Full text: Hessenland (3.1889)

306 
mit dem Vorbehalte derjenigen Modifikationen, zu über 
tragen, welche unter thunlichster Berücksichtigung der 
von Professor Hermann Grimm entwickelten Anschauung 
mit Professor Eberle im Wege direkter Verhandlungen 
festzustellen seien. (Hanauer Ztg) 
Nekrologe. Der Nealschul-Jnsp. Pfarrer Eduard 
Breunuug war zu Brotterode am 6. Mai 1819 geb. 
Er besuchte das Gymnasium illustre zu Gotha von 
183-1— 38, studirte dann bis 1842 in Marburg 
und Leipzig Theologie und Philologie. Im Frühjahr 
18-12 trat er als Lehrer in einer Privataustalt in 
Solz ein, ging 1845 nach Paris, um sich in der 
französischen Sprache auszubilden, wurde daselbst Haus 
lehrer bei dem hannoverschen Gesandten v. Stockhausen, 
leitete sodann einige Monate in der Nähe von Tours 
die Studien eines jungen Franzosen, der sich zum 
Baccalaureat vorbereitete und ließ sich im Spätherbste 
184 7 in Kassel nieder, wo er Paivarunterricht er 
theilte. Während der letzten Monate des Jahres 
1850 wirkte er als Pfarrergehilfe in Steinbach- 
Hallenberg, bekleidete von Ostern bis Michaelis 1851 
die Stelle eines Hilfs-Lehrers für neuere Sprachen 
und Literatur am Realgymnasium zu Eisenach und trat, 
nachdem er das folgende Winterhalbjahr in London 
zugebracht, Ostern 1852 als ordentlicher Lehrer in 
derselben Anstalt ein. In Sommer 1854 wurde ihm 
durch kurfürstliches Reskript vom 24. August die Stelle 
des zweiten Hauptlehrers an der reorganisirten Real 
schule zu Marburg übertragen. Ostern 1862 wmde 
er als Lehrer an das Gymnasium zu Fulda versetzt, 
von wo er 3 Jahre später zum Direktor der neu 
organisirten Realschule nach Hersfeld berufen wurde. 
Hier entfaltete er als Lehrer, wie als Leiter der ihm 
vertrauten Anstalt eine sehr erfolgreiche Thätigkeit. 
Mit dem 1. Mai 1881 wurde ihm die erbetene 
Pensionirung bewilligt. Im Herbste desselben Jahres 
verzog er nach Kassel, wo er in einem Kreise von 
alten Freunden und Bekannten, geliebt und geehrt, 
wie er es im vollsten Maße verdient hatte, seine Tage 
verbrachte. Er verschied am 14. September nach 
einem längeren Nierenleiden, von dem er im 
Bade Wildungen vergebens Heilung gesucht hatte. — 
Es verdient noch hervorgehoben zu werden, daß der 
Verstorbene ein außergewöhnliches Talent für Sprachen 
besaß und ein ausgezeichneter Klavierspieler von feiner 
musikalischer Bildung war Sein Spiel, vereint mit 
dem Geigenspiel des Professors Beneke war s. Z. in 
Marburg berühmt. Nach dem Tode seines ältesten, 
reichbegabten Sohnes, der nach vorzüglich bestandenem 
Abiturienten-Examen im Anfang der 70er Jahre im 
Bade Kreuth plötzlich verstarb, rührte er seinen Flügel 
nicht mehr an. — 
Gymnasialoberlehrcr vr. Albrecht Dieterich war 
am 24. Mai 1820 zu Wolfhagen als der älteste 
Sohn des dortigen Kantors Dieterich geboren. Von 
seinem Vater, einem sehr tücht-gen Lehrer, wurde er 
so weit vorbereitet, daß er in 3 1 / 2 Jahren das 
Kasseler Gymnasium absolviren konnte. Er studirte 
hiernach zu Marburg und Berlin Theologie und 
Philologie. In Berlin waren Schelliug und 
Hengstenberg, Lachmann und Böckh seine Lehrer, in 
Marburg fühlte er sich am meisten angezogen von 
dem geistvollen Professor der Philologie vr. Karl 
Friedrich Hermann, den er in hohem Grade ver 
ehrte. Diesem dankte er die hohe Begeisterung für das 
klassische Alterthum, die ihn zeitlebens erfüllt hat. 
Im Jahre 1845 begann er seine Lehrthätigkeit am 
Gymnasium zu Kassel, 1848 wurde er mit der 
Organisation des Progymnasiums zu Schlüchtern 
betraut, das unter seiner Leitung rasch emporblühte. 
Im Jahre 1850 wurde er an das Gymnasium zu 
Hersseld versetzt. Hier hat er 35 Jahre lang, bis 
zu seiner im Jahre 1885 erfolgten Pensionirung, 
gewirkt. 1854 verheirathete er sich mit einer Tochter 
des ausgezeichneten Direktors vr. Wilhelm Münscher, 
welche 1873 verstarb. Dieser glücklichen Ehe entstammte 
sein einziger Sohn Albrecht, dessen sorgfältige Erziehung 
und wissenschaftliche Ausbildung ihm das größte Her 
zensbedürfniß war. Und reiche Früchte hat diese Er 
ziehung getragen; es gewährte ihm die größte 
Freude, als sein Sohn Albrecht im vorigen Jahre 
zu Bonn insigni cum laude das philosophische 
Doktorexamen bestand. Auf das Innigste waren 
Vater und Sohn miteinander verbunden. Der Eine 
lebte, so zu sagen, in dem Andern. Nach seiner 
Pensionirung zog vr. Dieterich zuerst nach Wahlers 
hausen, hiernach kaufte er sich in Kirchditmold ein 
Haus, um der von ihm fast zärtlich geliebten Wil 
helmshöhe nahe zu sein. Im Zusammenleben mit 
seinem Sohne, im Umgänge mit einigen Freunden, 
in der Benutzung seiner bedeutenden Bibliothek und 
in dem Genusse der Naturschönheiten der dortigen 
Gegend, fand er seinen höchsten Genuß. Er starb 
nach wiederholtem Schlaganfalle an Herzlühmung. 
Der Verblichene war ein sehr frommer, charakterfester 
Mann, ein treuer Hesse, ein ausgezeichneter Ge 
lehrter auf theologischem und philologischem Gebiete. 
Tausende von Schülern hat er herangebildet, und war 
er auch ein strenger Lehrer, so meinte er es doch 
gut mit ihnen, er nahm herzlichen Antheils an ihrem 
ferneren Schicksal und freute sich ihres Wohlergehens. 
Dankbar hat dies auch die große Mehrzahl seiner 
Schüler anerkannt. Sie kannten seine Gesinnung, 
sie wußten, daß sie sich ans ihn verlassen konnten; 
sie werden ihm ein treues Andenken bewahren. Er 
ruhe in Frieden.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.