Full text: Hessenland (3.1889)

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„Mir ,6 ) singe uch n ) joa nach de Sommer 
— Hääßt's — straat uhns eappes Heannerfricht 
„Eamm Maigkmuhnd * * 9 ) hun merr uch gepeaffe 
„Manch Steckilche vo Laib eann Fraad, 
„—'s horr uhns ordelich ohngegreaffe — 
„Etzt dour") Ihr aach woas" woar gesaht. 
Do setze se dann die Gebroirer 9 '), 
Däi saich eamm Boatterland se schihn 
Jhnder") gehahn bei schmoale Goirer'"), 
Als deaß se eann die Frimde gihn. 
Die ahle ihrliche Gesichter 
Sein troib — doas mächt die Hungerschnuuth - 
Die Aage sahn s5 ): „gerechter Richter, 
»E bessi") Bruud, e bessi Bruud!" 
Woartt") ihr emohl off Meddoagssoppe, 
Ihr Menschekeann, e Doaher^) zwa, 
Horr uch Verkält eann leid ohm Schnoppe, 
Do wärt's uch aach näit ahnerla. 
Kahn Schouh, kahn Förwessi"), naut Woarmes, 
Kahn Froind zoum Geawwe oawwer Lihn 9 ")! 
Naut Ahrmersch gett's°') als wäi e Oärmes, 
Oaboardi **) ohne Balledihn. 
Do seaht emohl, wäi oarm die Maise! 
»ZiPP, zipp", dr Spatz säht, 's wehr " 9 ) näit schihn, 
Hen wehr se leicht, merr soll enn paise"), 
Hen wehr dr halwe Kerls näit mihn. 
»Zipp, ZiPP", etzt wehr hen gern e Geckil") 
Eann hätt sein Ordning, kresch e laut, 
Eamm Nuuthfall meegt merrKatzebeckil "ff; 
»ZiPP, zipp" 's batt enn Alles naut. 
Se härre goar sche langt gelearre", 
Do kennt ohm Enn e Buhl kribirn" 9 ). 
E Weibche räif „woas sein's dann ferr e"), 
„Däi so boarwoarisch lamedirn?" 
— „Bloutfinke, Maise, Unischinn", Roawe, 
»ZiPP, zipp — die gahnz Famillje Spatz! 
„Uhns Fourerwerks 42 ) eaß all begroawe, 
„Ach, macht uhns doach enn Fourerplatz!" 
„Etzt gabb's off ahnmohl Werks zoum Achenn 
Met Kroste kohm 4 s, met Flaasch eann Weck. 
's scheckt dr Kecheschank, die Kachenn") 
Eann hungerig geng Kühner wägk. 
— Selangk de Weanter Schnie geläje 
Woar Fourer alle Doagk gestraat 
„Off doas Haus legkt sich Goittes Säje, — 
„Zipp, zipp". — hatt do dr Spatz gesaht. 
Friedrich vo« Trais, 
(Verfasser der Heimathsklänge aus der 
Wetterau.) 
') Hinweg. 2 ) liegt. 3 ) Reis. 4 ) betteln. ’) um 
Gottes willen. °i herunter. ') erkältet \! theilt aus. 
9 ) kalter. ,0 ) Passen. ") erst. 12 ) kauern. ") Scheuern. 
") Laube (Speicher). Kummer. ,s ) wir. ”) euch. 
18 ) Hintersrucht. ,9 ) Maimonat. 20 ) thut. **) Gebrüder. 
M ) eher. ”1 gehalten. u ) Gütern. 2S ) sagen. 2S ) bischen. 
9T ) wartet. 2 ”) Tager zwei, M ) Vorsüßchen (vom Strumpfe) 
30 ) Leihen. ”) giebt's. 32 ) ä parfc, namentlich. 3:! ) cS' 
wäre. 34 ) wägen (peserl. 3S ) Kicke! (Hahn). 36 ) man. 
3 ’) Katzenbücklinge. •”) gelitten. 39 ) crepiren. ") für 
welche. 4I ) Amseln. I! ) Futterwerk. 43 ) Ach ein (Essen). 
44 ) Kachel. 45 ) gestreut. 
(Nachdruck im Interesse der Sache gestattet.) 
Aus alter und neuer Zeit. 
In Folge gütigen Entgegenkommens, für das 
wir unseren verbindlichsten Dank abstatten, sind wir 
in der Lage einen vom 29. November 1785 datirten 
Brief, welcher das am 31. Oktober des genannten 
Jahres erfolgte Hinscheiden des Landgrafen 
Friedrich II. und den Regierungsantritt 
des Landgrafen Wilhelm IX. zum Gegen 
stände hat, mittheilen zu können. Der Brief ist 
geschrieben von dem Regierungs-Sekretär Georg 
Becker in Kassel, der eben erst am Tage des Todes 
des Landgrafen Friedrich U. vom Hofarchivar zum 
Regierungs-Sekretär befördert worden war, und an 
seinen Bruder, den Amts- und Stadtgerichts-Advokaten 
Jakob Christian Becker in Neukirchen gerichtet. Wir 
lassen hier das interessante Schriftstück seinem Wort 
laute nach folgen: 
„Ich hatte mich eben den Vormittag als 
Reg.-Sekretär verpflichten lassen, war guter Dinge 
und saß über meinem Klavier, als der Assessor 
Lennep auf einmal zur Stube hineintrat: „nun Du 
bist so lustig da, und weißt noch nicht, was vor 
gefallen ist?^ — „Wie so, was?^ — ..Vielleicht 
stirbt heute der Landgraf noch, eben ist er über 
Tafel umgefallen und schwerlich wird wohl Rettung 
übrig sein^. — Ich schnell mich angezogen, und 
zum Dinge hinaus. Da liess, rannt's und fuhr's 
schon Creutz und Queer in den Straßen herum. 
General von Schliessen begegnete mir in vollem 
Galoppe, und hast Du nicht gesehn, nach dem 
Weißensteine hin. Alles war verstört, und mir 
war, als sähe ich in China eine Sonnenfinsterniß 
mit an. Eben trat ich bei dem Regierungsrath 
Robert ein, als der Rath Dury schon kam und uns 
die Nachricht brachte, daß der Herr wirklich todt 
und die Thore schon zu wären. Ich ging nun 
gleich zum Geheimen Rath Lennep hin, und da hieß 
es: die Minute auf die Regierung. Um 6 Uhr 
war das ganze Collegium schon beysammen, und 
nun eröffnete der Geheime Rath zwei eigenhändige 
Ordres von unserm nunmehrigen Landgraf, wovon 
mündlich einmal ein mehreres. Darauf flogen die 
Räthe und Secretairs, wie dienstbare Geister nach 
allen Enden hin, um die befohlene Obsignation vor-
	        

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