Full text: Hessenland (3.1889)

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Dem am 24. September in Kassel verstorbenen 
Geheimen Justizrath Dr. jur. Karl Kraushaar 
widmet die „Oberhessische Zeitung" einen warmen 
Nachruf, welchem wir folgende Angaben entnehmen : Mit 
Karl Kraushaar ist wieder einer der alten bewährten 
hessischen Juristen dahingeschieden, dessen hervorragende 
praktische Leistungen auf juristischem Gebiete ihm ein 
bleibendes Andenken sichern. Anfangs war Kraus 
haar Rechtsanwalt in Kassel, war hierauf von 1836 
bis 1849 Justizbeamter in Jesberg, 1*50 Land 
richter in Rinteln, von 185! —1852 Stadtgerichts 
direktor in Kassel, von 1852 — 1657 Justizbeamter 
in Hanau, von 1857 —1862 Kriminalgerichtsdirektor 
in Schmalkalden, 1*62—1864 Obergerichtsrath in 
Fulda, von 1864 — 1866 Obergerichtsrath in Kassel, in 
welcher Zeit er auch als Landtagskommissar fungirte. 
Nach der Einverleibung Kurhessens in Preußen nud 
nach Einsetzung der neuen Justizorganisation im Jahre 
1867, bekleidete er viele Jahre lang bis zu seiner Pen- 
sionirung im Jahre 1879 die Stelle eines Kreisgerichts 
direktors in Marburg, zugleich war er Vorsitzender 
des Marburger Konsistoriums. Zum Geh. Justiz- 
rath befördert, wurde er gelegentlich seines 50jährigen 
Dienstjubiläums zum Ehrendoktor der Rechte der 
Marburger Universität ernannt. Mit treuer Anhäng 
lichkeit hing er an seinem lieben Hessenlande. Nach 
dem er in den Ruhestand getreten, zog es ihn 
wieder nach Kassel hin, welches ihm eine zweite 
Vaterstadt war. Bieder , leutselig und einfach im 
Leben, erfreute er sich der Hochschätzung in den 
weitesten Kreisen. Ein Herzschlag endete sein Leben 
im 84. Lebensjahre. 
Hessische Sücherschau. 
Von unserem hessischen Landsmann, dem Dr. Joseph 
Rübsam, fürstlich Thurn und Taxis'schem II. Archivar 
in Regensburg, erschien soeben „Johann Baptista 
von Taxis, ein Staatsmann und Militär unter 
Philipp II. und Philipp III. 1505—1520, nebst 
einem Exkurs: Aus der Urzeit der Taxis'schen Posten, 
1505 — 1520“, (Freiburg im Breisgau, Herder'sche 
Verlagsbuchhandlung.) 
Vorliegende, auf gründlichem Studium der archiva- 
lischen und gedruckten Quellen (nahezu 300 Nummern) 
beruhende Monographie handelt über des kaiserl. 
Generaloberstpostmeisters Johann Baptista von Taxis 
jüngsten Sohn, welcher in seiner Stellung als span. 
Botschafter am französ. Hofe auf die Geschicke Europas 
mächtigen Einfluß ausübte. Als Militär erwarb sich 
Taxis unter den Fahnen eines Alba, Don Juan 
d'Austria, Alexander Farnese von Parma und Grafen 
von Fuentes in den Kämpfen gegen die Türken, 
Niederländer und Franzosen reiche Lorbeern und be 
kleidete das Amt eines Generalinspektors der span. 
Armee in den Niederlanden. 
Ganz besonderes Interesse gewinnt das Buch durch 
seinen Exkurs, welcher der Forschung die beiden älte 
sten, bisher unbekannten Urkunden über die inter 
nationale Gestaltung des Taxis'schen Postwesens zu 
gänglich macht, deren eine aus dem Jahre 1505 von 
König Philipp I. von Castilien ausgestellt ist, während 
die zweite aus dem Jahre 1516 den Vertrag König 
Karls I (V.) von Spanien mit seinen Hauptpost 
meistern Franz und Johann Baptista von Taxis über 
die Unterhaltung der Posten von den Niederlanden 
aus nach Spanien, Rom, Neapel, Deutschland und 
Frankreich darstellt. Eine ganze Reihe von Irrthümern 
auf dem Gebiete der Postgeschichte wird durch diese 
Publikation beseitigt. — 
Der Verfasser har sich bereits durch seine gründlichen 
historischen Forschungen in der Gelehrtenwelt einen 
sehr geachteten Namen erworben und alle die Vorzüge, 
welche seinen früheren Schriften nachgerühmt werben, 
finden sich in diesem neuen Werke vereinigt wieder. 
Wir haben wiederholt in unserer Zeitschrift des 
Majors a. D. Otto Wachs in Potsdam, früher 
Offizier im kurhessischen Jägerbataillon, als eines aus 
gezeichneten MilitärschriftsteMW^Erwähnung gethan. 
Heute sind wir in der Lage, ein Urtheil über dessen 
schriftstellerische Leistungen wiederzugeben, das Oberst 
a. D. Professor EmilRothpletzzu Zürich in einem 
größeren Aufsatze „Militärische Schlagschatten", in 
Nummer 271 der „NeuenZüricher Ztg." vom 26.Sept., 
veröffentlicht hat. Der geistreiche Verfasser behandelt 
in dem hochinteressanten Artikel den nächsten, früher 
oder später ausbrechenden Krieg, der sich zu einem 
Weltkriege gestalten werde und müsse, um die Macht 
Rußlands mit seiner gewaltigen Expansionskraft zu 
brechen, die eine beständige Gefahr für den Frieden 
Europas sei. Der Verfasser fährt dann fort: 
„Ich bin in meinen Studien auf einen vortrefflichen 
Schriftsteller gestoßen, der in einer Reihe von Einzel 
arbeiten aus der Basis, von der ein zukünftiger Welt 
krieg seinen Anfang zu nehmen hat, einzelne der wich 
tigsten Verhältnisse zum Gegenstand seiner politisch 
militärischen Forschungen gemacht hat. 
Dieser Schriftsteller ist Otto Wachs, königl. 
preußischer Major außer Dienst. — — — — — 
Die Werkes die ich von dem Autor las, behandeln 
folgende hochinteressante Themata: 
*) „Die Weltstellung Enalands rc.", mit 7 Karten, 
Kassel, Verlag Th. Fischer, 1886. Preis 4 M. 50 Pf. 
„Der Kampf um Konstantinopel". 2. Aufl. Leipzig, 1888. 
Preis 1 Mark. 
„Die politisch-militärische Bedeutung des Kaukasus." 
1889. Preis 1 Mark. 
„Der Kampf ums Mittelmeer, MsertaV" Deutsche 
Rundschau, Februarheft, 1889. Wird später als „Separat- 
abdruck" erscheinen. 
„Die Wehrkraft Italiens." Deutsche Rundschau, Juni- 
heft 1889. Wird später als „Separatabdruck" erscheinen.
        

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