Full text: Hessenland (3.1889)

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„Jeannette", sagte er weich unb legte den 
Arm um sie „weißt du nicht, daß dein heutiges, 
eifersüchtiges Schmollen mich unsagbar beglückte, 
weil es mir verrieth, wie viel wärmere Gefühle 
du für mich hegtest, als du zeigen wolltest." 
„Geliebter Mann!" rief sie aufschluchzend, „sei 
nicht so liebevoll zw mir! Wie wirst du zürnen 
über meine thörichte Verstellung, die ich dir 
gegenüber zur Schau trug." 
„Aber, so sprich doch, Kind! Was ängstigt 
dich denn so? Komm her, und bekenne es offen!" 
Der schon im Voraus Verzeihende rückte den 
Tisch etwas auf die Seite, setzte sich in die 
Sopha-Ecke und zog das zagende Weib auf seine 
Knie. 
„So, nun beichte!" ermahnte er halb scherzend 
und lehnte ihren Kopf an seine Brust. 
Jeannette gewann Muth. Zuerst wollten die 
Worte nur zögernd über die Lippen; dann aber 
gestand sie ehrlich, welche Intrigue sie angezettelt, 
um den hartherzigen Frauenkenner zu strafen 
und hinter's Licht zu führen. 
Der Amtsrichter war doch etwas betroffen 
über die Konsequenz, mit welcher dieser Vorsatz 
seiner Frau durchgeführt war; bald aber ge 
wann seine Gutmüthigkeit wieder die Oberhand; 
dennoch sagte er im Tone des Vorwurfs: 
„Kind, wie konntest du! Ahnungslos bist du 
an einen Abgrund gewandelt, und wie kummer- 
Muldstk. 
Der See liegt still und einsam 
Im dunklen Waldesgrün; 
Die grauen Wolken seh' ich 
So flüchtig drüber ziehn; 
Sie blicken in seine Tiefe 
Und spiegeln in seinem Glanz; 
Die stille Wasserrose 
Nickt leis' aus grünem Kranz. 
Und mir wird weh und eigen 
So wunderbar zu Muth, 
Ist meinem Herz nicht gleichend 
Der See und seine Fluth? 
Sind es nicht die Gedanken, 
Die durch das Herz mir zieh'n? 
Und bist du nicht die Rose — 
Sah' ich nicht dein Erblüh'n? 
tzarl Wevcr. 
schwere Tage hast du mich unnöthig durchleben 
lassen!" 
Von neuem brach Jeannette in Thränen aus, 
umschlang ihren Gatten und bat innig: 
„Vergieb! Vergieb! Und sei mir wieder gut, 
du über Alles geliebter Mann!" 
Da war sie wieder in seinen treu-ehrlichen 
Augen, die ihm verhaßte, verrätherische Thräne; 
er half sich diesmal selbst und sagte polternd: 
„Mit Frau Anna hätte ich wahrlich noch 
ein Hühnchen zu pflücken! Du bist gestraft durch 
die erwachte Eifersucht; aber ich denke: die An 
stifterin der ganzen Komödie wird auch nicht 
leer ausgehen. Ich kenne meinen Freund Richard 
und überlasse ihm getrost die Vergeltung für 
ihr Thun; er wird dieselbe energisch in die Hand 
nehmen." 
Liebevoll hob der Amtsrichter den gesenkten 
Kopf seines Weibes in die Höhe, sah ihm tief 
sinnig in die schönen Augen und flüsterte: 
„Auch ich habe in diesen Tagen eine Erfahrung 
gesammelt, Jeannette!" Er küßte ihr die schlanke 
Hand, welche in der seinen ruhte, neigte sich zu 
ihr herab und gestand ihr: 
„Ich weiß jetzt, daß ein großer Unterschied in 
deni Schmollen des Weibes besteht, und daß wir 
uns — bevor wir verurtheilen — fragen müssen, 
aus welchem Grunde sie schmollt." 
G gout Moart ftvv die Vihl 
(Wetterauer Dialect.) 
Dr Sommer eaß seweit ewäcker '), 
Dr Wahld se dorr, ohm B.ahm kahn Bload, 
Eann off de Wisse, off de Äcker 
Do leit 2 ) schuhnd Raasfl genungk eann soad! 
Die Vihlerchen - eaß dann e Wonner? — 
Gihn beann fl eamm Oart vo Haus ze Haus. 
„Jmm Goitteswenn fl, schneall Fricht eronner fl, 
„Se sein verkeist fl. Etzt daalt fl enn aus!" 
E kahler fl Weanter! Dorch die Gasse 
Fihrt hen met Schnie eann dobt eamm Feald. 
Etzt hun die oarme Vihl ds Basse 
Dr Bäcker gett naut, ihrscht") ds Geald. 
Do kauche 'fl se etzt verr de Schauern 'fl, 
Manch oarmer Deuwil muß erfriern; 
Die Hoffning eaß, deaß goure Bauern 
Die Lawe'fl öffne eann spendirn. 
Do seaht emohl dean Brast 'fl, dean Jommer! 
Dr Hunger stihr enn eamm Gesicht.
        

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