Full text: Hessenland (3.1889)

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am Abend zu seinen Ehren glänzend erleuchtet 
war.') Am anderen Morgen erschien bei ihm 
eine Deputation des akademischen Senats, welche 
ihm mittheilte, daß er für den eben ausgeschriebenen 
Landtag zum dritten Mal als Vertreter der 
Universität gewählt worden sei. Die von Mar 
burgs Bewohnern beabsichtigte Errichtung eines 
Denkmals lehnte Jordan ab, nahm aber die zu 
jenem Zweck gesammelte Geldsumme dankbar an 
und kaufte mit derselben das Haus, welches jetzt 
im Besitz des Sanitätsraths vr. Möller ist, 
Nr. 1 der Nikolai-Straße. 
In Folge der Wahl, durch welche der Senat, 
obwohl er wußte, daß Jordan bei dem Landes 
herrn und dessen Räthen in Ungnade stand, sein 
festes Vertrauen zu seinem Vertreter aufs Neue 
ausgesprochen hatte, reiste Jordan im Spätherbst 
des Jahres 1832 wieder nach Kassel, um seinen 
Platz in der Ständeversammlung einzunehmen. 
Allein Minister Hassenpflug verweigerte ihm den 
Eintritt und bedrohte ihn mit Geldstrafe, wenn 
er nicht binnen 24 Stunden auf seinen Posten 
als Professor zurückkehre. Er wendete nämlich 
eine Bestimmung der Verfassung, daß Staatsdiener 
zum Eintritt in die Ständeversammlung der vor 
gängigen Genehmigung von Seiten der Staats 
regierung bedürften, auch auf den Abgeordneten 
der Universität an. Jordan blieb aber auf feinem 
Platz, indem er die Beweisführung der Regierung 
bestritt, vielmehr behauptete, daß für den Ab 
geordneten der Universität ein Urlaub nicht er 
forderlich sei, da der Senat verpflichtet wäre 
einen Abgeordneten aus seiner Mitte zu wählen. 
Auch erklärte das Obergericht zu Kassel, welches 
von Jordan um Schutz angerufen worden war, 
daß das Verbot des Ministers keine rechtliche 
Wirkung haben dürfe, und nun entstand ein 
monatelanger Streit über die Urlaubsfrage, der 
im ganzen Land große Aufregung hervorrief und 
sogar in mehreren Druckschriften verhandelt wurde. 
Ob Jordan an den Berathungen für das Wohl 
des Landes theilnehmen dürfe oder nicht, ward 
in Kurhessen zur brennenden, politischen Frage. 
Der akademische Senat trat für Jordan ein; die 
Stände erklärten nicht nur durch feierlichen Be 
schluß, daßJordan keiner Genehmigung vonSeiten 
der Staatsregierung bedürfe, sondern waren auch 
im Begriff den Minister Hassenpflug wegen seines 
Verfahrens gegen den Abgeordneten der Universität 
in Anklagestand zu versetzen — da wurde die 
Versammlung durch landesherrliche Verfügung am 
18. März 1833 abermals aufgelöst. Am folgenden 
Tag that aber Hassenpflug einen Schritt zur Ver 
söhnung. Er hatte eine Unterredung mit Jordan, 
in welcher er diesem vorstellte, daß die Regierung 
in ihm den Urheber des Streits mit den Ständen 
erkenne und seine landständische Thätigkeit als 
dem Landeswohl nachtheilig ansehe. Er möge 
daher das patriotische Ofer bringen, auf die Wahl 
des Senats freiwillig zu verzichten. Diesen Vor 
stellungen entsprach Jordan, indem er wenige 
Tage nachher den Prorektor der Universität von 
seiner Verzichtleistung in Kenntniß setzte und 
andere Wahlen, welche er nur mit Genehmigung 
annehmen konnte, ablehnte. Er kehrte vielmehr 
zu seinem akademischen Beruf zurück, in welchem 
er der ungeschwächten Achtung und des vollen 
Vertrauens der Landesbewohner sich erfreuend, 
aber von der Staatsregierung beargwohnt und 
zurückgesetzt, sechs Jahre hindurch ruhig verharrte. 
Es wird angemessen sein, einen Augenblick hier 
zu verweilen, um das Wesen des Mannes etwas 
näher zu betrachten und uns dadurch seinen großen 
Einfluß auf die Gemüther der Menschen zu er 
klären. Jordan war, wie die meisten seiner Lands 
leute, ein Gefühlsmensch. Heiter und offen trat 
er jedem vertrauensvoll entgegen, machte schnell 
Bekanntschaft und Brüderschaft und hoffte ohne 
lange zu prüfen überall das Beste. Mit dieser 
etwas träumerischen Gefühlsrichtung war aber 
bei ihm auch eine abstrakte Verstandesrichtung 
verbunden sowohl auf religiösem wie auf politischem 
Gebiet. Er war kein praktischer Staatsmann, 
aber ein Mann, der mit der Sprache voller Ueber 
zeugung die Grundsätze des konstitutionellen Re- 
giernngssystems, welches damals allgemein als das 
einzige politische Heilmittel betrachtet wurde, bis 
in die letzten Konsequenzen vertrat und durch seine 
ganze Persönlichkeit, namentlich durch seine Rede 
gabe, seine Umgebung für seine Ansichten gewann. 
(Schluß folgt.) 
') Die genauere Beschreibung findet sich r 
S chriftchen „Marburgs feierliche Woche" betitelt. 
Tu schmollt. 
Novellekte von M. Friedrich st ein. 
(Fortsetzung.) 
Als der Hausherr das Zimmer verlassen hatte 
um sich zur Bank zu begeben, blieben seine Frau 
sowie deren Freundin, noch am Kaffeetisch sitzen. 
„Jeannette! Ist dir gestern nicht etwas bei 
meinem Mann und beinern Zukünftigen auf 
gefallen?"
	        

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