Volltext: Hessenland (3.1889)

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Hermann, Uanögras zu Kessen, Kursürst und Krzbischos 
von Köln. 
Von Hugo Brunner. 
«Schluß.) 
Die Regierung Erzbischof Hermoun's war 
fortan einzig darauf gerichtet, die Wunden, 
welche schlechte Verwaltung und die langen 
Kriege dem Erzstifte geschlagen hatten, zu heilen. 
Eine lange Zeit des Friedens und der Ruhe, 
Sparsamkeit und gute Finanzwirthschaft waren 
die besten Mittel dazu; das treffliche Einver 
nehmen, das Hermann nicht nur mit seinen 
Nachbarn, sondern besonders mit Kaiser Friedrich 
und dessen Sobne Maximilian unterhielt, die 
richtige Vorbedingung. 
Die kaiserliche Belehnung, kostspielig für die 
Fürsten zumal durch die damit verbundene 
glanzvolle Auffahrt am Kaiserhofe, wußte er 
solange hinaus zu schieben, bis der Kaiser im 
Dezember 1485 auf einer Reise nach Aachen in 
Köln weilte, wo dann am 15. d. M. die feier 
liche Handlung unter großem Gepränge vor sich 
ging. Die Bürgerschaft durch die Bestätigung 
und Erweiterung des alten Bündnißes von 1473 
mit dem Kurfürsten-Erzbischof aufs neue ver 
bunden '), that ihr Möglichstes, um dem Feste 
den nöthigen Glanz'zu. verleihen'^). 
Im Jahre darauf fand Hermann Gelegenheit, 
dem Kaiser und seinem Sohne ihre Freundschaft 
zu vergelten, indem er es hauptsächlich war, der 
für Maximilians Wahl zum römischen König 
eintrat und sie auf dem Fürstentage zu Frank 
furt durchzusetzen wußte'). Daß er gleichzeitig 
die Vortheile des Erzstiftes unter kluger Be 
nutzung der Sachlage wahrzunehmen verstand, 
wird ihm Niemand verdenken. Denn Maximilian 
als Herzog von Burgund war sein nächster 
Nachbar, dessen Freundschaft werthvoll, dessen 
Abneigung aber höchst nachtheilig sein mußte. 
Besonderes Gewicht legte Hermann darauf, daß 
Maximilian in Anerkennung der geleisteten 
’) Lacomblet IV, 534. 
2 ) Ennen a. a. O. S. 685. 
3 ) Ulmnnn, Kaiser Maximilian I. I, 7. — Der 
selbe in den Forschungen zur deutschen Geschichte, 
XXII, 133. 
„unschätzbaren Dienste" jene Urkunde für nngiltig 
erklärte,' durch welche Ruprecht einst dem Herzog 
Karl von Burgund die Vogtei des Stiftes 
übertrug'). 
Von Frankfurt führte der Kurfürst sodann 
den Kaiser und dessen Sohn den Rhein hinab 
nach Köln und von da nach Aachen, wo er an 
dem neugewählten König die Salbung vollzog, 
der dann gemeinschaftlich von den drei geistlichen 
Kurfürsten gekrönt wurde * 2 * ). 
Zwei Jahre nach seiner Belehnung erst hielt 
Kurfürst Hermann seinen feierlichen Einzug in 
Köln. Am 17. Feburar 1487 fand dieser statt, 
und eine Reihe glänzender Festlichkeiten hatte 
dieses Ereigniß im Gefolge, an denen auch 
Hermann's Neffen, die Landgrafen Wilhelm d. Ä. 
und Wilhelm d. I. von Hessen, Theil nahmen. 
Aber mitten in den Festjubel hinein trugen die 
Boten des Erzherzogs Philipp die Schreckens 
kunde, daß König Max von den aufständischen 
Bürgern der -Stadt Brügge gefangen gehalten 
werde. Die in Köln versammelten Fürsten 
waren sofort bereit, für seine Befreiung Gut 
und Blut einzusetzen und wandten sich an Kaiser 
und Papst, um sie zu energischen Maßregeln zu 
bewegen. Im Aufträge des Letzteren sprach 
Hermann über die Aufständischen die Exkommuni 
kation aus ^); eifrig suchte er bei den Reichsfürsten 
den Krieg gegen die Frevler zu betreiben; doch fand 
er wenig Geneigtheit. Immerhin trugen ihm die 
Dienste, welche er Maximilian in seiner Ge 
fangenschaft leistete, den Erlaß von 16—18000 
Gulden rückständiger Schulden ein, mit denen 
er dem Kaiser von lange her verhaftet war 4 ). 
Das Verhältniß des Kurfürsten zur Stadt 
Köln war nicht immer das friedlichste. Das 
lag in der unbestimmten Natur der beider 
seitigen Rechtssphären, die nothwendig zu Streitig 
*) Lacomblet a. a. O. S 535. 
2 ) Ulmann a. a. O. S. 8. 
*) Ulmann a. a. O. S. 28. 
4 ) Lacomblet a. a. O. S. 548.
        

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