Full text: Hessenland (3.1889)

Hermann, Uanögraf zu Hessen, Wursiirst und Krzbischos 
von Wöln. 
Von Hugo Brunner. 
(Fortsetzung. 
Sechs Tage lang hielten die Neußer den Weerth 
im Rheine besetzt, ohne daß die Burgunder von 
neuem anzugreifen gewagt hätten. Dagegen be 
schossen sie ihn so heftig, daß die dort Weilenden 
kaum sich zu zeigen wagten. 
Während dieser Frist kam den Belagerten 
über die Rheininsel her noch eine Unterstützung 
von 500 Mann Fußvolkes, welche die Stadt 
Köln entsandte; auch Bonn schickte Unterstützung. 
Allein alles dies genügte nicht, um die wichtige 
Stellung zu behaupten, um welche sich der Erfolg 
der Belagerung wesentlich zu drehen schien. 
Hätten die von Köln in jener Zeit den Weerth 
mit genügender Mannschaft besetzt, statt sich auf 
kleine Einfälle in das burgundische Lager und 
nutzlose Warnungen zu beschränken'), so würde 
die Belagerung kaum so lange gedauert haben. 
Statt dessen ging die Insel am 11. August 
endgiltig verloren. Der Herzog ließ sie mit 
überlegener Mannschaft besetzen und dann oben 
und unten mit dem Festlande verbinden: nämlich 
mit dem lombardischen Lager durch eine aus 
leeren mit Ketten verbundenen Fässern und 
darüber gelegten Brettern hergestellte Brücke; 
mit dem Lager der Engländer durch einen aus 
Holz und Erde aufgeschichteten Damm. Um aber 
alle Zufuhr unmöglich zu machen, wurden aus 
Holland und Geldern große Schiffe den Rhein 
heraus gebracht und um die Insel herum ver 
ankert und verkettet, so daß nun die Einschließung 
endgiltig vollendet war. 
Der niedrige Wasserstand des Rheines kam 
den Burgundern dabei wohl zu statten a ). Waren 
auch die Verluste, die Herzog Karl durch die 
häufigen Ausfälle der Neußer und die steten 
Beunruhigungen der Kölner erlitt — man be 
zifferte sie Ende August schon auf 2000 Mann^) —, 
nicht gering anzuschlagen, so durfte er doch jetzt 
') Annalen 49, S. 18 (Nr. 31). 
2 ) Basler Chroniken II, 108. 
*) Annalen a. a. O. S, 23 (Nr. 40). Neujahrsbl. 
f. G. Frankfurts a. a. O. S. 75. 
S. Nr. 16.) 
hoffen, vor dem Herannahen der Reichshilfe die 
Stadt in seine Gewalt zu bekommen. 
* -t- 
* 
Kaiser Friedrich weilte zu jener Zeit in Augs 
burg; hier suchten ihn wiederholt Boten der 
Stadt Köln auf, um ihn um schleunige Hilfe 
zu bitten l 2 ). Er gab auch wiederholt tröstliche 
Verheißungen von sich, wie er denn am 22. 
August den Kölnern erlaubte, das Reichsbanner 
auf ihrem Rathhause und wo es ihnen sonst 
gut dünke, aufzupflanzen, und erließ endlich am 
27. August das Aufgebot an die Reichsstände, 
ihre Truppenkontingente auf Kriegsfuß zu 
setzen *). Am folgenden Tage erließ er ein 
kaiserliches Abmahnungsschreiben an alle mit 
deni Herzog von Burgund zu Felde liegenden 
Grafen, Ritter und Städte, nicht fürder dem 
selben Beistand zu leisten, das zwar wohl keine 
direkte Wirkung hatte, aber doch indirekt zeigte, 
daß das Reich sich zu regen begann. Allein bis 
zur wirklichen thatkräftigen Hilfe war noch ein 
weiter Weg. 
Am 26. September verließ der Kaiser nach 
Entfaltung des Reichsbanners und Verkündigung 
des Reichskrieges die Stadt Augsburg und begab 
sich nach Würzburg, wo er die Sammlung des 
Reichsheeres abwartete. Diese vollzog sich in 
den Monaten Oktober und November allmählich 
bei Koblenz nach Ueberwindung der üblichen 
mannichfaltigen, im Einzelnen unbedeutenden, im 
Ganzen unsäglichen Schwierigkeiten und Hemm 
nisse, die sich der Bildung eines damaligen 
Reichsheeres in den Weg stellten. Sind es doch 
weniger die Fürsten und Reichsstädte als die 
kleinen Leute, von denen die Weiterungen aus 
gehen, und die ob ihrer steten Weigerung, der 
Zahlung von Steuern oder der Stellung von 
') Annalen a. a. O. S. 10, 15, 22. 
2 ) Chroniken der d. Städte, X, 342.
        

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