Full text: Hessenland (3.1889)

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fetten führen mußte, weit mehr als in der 
Absicht der beiden Theile. Solche Streitigkeiten 
währten fast ununterbrochen von 1491—1506, 
wo sie durch eine Sühne, die der Herzog von 
Croy bewerkstelligte, beigelegt wurden 
Auch das freundschaftliche Verhältniß Hermann's 
zu Maximilian konnte, zumal nach dessen Thron 
besteigung, nicht immer ungetrübt bleiben. Die 
äußeren Beziehungen zwar blieben scheinbar die 
besten; doch stand Hermann fest auf Seiten 
seiner Kollegen, der übrigen Kurfürsten, zumal 
des genialenBerthold von Mainz, um die 
dem Reiche so nöthigen Reformen dem Kaiser 
abzudringen * 2 ), wiewohl mit wechselndem Erfolge. 
Da es dem Kaiser gelang, auf dem Reichstage 
zu Köln im Jahre 1505 die Kurfürsten-Union 
zu sprengen, brachte er die ihm lästigen Neu 
erungen allmählich zu Falle. 
Auf diesem Reichstage, dessen Glanz und Pracht 
besonders hervortrat, ward Hermann vom Kaiser 
in hervorragender Weise ausgezeichnet, der mit 
Vorliebe seine geistvolle und witzige Unterhaltung 
aufsuchte. Ritterspiel und Tanz und prächtige 
Gastereien unterbrachen die Berathung der Reichs 
angelegenheiten , und wenn wir hören, daß der 
Kurfürst selbst auf dem Gürzenich den ersten 
Reigen vortanzte, an dem auch die Aebtissin und 
die Stiftsdamen von St. Marien und St. Ursula 
zu Köln Theil nahmen, so sehen wir, daß er 
seine geistliche Würde mit der eines Fürsten 
des Reiches wohl zu vereinigen wußte 3 ). 
In die Angelegenheiten seines Heimathlandes 
hat Hermann wenig, aber immer segensvoll und 
als treuer Berather seiner Verwandten eingegriffen. 
Als Landgraf Heinrich III. im Jahre 1483 starb, 
ernannte er seinen Bruder zum Vormunde seines 
jungen Sohnes Wilhelm''). Der ältere dieses 
Namens, der erstgeborene Sohn Landgraf Ludwigs 
weilte zur Vollendung seiner Erziehung längere 
Zeit am Hofe seines Oheims auf Schloß Poppels 
dorf bei Bonn. Da bekanntlich der eine wie 
der andere der beiden Vettern sich nicht lange 
der Herrschaft ihrer Lande erfreuten, indem 
der eine auf der Jagd einen frühen Tod fand, 
der andere in geistige Umnachtung siel, vereinigte 
Landgraf Wilhelm d. m. die hessischen Landes 
theile sammt der Grafschaft Katzenelnbogen in 
seiner Hand. 
Am 30. Oktober 1500 hielt der zuletzt Ge 
nannte seine Hochzeitsfeier mit Anna von Mecklen 
burg in Kassel ab; der dazu geladene Graf von 
') E nnen, III. 640—652. 
2 ) Ranke, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Re 
formation, 1-, S. 90, 97, 110, 113—117, 124. 
3 ) Zeitschr. für Berg. Geschichte VI, 274. 
st Rommel, 111.79, 120. 
Nassau-Dillenburg, um seine Ansprüche an Katzen 
elnbogen auch äußerlich geltend zu machen, hatte 
an seiner Herberge zu dem seinigen das Wappen 
dieser Grafschaft anheften lassen, das ihm aber 
der Landgraf herabwerfen ließ. Es kam zu 
ärgerlichen Auftritten, die nur durch Hermanns 
Dazwischentreten ausgeglichen wurden, der im 
Verein mit dem gleichfalls anwesenden Herzog 
Georg von Sachsen den Nassauer beredete, seine 
vermeintlichen Rechte gerichtlicher Entscheidung 
anheim zu stellen, statt sie auf dem Wege der 
Fehde geltend zu machen. 
Im folgenden Jahre ließ Hermann allen An 
spruch, den er bisher an Hessen aufrecht erhalten 
hatte, zu Gunsten seines Neffen fallen. Auf 
seinem Schlosse zu Homberg aber weilte er noch 
öfter, und begann im Jahre 1504 den Neu 
bau desselben, dessen Vollendung er aber nicht 
erlebte st. 
Eine noch jetzt im Kasseler Museum vorhandene 
Kupfertafel, die früher über dem Haupteingang 
zum Homberger Schlosse eingelassen war, giebt 
davon Kunde. 
Kurfürst Hermann starb am 27. September 
1508 auf seinem Schloß Poppelsdorf. Die Leiche 
wurde zu Schiffe, aufs prächtigste geschmückt, nach 
Köln gebracht und im Dome beigesetzt, wo bis 
zum Ende des vorigen Jahrhunderts sein Erz 
standbild die Stelle zeigte, wo er begraben war. 
Leider ist es in den wüsten Zeiten der fran 
zösischen Revolution, als das linke Rheinufer 20 
Jahre hindurch dem deutschen Reiche entrissen 
war, von räuberischer Hand entwendet worden, 
und ob ein neuerdings aufgefundener Metallsarg 
seine sterblichen Reste wirklich enthält, ist un 
gewiß. 
Nicht minder ist ein von ihm testamentarisch 
gestiftetes Saeramentshäuschen, ein Meisterwerk 
späterer Gothik, jetzt lange verschwunden. Es 
hat nicht Feindes Hand, sondern der Unge 
schmack des Kölner Domkapitels selbst, in der 
Blüthezeit des Zopfstiles im Jahre 1766, 
leider in Stücke schlagen und in den Rhein 
werfen lassen; nur wenige Trümmer davon hat 
der junge Wallraf, der Gründer des Kölner 
Museums, gerettet. Aber noch erblickt der Be 
sucher im nördlichen Seitenschiffe des Domes 
das herrliche Fenster, das alsbald nach dem Tode 
seines Stifters hier eingesetzt wurde, und von 
dessen geläutertem Kunstgeschmacke Zeugniß ablegt. 
Und wenn wir einer Notiz des „Salon" vom. 
Jahre 1842, Nr. 40 Glauben schenken dürfen, 
so war es auch ein hessischer Künstler, Johann 
st Landau, Ritterburgen. IV, 345 f.
        

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