. D. I. von Bardeleben ge 
gründete und bis jetzt geleitete „Lesekranz" sein 
Ende finden müsse, weil der verehrte Herr, wegen 
vorgerückter Jahre, Entlastung wünsche und keiner 
der Theilnehmer sich geeignet fühle, ihn zu ersetzen. 
Heute sind wir in der angenehmen Lage, melden zu 
können, daß es den vereinten Bitten der vorwiegend 
aus alten Hessen bestehenden Theilnehmer gelungen 
ist, Herrn von Bardeleben, dem für die rein geschäft 
lichen Vereinsangelegenheiten eine Stütze beigegeben 
werden soll, zu bewegen, seines Amtes weiter zu 
walten, wodurch der Fortbestand des Lesekranzes ge 
sichert ist. Herr von Bardeleben, der den bekannten, 
literarischen Sinn seines Vaters, des noch heute in seine/ 
Heimath unvergessenen Generallieutenants von 
Bardeleben geerbt hat, erwarb sich im Laufe dieses 
Jahres ein großes Verdienst dadurch, daß er durch 
Ueberlassung des Briefwechsels des letzteren mit 
Dingelstedt, an unseren Landsmann Rodenberg zur 
Veröffentlichung, diesem sehr werthvolles Material zu 
den in der deutschen Rundschau erschienenen Schil 
derungen der Jugendjahre und der Thätigkeit des be 
rühmten Intendanten des Wiener Hof-Burgtheaters 
in Hessen, geliefert hat. v. L. 
Friedrich Wilhelm H o f f m a n n f. Am 
30. Oktober d. I. entschlief zu Homberg nach jahre 
langen schweren, aber in Geduld ertragenen Leiden 
im 87. Lebensjahre der Metropolitan Friedrich 
Wilhelm Hoffmann, ein Mann, dem auch seine 
zahlreichen Gegner auf politischem und kirchlichem 
Gebiet die Anerkennung nie versagt haben, daß er 
als ein ganzer Manu für feine Ueberzeugung einstand 
und bereit war, lieber Alles zu leiden, als seinem 
Gott und sich selbst untreu zu werden. 
Er war am 6. Juni 1803 im Pfarrhause zu 
Harmuthsachsen als dritter Sohn seiner Eltern ge 
boren und seine ersten Jugenderinnerungen reichten 
noch in die schmach- und drangsalvollen Jahre der 
französischen Fremdherrschaft zurück. Er hatte aber 
auch schon an der Freude seines Vaterhauses und 
unseres ganzen Volkes Theil genommen, als das 
Joch zerbrach. 
Seine erste wissenschaftliche Ausbildung erhielt er 
in der altberühmten Klosterschule der Lullusstadt und 
bezog dann die Universität Marburg. Hier schloß 
er sich mit jugendlicher Begeisterung der Burschen 
schaft an, der auch seine älteren Brüder sowie die 
Gebrüder August und Wilhelm Vilmar theils angehört 
hatten, theils noch angehörten. Es konnte nicht fehlen, 
daß der körperlich und geistig reich begabte, mit rück> 
sichtslosem Muthe und scharfem Witz ausgerüstete 
Jüngling, der mit diesen Vorzügen eine tadellos vor 
nehme Haltung verband, zu hohem Ansehen unter 
seinen Genossen gelangte und den Widersachern der 
Burschenschaft ein sehr gefürchteter Gegner wurde. 
Er hatte aber auch der Burschenschaft viel zu ver 
danken, da sie ihn mit hohen Idealen erfüllte, die 
ihm bei seiner aufs praktische Leben gerichteten Natur 
anlage sonst fern geblieben wären. 
Auf seiner ersten Pfarrstelle zu Sielen blieb H.
        

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