Full text: Hessenland (3.1889)

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Verwaltung und hatte 1736—1785 sogar zwei 
andere Regenten als das Hauptland. Für den 
dortigen Zweigverein liegt ein schönes Arbeits-^ 
gebiet vor in den Resten aus der Römerzeit 
und in der Geschichte der alten Grafschast 
Hanau. 
Hochverehrte Anwesende, blicken wir kurz 
zurück! 
An Fulda, Edder, Schwalm, Ohm und obereu 
Lahn wohnten die Chatten und wohnen seit etwa 
dritthalb Jahrtausenden die Hessen, so daß ich 
mit Stolz die Worte Jacob Grimm's, des größten 
Sohnes des hessischen Stammes, wiederhole: 
„Die Hessen sind, auszer den Friesen, der 
einzige deutsche volksstamm, der mit be 
hauptetem alten namen bis auf heute un 
verrückt an derselben stelle haftet, wo seiner 
in der geschichte zuerst erwähnt ward dies 
in seinem beginne unvordenkliche, mit dem 
Volksgefühl verwachsene einhaben angestamm 
ter stätte ist ein Vortheil, aus welchem mehr 
als eine tugend fließt." 
Ja fürwahr, verehrte Anwesende, der Bund 
zwischen Hessenerde und Hessenvolk ist ein ur- 
heiliger, dessen Entstehung hinausreicht in die 
sagenhaften Nebel germanischer Vorzeit. 
(Schluß folgt.) 
•RfH' 
)u industriellen Verhältnisse Hessens im Anfang dieses 
Jahrhunderts. 
Von F. Iwenger. 
(Fortsetzung.) 
Von Kassels ehemaligen öffentlichen Zierden 
ist in diesem Augenblicke Folgendes zu bemerken : 
Weg ist das Meiste und zugleich das Schätzbarste 
aus der Bildergallerie. Das Gebäude selbst, 
nebst den in den Zimmern und Nischen befind 
lichen Gemälden und Porzellan-Sachen, sind dem 
Kriegs-Minister des Königs, als Geschenk zu 
Theil geworden. Den Rest von Gemälden hat 
man nach dem Museum geschleppt, wo es nicht 
der Mühe werth gefunden wird, sie in Ordnung 
zu bringen. 
Das seit 1776 vorhandene Gebäude der Maler 
und Bildhauer-Akademie dient jetzt dem Staats 
rath von Müller zur Wohnung. Unter demselben 
Dache befindet sich die seit einem Vierteljahre 
etablirte Königliche Französische Buchdruckerei. 
woraus der Westphülische Moniteur hervorgeht. 
Der Unterricht für Maler und Bildhauer wird 
seitdem im Museum ertheilt. 
Das Museum hat die besten Statuen und 
andere Kostbarkeiten verloren. Die Medaillen, 
obgleich nebst anderen Schätzen in Sababurg ver 
borgen, konnten dem Schicksal des Auswanderns 
nicht entgehen. 
Das herrliche, wohl eingerichtete Schulgebäude 
(Lyceum Fridericianum) ist, nebst den daran 
stoßenden Schnlmeiftcr-Seminarium, zur Hälfte 
in ein Finanz-Büreau verwandelt. 
Das Kadetten - Haus, jetzt Ecole militaire. 
Dieses vom Landgrafen Friedrich II. im I. 1778 
errichtete vortreffliche Institut war damals für 
vierzig Zöglinge bestimmt. Unter seinem Nach 
folger wurde es mit dem Pagen-Jnstitut vereinigt, 
und dadurch die Zahl der Zöglinge bis auf sechzig 
vermehrt. In der Folge verringerte sich diese 
Anzahl bis auf vierundzwanzig. Dagegen er 
hielten die sogenannten Junker, oder die Kadetten 
von den in der Residenz befindlichen Regimentern, 
freien Unterricht im Kadettenhause. Der jetzt 
regierende König hat das Institut nicht nur be 
stätigt, sondern auch die Zahl der Zöglinge auf 
fünfzig vermehrt. Davon leben zehn ganz frei; 
zehn bezahlen die Hülste, und zehn zwei Drittel; 
die übrigen zwanzig müssen das Ganze für ihren 
Unterhalt und Unterricht, welches jährlich un 
gefähr 160 Rthlr. ausmacht, bezahlen. Es find 
bei diesem Institute angestellt: der Gouverneur, 
gegenwärtig ein General; der Adjutant-Major, 
jetzt ein Kapitain, hat die militärischen Uebungen 
zu besorgen; ein Regiments-Quartiermeister, der 
die ganze Oekonomie zu halten und die Rech 
nungen zu führen hat. Professoren sind: Herr 
Kapitain Gaugreve, in der Mathematik und 
Kriegswissenschaft; Herr Rath und Professor Glaß, 
in der Geschichte, Geographie und Literatur; 
Herr Professor Matsko, in der Arithmetik; ein 
Professor der französischen Sprache; Schreibmeister. 
Seit kurzem erst sind ein Fecht- und Tanzmeister 
hinzugefügt worden. Das untere Personal be 
steht aus mehreren Aufwärtern und einem Portier. 
Das vorige Kadettenhaus ist geblieben, und nur 
mit einigen Erweiterungen und bequemeren Ein
	        

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