Full text: Hessenland (3.1889)

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Zeugniß ablegte von dem deutsch-patriotischen Sinn 
und der treuen Anhänglichteit des Redners an sein 
Heimathland, das Hessenland. 
In Anschluß an den in Nr. 18 unserer 
Zeitschrift enthaltenen Artikel von I. Grineau „Die 
Bonifatiusgruft im Dome zu Fulda" bemerken wir, 
daß die Sammlungen zur künstlerischen Ausschmückung 
der Grabesstätte des Apostels der Deutschen einen 
recht erfreulichen Fortgang nehmen. Bekanntlich 
wird das Unternehmen seitens des königl. Staats- 
Ministeriums in Berlin unterstützt, indem dieses 
gleich anfänglich den Professor Luthmer in Frankfurt 
a. M. und den Baurath Hoffmann zu Fulda mit 
Ausführung der Vorarbeiten beauftragt hat. Auch 
haben sich jetzt sämmtliche bayerische Bischöfe, sowie 
der Bischof von Mainz, wie dies früher schon von 
dem preußischen Episkopate geschehen, dem von dem 
geschäftsführenden Konnte erlassenen Aufruf vom 
24. Juni d. I. angeschlossen. Wir zweifeln nicht 
daran, daß man in unserer Stadt Kassel, wie im 
ganzen Hessenland, dieser Angelegenheit ein erhöhtes 
Interesse zuwenden wird, handelt es sich doch um 
eine würdige künstlerische Ausschmückung der Gruft, 
in welcher die Gebeine des hl. Bonifatius ruhen, 
dem unser engeres Vaterland das Christenthum ver 
dankt und der am liebsten auf seinen Stiftungen im 
Hessenlande zu verweilen pflegte. 
Von Pr. iur. G. Mollat erschien soeben im 
Druck und Verlag von Friedrich Scheel „Lesebuch 
zur Geschichte der deutschen Staatswissenschaft von Kant 
bis Bluntschli". Diese zum akademischen Gebrauche 
vom Verfasser bearbeitete und herausgegebene Schrift 
bildet die erste Abtheilung einer „Geschichte der 
deutschen Staatswissenschaft von Kant bis Bluntschli", 
die zweite Abtheilung wird eine kritische Darstellung 
der Staatstheorieen von Kant bis zur Gegenwart 
enthalten, während die dritte eine bibliographische 
Uebersicht dieser Literatur darbieten wird. In dem 
Schlußabschnitte einer demnächst von Dr. G. Mollat 
erscheinenden Schrift „Juristische Propädeutik oder 
Einleitung in das Studium der Rechts- und Staats 
wissenschaft" wird der Verfasser die Gesichtspunkte 
näher darlegen, von denen er sich bei der Heraus 
gabe des vorliegenden Lesebuchs hat leiten lassen. 
Pietätsvoll hat der Verfasser die Schrift seinen 
Eltern gewidmet. — Wir verfehlen nicht, auf dieses 
neue Werk des gelehrten Herrn Verfassers ganz 
besonders hinzuweisen. 
Universitäts-Nachrichten. — Der Professor 
der Chemie Dr. Theodor Zincke in Marburg 
hat einen Ruf an die Universität Kiel erhalten, 
denselben aber, dem Vernehmen nach, abgelehnt. 
Todesfälle. — Am 16. Oktober verschied zu 
Fulda in Folge eines schweren Magenleidens der 
Domkapitular Wilhelm K l e e s p i e ß. Geboren am 
28. Oktober 1828 zu Frammersbach in Unterfranken, 
studierte er nach Absolvierung des Gymnasial- 
und philosophischen Kursus Theologie zu Würzburg 
und empfing am 15. November 1851 die Priester 
weihe. Zum Pfarrer und Dechant von Orb ernannt, 
trat er nach dem Uebergange dieses Dekanats von 
der Diöcese Würzburg auf das Bisthum Fulda in 
das letztere ein. Zu Anfang Mai 1882 wurde er 
zum Domkapitular in Fulda ernannt. 38 Jahre 
hat er als Seelsorger segensreich gewirkt und sich 
das Vertrauen, die Hochschätzung und die Liebe seiner 
Pfarrangehörigen in hohem Grade erworben. Er 
war ein Freund des Volkes, ein treuer Helfer in 
der Noth und um die Förderung von gemeinnützigen 
und Wohlthätigkeits-Anstalten hat er sich wesentlich 
verdient gemacht. Dem durch die Biederkeit und 
Lauterkeit seines Charakters ausgezeichneten Manne, 
dem würdigen Priester werden alle, die ihn 
kannten, ein ehrenvolles Andenken bewahren. 
B. i. p. — — Am 18. Oktober starb zu 
Kassel nach langem Leiden der Prorektor des 
Friedrichs - Gymnasiums Professor Dr. Otto 
Weber. Geboren war derselbe zu Obersuhl am 
5. Februar 1823. Er besuchte das Gymnasium zu 
Kassel, welches er 1840 absolvirte Hiernach studierte 
er Philologie und Philosophie an der Landes 
universität Marburg, wo er Korpsbursche des Korps 
Hasso-Nassovia war. Von 1845—1846 war er 
Praktikant am Gymnasium zu Marburg, von 1846 
— 1850 beauftragter Lehrer, von 1850—1853 
Hilfslehrer, im Dezember 1853 wurde er zum ordent 
lichen Gymnasiallehrer ernannt und im Juni 1857 
an das Gymnasium zu Kassel versetzt, am 14. Juli 
1869 wurde er zum Oberlehrer befördert und am 
19. Januar 1876 zum Prorektor bestellt, zugleich 
wurde ihm der Titel Professor verliehen. — 
Der Direktor und das Lehrerkollegium des Friedrich- 
Gymnasiums widmen dem Verblichenen einen warmen 
Nachruf, iu welchem es u. a. heißt: „Ausgerüstet 
mit reichen Gaben des Geistes und ausgezeichnet 
durch Fülle und Tiefe des Wissens hat er mehr als 
32 Jahre lang mit großer Pflichttreue und reichem 
Segen an unserer Anstalt gewirkt und sich auch in den 
Herzen seiner Amtsgenossen für alle Zeit ein ehren 
des Andenken gesichert." Er ruhe in Frieden. 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zw enger in Kassel. — Druck von Fr i edr. S cheel in Kassel.
        

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