Full text: Hessenland (3.1889)

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warb er sich durch seine Tüchtigkeit als aka 
demischer Lehrer sowie durch sein offenes tyroler- 
mäßig heiteres und treuherziges Wesen bald 
allgemeine Achtung und Zuneigung. Diese 
Stimmung trat besonders hervor, als ihm bei 
dem Schluß seines Prorektorats am 24. August 
1826 die Studenten einen glänzenden Fackelzug 
brachten, an dessen Spitze der alte Ulrich von 
Ko pp, der sich gerade auf der Durchreise hier 
befand, mit seinen Orden geschmückt und eine 
brennende Fackel schwingend heiter voranschritt. 
In jener Zeit erschienen auch mehrere Schriften 
von ihm, nämlich 1828 Versuche über allge 
meines Staatsrecht, 1831 das Lehrbuch des all 
gemeinen und deutschen Staatsrechts. 
Eine weit bedeutendere Wirksamkeit und An- 
erkennungUrachte ihm das Jahr 1830. Am 15. 
September dieses Jahres versprach bekanntlich 
Kurfürst Wilhelm II., um die durch die Fran 
zösische Juli-Revolution aufgeregten Gemüther 
seiner Unterthanen zu beschwichtigen, den Bitten 
des Kasseler Stadtraths entsprechend, daß die 
Landstände, welche seit 1816 nicht mehr ver 
sammelt worden waren, zur Berathung über 
eine neue Verfassung einberufen werden sollten. 
Da die Universität Marburg nach altem Her 
kommen einen Abgeordneten zu dieser Versamm 
lung zu entsenden hatte, so verstand es sich ge 
wissermaßen von selbst, das man den Lehrer des 
Staatsrechts, der zugleich ein allgemein geachteter 
und beliebter Mann war, den Professor Jordan, 
zum Vertreter der Universität erwählte. Als 
Mitglied der Ständeversammlung erlangte nun 
Jordan durch seinen Eifer für das öffentliche 
Wohl sowie durch seine Rednergabe und seine 
staatsrechtlichen Kenntnisse bald einen solchen 
Einfluß, daß man ihm die Leitung des Aus 
schusses. welcher den Entwurf einer neuen Ver 
fassung vorlegen sollte, übertrug. Diese Stel 
lung gab ihm Veranlassung einen Entwurf ab 
zufassen, welcher, abgesehen von einigen althes 
sischen Gerechtsamen, welche beibehalten wurden, 
durchaus den Grundsätzen des damals allgemein 
beliebten konstitutionellen Systems entsprach und 
zugleich manche Vorschriften enthielt, welche gegen 
die in den letzten Jahren geübte Willkür zu 
schützen und daher die Regierungsgewalt zu be 
schränken bestimmt waren. Ja er brachte es da 
hin, daß dieser Entwurf, ohne wesentliche Aen 
derungen zu erfahren, nicht nur von der Stände 
versammlung gutgeheißen, sondern auch von den 
Landtags-Kommissarien dem Kurfürsten zur An 
nahme empfohlen und von diesem am 5. Januar 
1831 genehmigt und unterzeichnet wurde. Die 
neue Verfassung wurde im ganzen Land mit 
großem Jubel aufgenommen, und Jordan, der 
Vater dieser Verfassung, wurde der gefeiertste 
Mann in Kurhessen. 
Für den nach der neuen Ordnung der Dinge 
im Frühjahr 1831 einberufenen Landtag wurde 
von der Universität Marburg, welcher das Recht 
zur Wahl eines Abgeordneten belassen war, 
natürlich Jordan wieder gewählt. In der neuen 
Ständeversammlung, deren bedeutendstes Mitglied 
er wiederum war, versuchte er die der Stände 
versammlung verfassungsgemäß zustehenden Be 
fugnisse in möglichst weitem Umfang geltend zu 
machen, verwickelte aber dadurch die Stände in 
Streit mit der Staatsregierung. Der Streit 
wurde heftiger, seitdem im Mai 1832 Hans 
Daniel Hassenpflug das Ministerium der 
Justiz und des Inneren übernommen hatte und 
den Ansprüchen der Stände gegenüber die Be 
stimmungen der Verfassungs-Urkunde möglichst 
u Gunsten der Staatsregierung auszulegen ver- 
uchte. Ja als Jordan in Folge der im Juni 
1832 gegen die Presse und gegen die Volksver 
sammlungen gerichteten Bundestagsbeschlüsse den 
Antrag stellte, daß von Seiten der Staatsre 
gierung die Protokolle der Bundesversammlung 
und die dem Kurhessischen Bundestags-Gesandten 
ertheilten Instruktionen den Ständen zur Ein 
sicht und Prüfung vorgelegt werden sollten, und 
für diesen Antrag die Zustimmung des Landtags 
erlangte, wurde der Landtag am 26. Juli 1832 
aufgelöst. Der Antrag entsprach zwar der in 
der Kurhessischen Verfassungs-Urkunde durchge 
führten konstitutionellen Theorie, war aber mit 
der Verfassung des deutschen Bundes nicht 
verträglich, sodaß die Annahme desselben für 
die Kurhessische Regierung nicht möglich war. 
Gleichwohl fand er bei der gegen den Bundes 
tag gerichteten Stimmung allgemeinen Beifall, 
und Jordans Ruhm wurde durch sein energisches 
Auftreten in und außerhalb Hessens nur noch 
mehr erhöht. 
Er galt als der Hort der politischen Freiheit 
und wurde überall mit Jubel begrüßt, vornehmlich 
in Marburg. Als er dorthin am 13. September 
1832 mit seiner ihm eben angetrauten Gattin 
zurückkehrte, — seine erste Gattin war im Mai 
1832 gestorben, und Jordan hatte sich am 2. 
September mit Pauline, der ältesten Tochter 
eines preußischen Gerichtsbeamten, des vr. Paul 
Wigand zu Höxter, wieder verheirathet — 
zogen ihm die Bürger unter Vortritt des Magi 
strats in Festkleidern und mit den Fahnen der 
Stadt entgegen. Am Eingang in dieselbe war 
eine Ehrenpforte errichtet, unter welcher ihn der 
Bürgermeister willkommen hieß und weißgekleidete 
Jungfrauen ihm einen Lorbeerkranz nebst einem 
Gedicht überreichten. Dann wurde er von der 
versammelten Menge in die Stadt geleitet, welche
	        

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