Full text: Hessenland (3.1889)

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steht, dies den Kindern unter dem.Titel „Hes 
sischer Soldat" zu bieten, beweist nur, daß er 
die hessische Kriegsgeschichte überhaupt nicht 
kennt. 
Natürlich wird meine Kleine der Redaktion 
der Nürnberger Kindergartenlaube das Erfor 
derliche schreiben und Herrn Göhring es er 
möglichen, sich in dieser Sache zu belehren, da 
ich indessen überzeugt bin, daß die mir noch 
nicht zu Gesicht gekommene neueste Auflage des 
Meyer'schen Konversations-Lexikons unter den 
Artikeln „Friedrich II." und „Seume" die hes 
sische Seelenverkauferei ebenfalls wieder auf 
tischt, so erinnere ich wiederholt daran, daß es 
eine Pflicht des hessischen Geschichtsvereins ist, 
diesem literarischen Unfug mit größter Ent 
schiedenheit entgegen zu treten. Das ist ja 
doch höchst einfach. 
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Nekrolog von Dr. R. 
Am 15. des vorigen Monats verstarb in 
Marburg der Geh. Rath, Professor der Chirur 
gie Wilhelm Roser. 
Er war 1817 in Stuttgart geboren, ein Neffe 
Ludwig Uhlands. In Tübingen stndirte er 
Medizin. Hier wie schon auf dem Gymnasium 
stand er in regem Verkehr mit seinen Alters 
genossen Wunderlich und Griesinger, die sich später 
als Kliniker einen hochgeachteten Namen erwarben. 
Nach beendetem Studium 1839 besuchte Roser 
die großen Krankenhäuser Deutschlands und des 
Auslandes. In Wien fesselten ihn besonders 
Rokitansky und Skoda. 1841 habilitirte er sich 
in Tübingen und bald darauf begründete er im 
Verein mit Wunderlich das Archiv für Heilkunde. 
1850 wurde er nach Marburg als ordentlicher 
Professor der Chirurgie berufen und hatte diesen 
Lehrstuhl inne bis zum Frühjahr 1888. 
Roser, als ein Mann von durchaus nüchterner 
und klarer Denkweise, hatte von Anbeginn seiner 
Studien Partei für die rationelle Schule in der 
Medizin ergriffen. Diese Geistesrichtung zeigte 
sich in dem gründlichen Studium, welches er dem 
Verhältnissen des normalen und kranken Körpers 
an der Leiche widmete. Dem Zwecke, die Wich 
tigkeit solcher Untersuchung so eindringlich wie 
möglich seinen Schülern und Kollegen vorzustellen, 
dienten seinem vielen Auflagen verbreiteten Haupt 
werke : das Handbuch der anatomischen Chirurgie 
und das chirurgische Vademecum. Auf dieser 
Grundlage erwuchs ihm die oft bewunderte Sicher 
heit seines diagnostischen Könnens. Diesem an 
schaulichen Denken verdanken wir eine Reihe 
werthvoller Abhandlungen. Seine Arbeiten über 
Mechanik der Bruchbildung und Brucheinklemmung, 
über Gehirndruck, den Mechanismus der Ver 
renkungen und viele andere zeigen sämmtlich das 
Bestreben, einfache anatomische Verhältnisse zur 
Erklärung jener pathologischen Veränderungen 
heranzuziehen und darauf den Heilplan zu be 
gründen. Dieses anatomische Denken ließ ihn 
neue Krankheitsbilder definiren, deren Symptome 
bis dahin unverstanden unter denen der rheumatischen 
Affektionen verzeichnet wurden. Zur Klärung des 
Begriffes der infektiösen Knochenmarksentzündung, 
der Hüftgelenksentzündung und ihrer Diagnostik 
hat Roser vor andern beigetragen. 
Mit dieser wissenschaftlichen Tüchtigkeit verband 
Roser eine hohe Auffassung seiner ärztlichen 
Pflichten. Zu jeder Zeit war er hilfebereit. Den 
alten Doktoreid welcher dem Arzte vorschreibt, 
Kranken ohne Ansehen des Standes und der 
Person ärztliche Pflege zu Theil werden zu lassen, 
hat Roser getreulich gehalten. Aufrichtig war 
daher in weiten Kreisen die Trauer, als der 
hochgeachtete Mann nach fast 40jähriger Thätig 
keit uns entrissen wurde und selten mag Marburg 
einen größeren Leichenzug gesehen haben als den, 
welcher am 18. Dez. seinem Sarge folgte. 
Rosers Büste wird von den Aerzten der Pro 
vinz in der chirurgischen Klinik aufgestellt werden. 
Das schönste Denkmal hat er sich selbst durch seine 
nneigennützige Thätigkeit in den Herzen der 
oberhessischen Bevölkerung gesetzt.
        

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