Full text: Hessenland (3.1889)

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Schon am 28. März wurde er, was früher wohl 
Niemand, und er selbst am wenigsten für möglich 
gehalten hätte, auf Vorschlag des neugebildeten 
liberalen Ministeriums von dem Kurfürsten als 
sogenannter Vertrauensmann nach Frankfurt an 
den Bundestag geschickt, ja bald nachher mit dem 
Titel eines Geheimen Legationsraths zum Kur 
hessischen Bundestags-Gesandten ernannt. Seine 
Einfahrt in Frankfurt glich einem Triumphzug. 
Die zahlreich versammelte Menge begrüßte ihn 
mit begeistertem Zuruf, junge Leute spannten 
die Pferde seines Wagens aus und zogen den 
Märtyrer der Freiheit bis zu der von ihm er 
wählten Wohnung. Das Vorparlament erwies 
ihm die Ehre ihn zu einem der vier Vicepräsidenten 
zu erwählen. Aber trotz all der auf ihn gehäuften 
Ehren blieb er der alte bescheidene Jordan, der 
mit Jedermann freundlich verkehrte und damals 
überall die Gemüther zur Mäßigung und zu ge 
setzlicher Haltung zubewegen suchte. Eine solche 
beruhigende Thätigkeit entwickelte er namentlich 
unter der aufgeregten Bevölkerung von Hanau, 
und wenn er sich wirklich früher zu gesetzwidrigen 
Schritten gegen die Obrigkeit hatte fortreißen lassen, 
so hat er damals das früher Verfehlte wieder gut ge 
macht. — Als nach der Wahl des Reichsverwesers 
Johann von Oesterreich die Bundestags- 
Gesandten auseinander gingen, blieb Jordan in 
Frankfurt, da ihn der Wahlkreis Fritzlar zum Ab 
geordneten für die Nationalversammlung gewühlt 
hatte. Doch hat er die Rednerbühne nur selten betre 
ten. Nach Auflösung der Nationalversammlung 
wurde er im Frühjahr 1850 von der Kurhessischen 
Regierung zum Erfurter Parlament als Mitglied 
des Staatenhauses gesandt, jedoch nicht lange 
nachher, da die Sache der Union ins Stocken ge 
bracht worden war, von dem Minister Hassen 
pflug, welcher 1837 seine Entlassung genommen 
hatte, 1850 aber von dem Kurfürsten an die 
Stelle des liberalen Ministeriums berufen wor 
den war, wieder zurückberufen, ohne weiter im 
Staatsdienst verwendet zu werden. 
Damit endete die ehrenreiche Zeit für Jordan. 
Von nun an lebte er in stiller Zurückgezogenheit 
zu Kassel. Seine Kraft war gebrochen. Daher 
nahm er, der einst die Verfassung von 1831 
verfaßt und vertheidigt hatte, nachdem sie durch 
Bundesbeschluß aufgehoben war, am Kampf für 
deren Wiederherstellung keinen Antheil. 
Die letzten Jahre Jordans verflossen nicht nur 
in großer Stille, sondern auch unter schweren rheu 
matischen Leiden» die sich im Frühjahr 1861 
durch das Hinzutreten von Wassersucht bedeutend 
steigerten. Im Traumleben der letzten Tage weilte 
sein Geist meistens in den Bergen seiner Heimath. 
Zu anderen Zeiten war aber sein Geist wieder 
hell und klar. In solcher Stimmung ließ er 
einen Becher, welchen er einst von badischen 
Männern zum Geschenk erhalten hatte, herbei 
holen und mit Wein füllen. Dann reichte er ihn 
den Seinigen mit den Worten: Liebet Euch unter 
einander! Kurz darauf machte ein sanfter Tod 
am 15. April 1861 seinem Leben ein Ende. — 
Das wenige Tage nachher stattfindende Leichen- 
begängniß zeigte noch einmal, welches Vertrauen, 
welche Achtung der Verstorbene bei den Bewohnern 
Hessens sich erworben hatte. Nicht nur der ge- 
sammte Stadtrath nebst Bürger-Ausschuß und 
die Bürgerschaft von Kassel folgte der Leiche, 
sondern auch aus den übrigen Hessischen Städten 
und Dörfern waren viele herbeigekommen, um 
ihrem Jordan, den sie als ihren Wohlthäter 
und als Märtyrer der Freiheit verehrten, die 
letzte Ehre zu erweisen. 
_ Den Schluß dieser Schilderung mögen die Worte 
bilden, mit welchen Jordans Tochter, Frau Hen 
riette Keller-Jordan in München in einem 
Brief den Bericht über ihres Vaters letzte Lebenszeit 
beendigt: Gott Lob, daß es in Deutschland nicht mehr 
so ist, wie vor 50 Jahren! Ja gewiß, wir haben 
alle Ursache dafür dankbar zu sein, daß heutzutage 
in Deutschland zwischen Regierung und Unter 
thanen Eintracht und Vertrauen herrscht, und 
daß unsere jetzige Rechtspflege solche politische 
Prozesse, wie den 6jährigen gegen Jordan, ganz 
unmöglich macht. 
Kie schmollt. 
Aovellelke von M. Frieörichstein. 
(Fortsetzung.) 
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„So, da wären wir wieder einmal!" rief der 
Amtsrichter, schaute sich prüfend nach allen Seiten 
um, und fügte hinzu: 
„Noch ganz die alte Schmutzbude, wie zuvor! 
Da ist noch der nämliche Fettfleck an der Wand. 
Die Streichholzdose ist »ach wie vor verschwun 
den, und das Stuhlbein wackelt wahrhaftig ge 
nau so wie früher. Alles im alten Geleise!" 
„Nur du bist nicht der Alte, Maxell" sagte
        

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