Volltext: Hessenland (3.1889)

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Schon liegen an dem Fuß der Eichen 
Verwundete bei blut'gen Leichen; 
Den andern Räubern aber grauet. 
Als fort und fort das Schwert mit Wucht, 
Wer sich noch wehret niederhauet, 
Entsetzt ergreifen sie die Flucht. 
Der Ritter beugt die Knie im Staube, 
Und dankt dem Himmel, der's gefügt. 
Daß er im heißen, blut'gen Kampfe 
Den meuchlerischen Feind besiegt, 
Vom jähen Tod den Greis gerettet. 
Drauf hat der Ritter ihn gebettet 
Auf weiches Moos und Rasendecken, 
Sein Haupt sanft in den Schoß gelegt. 
Als sich der Greis erholt vom Schrecken, 
Spricht er zum Ritter tief bewegt: ' 
„O unbekannter Jüngling heische 
Von mir, kein Lohn ist mir zu groß, 
Die Biederthat dir zu vergelten, 
Kein Dank sagt von der Schuld mich los!" 
Der Jüngling spricht: „Der Ritterehre 
Geziemt's nicht, daß sie Lohn begehre; 
Doch muß ich eine Bitte wagen. 
Zwar ist sie kühn, allein ich weiß, 
Ihr werdet sie mir nicht versagen: 
Gebt eure Tochter mir als Preis!" 
Nicht eingedenk, was er beschlossen 
Ob seiner einz'gen Tochter Hand, 
Nicht prüfend lang des Ritters Ford'rung, 
Ruft er: „Dich hat mir Gott gesandt! 
Das höchste Kleinod meiner Gaben, 
Du, edler Fremdling, sollst es haben, 
Sollst haben sie und meinen Segen, 
So du von edlem Blute bist!" 
„Das bin ich!" ruft mit Stolz der Degen, 
„Wenn das allein Bedingung ist!" 
Aufschloß er das Visier des Helmes — 
Des Marschalls Antlitz hoch erglüht 
Von Scham und Reu', als er betroffen 
Ins treue Aug' des Mannes sieht, 
Der jetzt der Reiter seines Lebens, 
Und der zu ihm so lang vergebens 
Gefleht der Lieb' sich zu erbarmen. 
Es war ein sel'ger Augenblick.! 
Der Jüngling lag in seinen Armen, 
Berauscht vom nahen Liebesglück. 
Nicht Worte schildern Glück und Wonne 
Der Jungfrau, tief war sie gerührt, 
Als unerwartet ihr der Vater 
Den Heißgeliebten zugeführt. — 
Der Landgraf aber ließ zur Stelle 
Zur Trauung schmücken die Kapelle; 
Es zierten Myrtekranz und Schleier 
Bald Margarethens goldnes Haar, 
Am Tage der Vermählungsfeier 
Der Landgraf selbst Brautführer war. *) 
Kart Kinck. 
Airs dp Schirl. 
(Schwälmer Mundart.) 
Ins ähler Kanter wor gescheit 
O wetzig owedrenn. 4 ) 
En harre gärn wüll alle Leiht, 2 ) 
Die Große ö die Kenn. 8 ) 
Em 4 ) wor nur — ö dos wor net schie, 5 ) 
Dr Mettelbollidan net grie. 6 ) 
Dr Mettelbollidan üerbott 7 ) 
De Stacke 8 ) i dr Schul. — 
Eenst drew nü inner 9 ) immersott 
Domm Zeihk") o Kanters Stuhl. 
Dr Kanter äwwer, ll ) de greff zü. 
Ö schüff 12 ) sich met demm Stacke Ruh. 
Off eemol gong die Schüldähr") off. — 
Dr Mettelbollidan! — 
Doch weihrer H ) schlühk dr Kanter droff 
Ö säht") da: „Hör mich an, 
Du sagst der Mutter ganz genau, 
Daß ich dich schlug heut blitzeblau!" — 
Demm Mettelbollidan bie Höh 16 ) 
Komm detz Benamme ver.") 
Hä räsbert l8 ) sich ö svroch da: «So! — 
Wer hat den Stock erlaubt, Herr, wer? 
Die Mutter kommt gewiß und klagt. 
Was thu ich dann, wenn sie das wagt?» 
„Dann schmeißen sie sie nur heraus." — 
«Das wär' ein schön Geschäft! 
Dann kommt der Vater mir ins Haus 
Und schwadroniert und kläfft 
Und droht mit den Gerichten. Mann, 
Der Vater kommt. Was thu ich dann?» 
*) Aus dieser Ehe Hermanns und Margarethens 
stammt die ganze jetzt blühende Familie der Freiherren 
von Niedesel zu Eisenbach ab, so wie die meisten Güter, 
welche dieses altadelige Haus noch jetzt in Hessen und 
Franken besitzt und die durch Margarethe an dasselbe ge 
kommen sind. Margarethe starb 1455, Hermann im hohen 
Alter 1463. 
C. W. Zusti's Hessische Denkwürdigkeiten.
        

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