Full text: Hessenland (3.1889)

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ihm zum verbindlichsten Dank uns verpflichtet er 
achten. — 
Wie wir vernehmen, beabsichtigt Dr Otto Brau n 
aus Kassel, Chefredakteur der „Allgemeinen Zeitung" 
in München, wegen vorgerückten Alters — er steht gegen 
wärtig in 65. Lebensjahre — von der Oberleitung 
zurückzutreten und seine künftige Mitthätigkeit an der 
Leitung der Zeitung mehr auf das stillere Arbeitsfeld 
der Beilage zu beschränken. Fast dreißig Jahre ge 
hört unser verehrter hessische Landsman dem Redak- 
tionsverbande dieses Weltblattes an, und mehr als 
zwanzig Jahre hat er als Chefredakteur desselben ge 
wirkt. Mit der größten Genugthuung kann er auf 
diese Zeit einer angestrengten erfolgreichen Thätigkeit 
zurückblicken, zählt er doch zu den hervorragendsten 
Redakteuren, welche die „Allgemeine, Zeitung" je be 
sessen, und haben doch seine publicistischen Leistungen 
stets die verdiente Anerkennung gefunden. 
Bor Kurzem erschienen im Verlage von Paul Voigt 
in Kassel: „Vier Lieder für eine Sing stimme 
mit Klavierbegleitung" (op. 5.) von Her- 
m a n n Gehr m a n n. Der jugendliche Tondichter 
hat in diesem Werke seine hervorragende Befähigung, 
etwas musikalisch Gediegenes zu schaffen, bewiesen. 
Die Lieder, welche das Gepräge der neueren Musik 
richtung tragen, können wir unsern Lesern angelegent 
lichst empfehlen, ist doch in ihnen die Eigenart der 
Dichter Wolfs und Baumbach, dieser Lieblinge des 
deutschen Volkes, von welchen Gehrmann Dichtungen 
benutzt hat, so vortrefflich wiedergegeben, wie wir sie 
sonst selten gehört haben. Wie reizend hat der Ton 
dichter z. B „Dirnlein kommt vom Maientanz" 
aufgefaßt! Gleich am Anfange dieses Liedes glaubt 
man wie aus der Ferne die frohe Tanzweise unter 
der Linde zu vernehmen, bei welcher das zurück 
kehrende Dirnlein mit ihrem Friedet sich müde ge 
sprungen hat. Wie niedlich ist die Tonmalerei da, 
wo „der Wind gefahren kommt und der Dirne das 
Krünzlein aus den Haaren zaust". Ebenso wie dieses 
Lied, das vollkommen im Geiste des Dichters ge 
schaffen ist, sind auch die andern ausnahmslos schön. 
Wie aus einem Gusse, sauber gearbeitet, gemüthvoll 
und ansprechend, werden dieselben niemals ihren Ein 
druck auf den Zuhörer verfehlen. Ganz besonders 
machen wir noch auf Nr. 3 der Sammlung auf 
merksam, welches mit den Worten beginnt: „Zwei 
Sterne machen mich jung und alt" und dessen Mittel 
satz ein Meisterwerk neuerer Tondichtung genannt 
werden kann. Jedes Lied ist zum Preise von I Mark 
durch alle Buchhandlungen zu beziehen. 
I. Lr. 
Univers itäts nach richten. An Stelle des an 
die Universität Halle berufenen bisherigen Professors 
für Strafrecht und Prozeß Dr. Franz von Lißt in 
Marburg ist dem Vernehmen der „Oberhessischen 
Zeitung" zufolge Professor Dr. von L i li e n th a l in 
Zürich berufen worden. 
Der frühere Stadlkaplan Dr. D. Schmitt in 
Fulda ist zum Professor der Philosophie an der 
dortigen philosophisch-theologischen Lehranstalt ernannt 
worden. 
Der Tod hat in den letzten Wochen in unserem 
Hessenlande unter den Männern der Wissenschaft 
eine verhüngnißvolle Ernte gehalten. Es starben: 
am 13. September zu Berlin der vormals kurfürstlich 
hessische Oberappellationsgerichtsrath Dr. jur. Otto 
Gleim; am 14. September zu Kassel der Real- 
schul-Jnspektor Pfarrer Eduard Breunung; an 
dem gleichen Tage zu R^uschenberg der Pfarrer- 
Ernst August Brack; am 17. September zu 
Fulda der Gymnasial - Prorektor a. D. Professor 
Jakob Gegenbaur; am 19. September zu Kirch 
ditmold der Gymnasial-Oberlehrer a. D. Pfarrer 
Dr. Albrecht Dieter ich; am 24. September zu 
Kassel der Geheime Justizrath Dr. jur. Karl 
Kraushaar. 
Der Oberappellationsgerichtsrath Otto Gleim 
war im Oktober 1802 zu Rotenburg a/F. geboren, 
hat sonach ein Alter von fast 87 Jahren erreicht. 
Als Justizbeamter wirkte er in Oldendorf, von wo 
er als Obergerichtsrath nach Hanau und von da nach 
Kassel versetzt wurde. Im Jahre 1849 wurde er 
gleichzeitig mit dem verstorbenen Oberappellations- 
gerichtsrath von Baumbach auf Grund landstäudischer 
Präsentation zum Mitglied des obersten Gerichtshofs 
in Kurhessen ernannt. Im Jahre 1867 trat er in 
das neugebildete königl. preußische Appellationsgericht 
ein und schied ans dieser Stellung aus Anlaß der 
neuen Justizorganisation im Jahre 1879, um in 
Dispositionsstand überzutreten. Er zog nun zu 
seinem Sohne dem Geheimen Oberregierungsrath 
W. Gleim in Berlin, wo ihm umgeben von Enkeln 
und Urenkeln ein fast zehnjähriger freundlicher Lebens 
abend beschieden war. Der Verblichene zählte zu 
den hervorragendsten Juristen unseres Hessenlandes. 
Er hat als kurhessischer Vertreter bei den Verhand 
lungen der im Jahre 1857 zur Ausarbeitung des 
allgemeinen deutschen Handelsgesetzbuches niedergesetzten 
Bundeskommission mitgewirkt und erhielt bei seinem 
fünfzigjährigen Dienstjubiläum im Jahre 1874 von 
der juristischen Fakultät zu Marburg die Doktor 
würde. Die „Hessischen Blätter", denen wir obige 
Angaben entnommen haben, schließen ihren dem
        

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