Full text: Hessenland (3.1889)

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Dahingeschiedenen gewidmeten warmen Nachruf mit 
folgenden Worten: „Abgesehen von seiner Begabung, 
von seiner Treue und Tüchtigkeit im Amte — er 
war eine Zierde des Richterstandes — waren es vor 
allem die fleckenlose Lauterkeit und Wahrhaftigkeit 
seines persönlichen Charakters, seine freundliche, sich 
stets gleich bleibende Herzensgute, seine, jeder Selbst 
überhebung abholde, der Anerkennung fremden Ver 
dienstes aber stets offenstehende Anspruchslosigkeit und 
Demuth, welche ihm die ungetheilte Hochachtung und 
Liebe aller, im Leben ihm irgendwie Verbundener 
erworben habend 
Pfarrer E r n st A u g u st B r a ck war im Jahre 182! 
zu Kassel als der älteste Sohn des damaligen Lieute 
nants im kurhessischen Leib-Dragoner-Regiment Konrad 
Brack geboren. Er besuchte das Gymnasium zu Mar 
burg, wohin sein Vater als Gensdarmerie-Rittmeister 
versetzt worden war, studirte hierauf an der Landes- 
Universität von Ostern 1642 bis Herbst 1846 Theo 
logie. Hier war er ein sehr angesehenes Mitglied des 
Korps Teutonia. Nach abgelegtem Examen begab 
er sich nach Herrenbreitungen, wo sein Vater nach dessen 
Uebertritt in den Civildienst seit dem Jahre 1843 
als Rentmeister angestellt war. Im Jahre 1653 
wurde er Pfarrgehilfe zu Geismar, Klasse Franken 
berg, und im Jahr darauf zum Pfarrer der evangelisch- 
reformirten Gemeinde in Rauschenberg ernannt. 
Als solcher wirkte er, sich allgemeiner Hoch 
schätzung und Beliebtheit erfreuend, fünfunddreißig 
Jahre lang. Im Jahre 1888 trat er wegen Kränk 
lichkeit in den Ruhestand. Ihm waren Charakterstärke 
und köstlicher Humor in hohem Grade eigen. Dem 
treuen, stets zuverlässigen Freunde, dem deutschen Bieder 
mann in des Wortes vollster Bedeutung, werden alle, 
die ihm im Leben nahe gestanden haben, ein ehrenvolles 
Andenken bewahren. 
Als wir vor Jahresfrist in unserer Zeitschrift 
„Hessenland" ein Lebensbild des damals in Ruhe 
stand getretenen Prorektors des Fuldaer Gymnasiums, 
Professors I. Gegenbaur, entwarfen, da konnten 
wir es freilich für kaum möglich halten, daß der, 
wenn auch häufiger von rheumatischen Leiden heim 
gesuchte, doch sonst körperlich noch rüstige und geistig 
frische Mann so bald schon das Zeitliche segnen sollte. 
Wir sprachen damals die Hoffnung aus, daß er jetzt 
seine Muße zu gediegenen historischen Abhandlungen, 
wie man sie aus seiner Feder gewohnt war, ver 
wenden, und daß er namentlich eine quellenmäßig 
bearbeitete „Geschichte des Fürstenthums Fulda", deren 
Herausgabe er längst schon geplant hatte, vollenden 
würde. Das wäre ein sehr verdienstvolles Unter 
nehmen gewesen, da die bis jetzt erschienenen Ge 
schichten des Hochstiftes Fulda in keinerlei Weise 
den Ansprüchen, die man in wissenschaftlicher 
Beziehung heut zu Tage an ein solches Werk zu 
stellen berechtigt ist, entsprechen. Es hat nicht sollen 
sein. Vor mehreren Wochen erlitt Professor Gegen- 
baur einen Schlaganfall, dessen Folgen er am 17. 
September zum größten Schmerze seiner Angehörigen, 
die ein schönes glückliches Familienleben verband, so 
wie zum Leidwesen aller, die ihm näher standen, 
erliegen sollte. — Wir wiederholen hier kurz die 
wesentlichsten Angaben aus seinem Leben, indem wir 
im Uebrigen auf die ausführlichere Biographie in den 
Nummern 20 und 21 des „Hessenlandes" vom vorigen 
Jahre verweisen. Jakob Gegen baur war am 
9. November 1819 zu Ahl bei Salmünster geboren. 
Er besuchte von Herbst 1832 bis Ostern 1840 das Gym 
nasium zu FuM, studirte hiernach auf der Landes 
universität Marburg Mathematik, Philosophie und 
Geschichte. Im Jahre 1841 redigirte er den von 
Franz Dingelstedt, dessen Lieblingsschüler er am Gym 
nasium gewesen war, herausgegebenen „Salon", setzte 
dann seine Studien in Marburg fort, bestand im 
Frühjahr 1844 sein Fakultätsexamen, trat im Herbst 
desselben Jahres als Praktikant am Gymnasium zu 
Fulda ein, durchlief die verschiedenen Stufen des 
höheren Lehramtes, vom Hilfslehrer bis zum Ober 
lehrer, wurde am 1. Oktober 1882 zum Prorektor 
des Gymnasiums befördert und im Oktober 1883 
zum Professor ernannt. Am 1. Oktober 1888 trat 
er in den Ruhestand. 4 4 Jahre lang hat er un 
unterbrochen an der Fuldaer Gelehrtenschule gewirkt 
und sich die größten Verdienste um dieselbe erworben. 
Dankbar erkennen dies seine Kollegen wie seine Schüler 
an. Einer der letzteren, ein hervorragender hoch 
angesehener Universitäts-Professor schrieb uns noch 
vor wenigen Tagen, daß ihn das Hinscheiden Gegen- 
baur's tief ergriffen und daß er diesen als Lehrer, 
dem er viel verdanke, stets verehrt habe, und kürzlich 
noch hat Julius Rodenberg dem unmehr Verblichenen 
in seinem Essay „Franz Dingelstedt. Blätter aus seinem 
Nachlaß" im Augustheft der „Deutschen Rundschau" 
ein schönes Denkmal gesetzt. — Professor Gegenbaur 
war ein sehr fleißiger Schriftsteller. Seine historischen 
Arbeiten sind von besonderem Werthe. Sie beruhen 
auf gründlichen Quellenstudien und zeichnen sich durch 
musterhafte Sprache aus. Wir führen hier von seinen 
Schriften an: 
„Beitrüge zur Gelehrtengeschichte Futda's", I. die 
Klosterschule (1856); „Geschichte der religiösen Be 
wegung im Hochstifte Fulda während des 16. Jahr 
hunderts" (1861); „Gangolf Hartung, eine fuldaische 
Chronik aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts" 
(1863); „Das Kloster Fulda im Karolinger-Zeit 
alter": I. die Urkunden, II. „Buchonia und das 
Grabfeld", III. „das Grabfeld" (1872 — 1874); 
„Die Gründung Fulda's" (1878); „Das Grab König
        

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