Volltext: Hessenland (3.1889)

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mäßig Wirksame, geistvoll-witziger Behandlung des 
Dialogs und trefflichem Charakterisirungstalent. Sein 
Humor ist ein ungekünstelter und reißt unwillkürlich 
zur Heiterkeit hin. Daher kann es auch nicht Wunder 
nehmen, daß das Lustspiel, sein dramatisches Erstlings 
werk, außerordentlich beifällig anfgenommen wurde 
und allseitig unumwundene Anerkennung fand. Auch 
die Darstellung war eine vortreffliche und die Mit 
wirkenden sowohl, wie der Dichter selbst, der während 
der Aufführung im Theater anwesend war, wurden 
am Schluffe wiederholt gerufen. Der Held des 
Saul'schen Lustspiels ist Dr. Steiner, ein junger 
Botaniker, welcher von einer afrikanischen Forschungs 
reise zurückgekehrt, mit den Waffen des Geistes und 
des echten Humors wider die Schrullen des alten 
kurzsichtigen pedantischen Professors Eberhard, seines 
Onkels, ankämpft. Dieser, ein Schwärmer für die 
alten Stoiker und deren strenge Tugendlehre, hat 
seine Denkart auch auf seine liebreizende Tochter- 
Emma übertragen und dieselbe kopfhängerisch gemacht. 
Die junge Dame, welche ihrem Vetter schon früher 
gut gewesen war, weicht jetzt seiner Liebeswerbung 
aus, bis ihr derselbe in köstlicher Weise nach dem 
pythagoräischen Lehrsatz beweist, daß das Quadrat der 
Tugenden eines Ehepaares nothwendig größer sein müsse, 
als die Summe der Quadrate der Tugenden der einzelnen 
Ehegatten, wenn dieselben unverheirathet geblieben 
wären. Er stützt sich dabei auf die Lehre eines 
fingirten Stoikers jüngerer Schule, Pipifax. Dieser 
Beweis leuchtet dem Bäschen ein und nach ver 
schiedenen komischen Zwischenfällen, in denen die alte 
Haushälterin Wohlgemuth und der Professor kostbar- 
gezeichnet sind, giebt der letztere seine Zustimmung 
zu der Verlobung seiner Tochter mit ihrem Vetter 
Dr. Steiner, der nach einem zu guter Stunde ein 
gelaufenen Telegramme zum Professor der Botanik 
an der Universität B. berufen worden ist. Die 
Afrikaschwänke des jungen lustigen Doktors, sowie 
die von ihm neu erfundenen stoischen Lehren, welche 
er seiner Geliebten und der alten Haushälterin vor 
trägt, bilden den nachhaltigsten Stoff zur Heiterkeit. — 
,Die Stoiker" werden ihren Weg über die deutschen 
Bühnen nehmen und bald ein beliebtes Repertoire 
stück derselben werden. Dessen sind wir gewiß. 
A« I. 
Am 1. Januar feierte der Domkapitular 
Johannes Erb zu Fulda sein fünfzigjähriges 
Priesterjubiläum. Obgleich sich die Feier auf den 
Wunsch des Jubilars und dem bescheidenen Sinn 
desselben entsprechend nur in der Stille vollzog, konnte 
das doch nicht verhindern, daß aus Nah und Fern 
zahlreiche Gratulationen einliefen. Der Bischof an 
der Spitze des Domkapitels brachte dem Jubilar am 
Vorabend des Festes die herzlichsten Glückwünsche dar. 
Er wies in seiner Ansprache auf die segensreiche Wirksam 
keit hin, die der würdige Priester Johannes Erb in 
der Seelsorge als Kaplan, Pfarrer und Dechant entfaltet 
habe und noch immer entfalle mit voller Körperkraft 
nnd geistiger Frische in seiner gegenwärtigen Stellung 
als Domkapitular. Als Jubelgabe überreichte ihm der 
Bischof einen im St Bernwartsiustitut zu Hanau 
kunstvoll gearbeiteten kostbaren Kelch. Johannes Erb 
ist 1812 zu Brandlos als der Sohn eines wohl 
habenden Landwirths geboren. Er besuchte das Gym- 
nasiunl und Lyceum zu Fulda und widmete sich vom 
Herbst 1633 ab an der katholisch-theologischen Lehr 
anstalt zu Fulda dem Studium der Theologie. Nach 
dem er 1836 in das Priesterseminarium als Alumnus 
aufgenommen worden war, erhielt er vom Bischof 
Johann Leonard Pfaff die niederen und höheren 
Weihen und feierte am 1. Januar 1839 seine Primiz. 
Hiernach war er Kaplan an verschiedenen Pfarreien, 
bis er 1845 in gleicher Eigenschaft nach Kassel 
versetzt wurde. Hier war Dechant Christoph Flo 
rentius Kött sein geistlicher Vorgesetzter. Dieser 
erkannte den Werth und die Vorzüge des Charakters 
seines Kaplans und als er am 1. Mai 1849 auf 
den bischöfligen Stuhl zu Fulda erhoben wurde, wählte 
er Herrn Erb zu seinem bischöflichen Kaplan. In 
dieser Stellung verblieb derselbe bis 1859, in welchem 
Jahre er zum Dechant und Pfarrer von Johannesberg 
ernannt wurde. Nach wir vor blieb er Vertrauensmann 
des Bischofs bis zu dessen am 14. Oktober 1873 
erfolgtem Tode, und in schwierigen und diskreten 
Fällen zog ihn sein geistlicher Oberhirte meist zu 
Rathe, den er auch auf dessen Dienstreisen in kirchlichen 
Angelegenheiten begleiten mußte. Dieses Vertrauen 
war ein vollständig gerechtfertigtes und wohlverdientes, 
denn stets handelte Herr Erb nach bestem Wissen 
und Gewissen. Nach Wie erbesetzung des bischöflichen 
Stuhles zu Fulda durch Dr. Georg Kopp am 26. 
December 1881 wurde zu Anfang Mai 1882 Dechant 
Erb zum Domkapitular ernannt. In allen Stellungen, 
welche der Jubilar bisher eingenommen, erfreute sich 
derselbe in hohem Grade der allgemeinen Hochachtung 
und Beliebtheit. Möge es dem hochverehrten Herrn 
noch recht lange vergönnt sein, in gleich segensreicher Weise 
wie seither zu wirken, und möge der vom Herrn 
Bischof Joseph Weyland bei der Gratulation aus 
gesprochene Wunsch in Erfüllung gehen, daß dem 
goldenen Jubiläum auch das dimantene nachfolge. 
A. Z. 
Am 1. Januar ist zu Marburg der in den 
weitesten Kreisen Hessens bekannte Lehrer Wilhelm 
Bücking, der verdienstvolle Forscher auf dem Ge 
biete der Geschichte Marburgs, nach einer nahezu 
fünfzigjährigen Artigkeit als Lehrer und Organist 
der St. Elisabethkirche aus Gesundheitsrücksichten in 
den Ruhestand getreten. „Seine musterhafte Berufs 
treue, seine Berufsfreudigkeit und Zufriedenheit", 
schreibt die Oberhessische Zeitung, „haben ihren 
schönsten Lohn darin gefunden, daß es ihm vielfach
        

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