Volltext: Hessenland (3.1889)

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vortreffliche mathematische, physikalische und op 
tische Instrumente. 
Der Hof-Instrumentenmacher Föller excellirt 
in Fortepianos. Bekannt ist dessen Automat 
unter dem Namen von Apollonion. 
Ich besuchte das bewunderte Modellhaus, in 
der Meinung, außer Gebäuden und Anlagen, 
auch Modelle von nützlichen Maschinen zu finden. 
Da ich aber diesen Zweck verfehlte, so betrachtete 
ich das Ganze, insonderheit aber den Karlsberg, 
als ein großes Nürnberger Spielwerk. Das Haus 
wird, wie ich gleichgültig vernahm, bald geräumt 
und zu anderen Dingen angewandt werden. 
(Schluß folgt.) 
arburgor Wanöeküsten. 
Bon F. Awenger- 
„Wenn zwei oder drei hessische Juristen zu löb 
lichem Thun versammelt sind, so bin ich mitten unter 
ihnen", das konnte mit vollem Fuge der selige 
Professor KonradBüchelin Marburg von sich 
sagen. Er war eine der populärsten Persönlichkeiten 
der alma mater Philippina, bekannt und beliebt 
aller Orten, bei Alt und bei Jung, bei Stu 
denten und Bürgern, wie man nur in Marburg 
bekannt und beliebt sein kann. Ein großer 
Gelehrter, witzig und schlagfertig, von heiterem 
Humor, ein Freund feucht-fröhlicher Geselligkeit, 
besaß er aber eine Eigenschaft, die sein 
ganzes Sein beherrschte und zu unfreiwil 
liger Komik nur zu oft Veranlassung bot — 
die liebe Eitelkeit. Er war eitel vom Wirbel 
bis zur Zehe, nicht blos auf sein Wissen, auch 
auf sein Aeußeres, auf das er eine peinliche 
Sorgfalt verwendete. Er trug die Kleider von 
feinstem Tuche, seine Finger strotzten von Ringen 
mit Diamanten und anderen Juwelen, seine 
Kravatten zierten die werthvollsten Brillant 
nadeln, stets führte er eine goldene und eine 
silberne Dose mit sich, die auch in seinen Vor 
lesungen paradiren mußten. Streitlustig war er 
auch dabei und die Polemik gegen seine Fach 
genossen, und seien es auch die berühmtesten gewesen, 
verleitete ihn oft zu sehr drastischen Ausdrücken. 
Recht bezeichnend für ihn ist eine Erklärung, 
die er einst in einer seiner Pandekten-Vor- 
lesungen gegeben haben soll, nachdem er seinen 
Gegner in irgend einer juristischen Materie, 
den berühmten Professor Puchta, herunter 
gerissen hatte: „Ueberhaupt, meine Herren, 
gibt es nur drei wirklich auf der Höhe der 
Wissenschaft stehende Pandektisten: Savigny, 
Vangerow, den dritten zu nennen, verbietet mir 
die Bescheidenheit". Seltsame Kathederblüthen 
trieb sein Vortrag, viele davon haben sich er 
halten und sie waren es gerade, die einen dauern 
den Gesprächsstoff in der Juristenwelt bildeten. 
In der That, so oft in früheren Jahren hessische 
Juristen, sei es bei fröhlichen Gelagen, sei es 
bei anderen Gelegenheiten, zusammentrafen, ganz 
gewiß kam da die Rede auf den „alten Konrad", 
dem alle, vom ältesten Gerichtsrathe bis zum 
jüngsten Referendare, ein dankbares Andenken 
bewahrten, hatten sie doch unter ihm ihre 
Studien gemacht, wußten sie doch seine wissen 
schaftliche Bedeutung und seine trefflichen Eigen 
schaften als Mensch, unter denen seine Humani 
tät und sein unbegrenztes Wohlwollen nicht die 
geringfügigsten sind, wohl zu würdigen. Gegen 
solche Vorzüge mußte denn auch die Schwäche 
übertriebener Eitelkeit in den Hintergrund treten, 
und wenn man sich auch in Erzählung der komischen 
Scenen aus dem Leben des alten „Konrad" 
mit Vorliebe erging, so geschah dies gewiß nicht 
ans argem Sinne, vielmehr sprach immer dabei 
eine gewisse Zuneigung mit, die man für den 
alten Lehrer hegte. Unzählig sind die 
Buecheliana, die einst, und zum Theile gegen 
wärtig noch kursiren, einzelne derselben werden 
wir in unserem nächstfolgenden zweiten Artikel 
erwähnen, heute ist es uns nur darum zu thun, 
unseren Lesern den Lebenslauf des ausgezeich 
neten Marburger Pandektisten Konrad Büchel 
in kurzen Zügen zu schildern. 
Konrad Büchel ist am 20. November 1800 
zu Fulda geboren. Als Sohn armer Eltern — sein 
Vater war ein Musikant, der eine zahlreiche 
Familie zu ernähren hatte — lernte er schon 
in früher Jugend des Lebens rauhe Seite 
kennen, indem er alle jene Freuden und Genüsse 
entbehren mußte, die den Reiz 8er Kinderwelt 
ausmachen. Da man in dem Knaben unge 
wöhnliche Talente entdeckte, so entschloß sich der 
Vater, denselben studieren zu lassen. Das 
machte sich damals leichter als heut zu Tage. 
Schulgeld gab es nicht, der öffentliche Unterricht 
war frei für Arme und Reiche, und wenn nur 
ein Schüler erst die unteren Klassen des Gym 
nasiums überwunden hatte, so konnte er sich 
durch Ertheilen von Privatunterricht schon selbst 
Geld verdienen und wäre es auch nur ein 
Groschen für die Stunde gewesen; auch gewährten 
wohlhabende Bürger an bestimmten Tagen der
        

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