Full text: Hessenland (3.1889)

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Jordan, Endemann, Bickell, Mutter, Leander 
von Eß, den Docenten Dr. Spangenberg und 
Dr. Vollgraf. Zu Ende des Jahres 1826 
unterzog er sich dem examen rigorosum, in 
welchem er die beste Note, welche seit einer 
langen Reihe von Jahren nicht gegeben worden 
war und wohl kaum wieder gegeben worden ist: 
ad fere omnes (quaestiones recte, prompte 
et solide respondit) erhielt. Am 23. Fe 
bruar 1827 wurde Büchel auf Grund seiner 
Dissertation: „de fiducia, pignore et hypotheca, 
commentatio prima de fiducia“ zum Doctor 
iuris utriusque promovirt. Hierauf habilitirte 
er sich als Privatdocent der juristischen Fakul 
tät zu Marburg und las hauptsächlich über 
römisches Recht. Im Jahre 1838 wurde Büchel 
zum außerordentlichen Professor befördert. Man 
schreibt die verhältnißmäßig lange Dauer seines 
Privatdocententhums dem Umstande zu, daß er 
als Mitglied der früheren Burschenschaft bei der 
Staatsregierung mißliebig gewesen sei. Zu 
Anfang Januar 1843 wurde Büchel zum ordent 
lichen Professor ernannt. 
In der Mitte der dreißiger Jahre befanden 
sich in der kleinen Universitätsstadt Marburg, 
die damals wenig mehr als 300 Studenten 
zählte, drei Lehrer des römischen Rechts, die zu 
den ausgezeichnetsten Romanisten jener Zeit ge 
hörten : Professor Dr. G. F. Puchta, Dr. K. 
von Vangerow und Dr. Konrad Büchel. Puchta, 
später Nachfolger Savigny's ^n Berlin, und 
Vangerow, seit 1840 an Thibaut's Stelle Pro 
fessor in Heidelberg, hatten ihren , man kann 
sagen europäischen Ruf durch ihre klassisch zu 
uennenden Lehrbücher der Pandekten begründet, 
dazu kam bei Vangerow noch der kaum über- 
troffene Kvllegienvortrag. Büchel, der bescheiden 
in Marburg verblieb, war weniger der um 
fassende Systematiker, als vielmehr der scharf 
sinnige Interpret der einzelnen Materien des 
römischen Rechts. Als solcher hat er in manchen 
Beziehungen neue Bahnen gebrochen, wir wollen 
nur seine Lehre von den dinglichen Rechten, 
vor allem von dem Pfandrechte, sowie seine 
Lehre von dem Notherbenrecht anführen. Es 
ist wohl hier arn Platze, zu erwähnen, daß ihm 
gerade seine Forschungen auf diesem Gebiete zu 
Ende der dreißiger Jahre ein ganz eigenartiges 
Auditorium verschafften, indem die hervor 
ragendsten Mitglieder des damaligen berühmten 
Obergerichts zu Marburg, die Obergerichtsräthe 
Wiederhold, Cnyrim, Rang u. s. w. ein Pri 
vatissimum bei Büchel hörten. 
Büchel's Vorlesungen erstreckten sich haupt 
sächlich ''auf Institutionen, Rechtsgeschichte, Pan 
dekten. Auch las er ab und zu über Kirchen 
recht. Besonders lehrreich war sein Pandekten- 
Examinatorium, welchem so mancher unserer 
gediegenen hessischen Juristen die Grundlage 
seiner Kenntnisse zu verdanken hatte. — Was 
die schriftstellerische Wirksamkeit Büchel's an 
belangt, so war dieselbe weniger umfangreich, 
da er als das Hauptfeld seiner Thätigkeit das 
unmittelbare Lehramt betrachtete. Von seinen 
bedeutenderen literarischen Arbeiten führen wir 
an: „Civilrechtliche Erörterungen I. Band., 
enthält 1) über die Wirkung der Klagenver 
jährung, 2) über die Natur des Pfandrechts, 
3) über iura in re und deren Verpfändung, 
Marburg 1832-1834 (2. Auflage 1846), 
II. Bd.: 1) über die Verpfändung f. nicht 
vollgiltige Obligationen, 2) Streitfrage aus 
Novelle 118, Marburg 1834-1836; ferner die 
Gelegenheitsschrift: disquisitio de uno casu, 
quo secundum §. 2 J. de actionibus (4, 6) in 
controversiis rerum corporalium is qui 
possidet, nihilominus actoris partes obtinet*), 
und schließlich sein Werk: Ueber die Natur des 
Besitzes, Marburg 1868. 
Büchel lag ununterbrochen seinem Lehrberufe 
ob, bis ihn im Jahre 1870 wiederholte Ohn 
machtsanfälle während der Vorlesungen nöthig 
ten, diese einzustellen. Von da an kränkelte er 
und verfiel allmählig dem Siechthum, von 
welchem ihn ein sanfter Tod am 14. März 1875 
erlöste. Seine erste Frau Therese, Tochter des 
Justizbeamten Will von Großenlüder, mit welcher 
er 1840 getraut worden war, starb im Jahre 
1848. Zum zweiten Male verheirathete er sich 
mit Franziska, Tochter des pensionirten Haupt 
manns Döring von Amöneburg, welche ihm zwei 
Jahre im Tode vorausging. Beide Ehen 
waren kinderlos geblieben. Während der 
beiden letzten leidensvollen Jahre seines Lebens 
genoß Büchel die sorgsamste Pflege seiner 
Schwägerin Dorothea, geb. Lieblein aus Fulda. 
Zu seinem Universalerben hatte er wenige 
Wochen vor seinem Hinscheiden den ihn von 
seinen sechs Geschwistern allein überlebenden 
Schuhmachermeister Heinrich Büchel von Fulda 
testamentarisch eingesetzt; auch die Universität 
Marburg hat er in seinem Testament reichlich 
bedacht. (Schluß folgt.) 
*) Es war dies eine Znauguralschrist, die Konrad 
Büchel als abgehende Magnificenz zu Ehren des neu 
gewählten Prorektors, des Professors Df. Christian 
Ludwig Gerling, bei dessen feierlichen Einführung am 
28. November 1847 herausgegeben hat.
	        

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