Full text: Hessenland (3.1889)

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gebrauchen." Philipp erschien aber nicht selbst, sondern 
sandte seine zwei ältern Prinzen Wilhelm und Ludwig 
mit seinen zwei Räthen Anton von Versabe und 
und Reinhard Scheffer nach Frankfurt. Am 24. Oct. 
1562 berichten nun die Räthe über ihren Aufenthalt 
daselbst und sagen u. a., es sei ein großes Spielens 
unter den Herren, und der Herzog zu Bayern (des 
Kaisers Schwiegersohn) habe geäußert, wenn der 
Landgraf nicht nach Frankfurt komme, so wolle er 
ihn zu Marburg besuchen. Sie achten es aber da 
für daß er in Frankfurt so viel Spieler habe, daß 
er sich mit denselben diesmal begnügen lassen und 
den Landgrafen verschonen werde. 
Darauf antwortete Philipp am 25. October 1562: 
„Was nun betrifft, das Herzog Albrecht zu 
Beiernn sich überm spielen so viell habe verlauten 
laßen, wan wir nicht gen frankfurth kemenn, daß er 
nicht unbedacht, uns alhie zu Marpurg zu besuchen. 
Darauf geben wir euch zu erkennen, wann solches 
Widder vorlieffe, und ir es höretet, daß ir euch da> 
rauf vernehmen lasset, daß wir morgens Montags von 
Marburg ziehen, und vor Weihnachten alhir nchit anzu 
treffen sein würden.« Bei diesem Schreiben 
lag noch folgende Nachschrift an seinen Sohn Wilhelm: 
„ wolltest König Maximilian von unserm wegenn 
sagen, obwoll wir unsers leibs halber nicht gein 
frankfurth khommen konten, so wollen wir doch befor- 
dernn, — daß er zu der würde eines Römischen 
Königs khommen möge, so vil an uns licjt.“ — 
Philipps Sohn, Landgraf Wilhelm der Weise er 
mahnte und warnte auch in seinem Testamente vom 
25. Juni 1586 seinen Sohn, daß er „vor großem 
Spiel sich hüte, dan die spieler seindt müsslich und 
brauchen natürliche und übernatürliche Mittel, nur 
daß sie einen umbs geld bringen.« Und er hatte 
dazu gerechte Veranlassung; verspielten doch die Ritter 
ganze Dörfer, ihre Pferde und Kleider, die Knechte 
aber Zäume und Sättel, wobei sie sagten: „hat deh: 
Teufel die Gäule gefressen, so fresse er auch die 
Zäume.' Z. Sch. 
Was meint der Name „Rhön«? Mit 
vielen deutschen Örtlichkeiten hat auch unser heimat 
liches Gebirge das Löß gemein, eine heute uns ver 
dunkelte Benennung zu tragen: Grund genug für 
manche, weder sprachlich geschulte noch allzu vater 
ländisch gesonnene Forscher, sich in recht abenteuerlichen 
Vermutungen zu ergehen. — Zunächst haben wir 
einfach uns an die Muttersprache zu hallen. Da 
im Worte sich keine der Lautverschiebung unterworfene 
Muta befindet, so darf bte indogermanische Wurzel- 
Gemeinschaft vollends alle keltische Ausschau ferne 
laßen; obwohl ja selbst keltische Lehenwörter aus so 
früher Zeit die deutsche Verschiebung mit gemacht 
und dadurch das wesentlichste Kennzeichen ihrer Fremd 
heit eingebüßt hätten. — 
Im Namen Rhön, dessen urkundliche älteste 
Schreibung Röyn, ist h nur gelehrter Schnörkel, 
ohne Wert für Herkunft des Wortes. Röyn möchte, 
nach örtlicher büchischer Mundart, ein althochdeutsches 
Ronia, Raunia voraus setzen, im Ablauts-Verhältnisse 
zu Rüna. Meinet dieses doch Mysterium Geheimnis, 
so möchte jenes etwa 8o1itucko Einöde bedeuten. Beide 
flößen aus einem erloschenen starken Zeitworte: riunan 
raun — runun, dessen Sinn zu raten bliebe. Ob mhd. 
rienzen (rionazon), d. i. dumpf Hallen, eine Fort 
bildung daraus sei, scheint fraglich; vielleicht entfiel 
hier h oder w vor dem r. 
Ronia, als Einöde verstanden, sollte im Begriffe gar 
wol auf die dortige Landschaft zutreffen, deren erste 
geschichtliche Erwähnung gerade solche Verfaßung 
hervor hebt. Übrigens will ich diese Erklärung hier 
nur als Mutmaßung geboten, und vor allen Dingen 
mich selber in weiterem Forschen durchaus nicht ge 
bunden haben. 
Sollte etwa der Umdichter des Hildebrands-Liedes: 
Kaspar von der Roen (Roon) diesen Zunamen vom 
Gebirge tragen, so wäre es zumal bedeutsam, da die 
Dichtung selbst, auch in ihrer ursprünglichen Faßung, 
ja dem Buchengaue angehört. 
Der Ablauts-Reihe: iu au u, nicht der von i a u 
(rin ran run) möchte vielleicht auch die wiederholt 
vorkommende Benennung „Roneberg« zufallen; allen 
falls im Sinne einer geheimnisvollen Höhe? Hier 
beruht das o als Brechung auf älterem kurzem u, 
ist nicht Verengung aus au; einmal erschiene also der 
Ablaut der Mehrzahl, das andere Mal der der Ein 
zahl der Vergangenheit in solchen Namen. 
Kermann v. Festster. 
Aus Heimach und Fremde. 
Am 6. Januar, dem Sterbetage des Kur 
fürsten Friedrich Wilhelm I. vonHessen, 
war, wie alljährlich, dessen Grabmal auf dem alten Fried 
hofe reichlich mit Lorbeerkränzen, Blumen und Schleifen 
in den hessischen Farben, roth und weiß, geschmückt. 
Die Grabstätte wurde des Tags über vom Publikum 
zahlreich besucht. 
Am Sylvesterabend wurde das einaktige Lustspiel 
des hochgeschätzten Mitarbeiters unserer Zeitschrift 
D. Saul „Die Stoiker« zum ersten Male 
am hiesigen königlichen' Theater aufgeführt. Der 
Erfolg war ein durchschlagender. Herr D. Saul 
hat sich bereits als lyrischer Dichter einen geachteten 
Namen erworben — unseren Lesern sind seine tief 
empfundenen Gedichte wohl bekannt —, hier hat er 
auch gezeigt, daß er die Begabung zur dramatischen 
Poesie in hervorragender Weise besitzt. Sein Ein 
akter zeugt von einem guten Blicke für das bühnen-
        

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