Full text: Hessenland (3.1889)

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Du bist der Erfinder von jenem Lug 
Den Seume in alle vier Winde trug, 
Und die Götter nun kämpfen vergebens 
Gen all' den Teufels- und Höllenquark, 
Gedankenlahm, doch an Bosheit stark, 
Der heute noch nagt an unserem Mark, 
Du Wurm am Stolz unsres Lebens!* — 
Zornglühend vernahm der Teufel das Wort 
Und zog durch die klirrenden Fenster 
Dann fluchend mit seinen Gesellen fort, 
Vier feuersprüh'nde Gespenster. 
Die Lampe erlosch im Schwefelgestank 
Der noch von den Fliehenden niedersank 
Auf Seume's Rodomontade, 
Ich aber dachte im Stillen bei mir: 
Daß selbst der Teufel das Hasenpanier 
Ergreifen muß vor dem Lügengeschmier, 
Ist schöner als Schacks Ballade. 
Am Keifen-Denkmal. 
Als Napoleon Bonaparte anno dreizehn nach dem 
Rhein 
Auf der großen Retirade kam nach Frankfurt an dem 
Main 
Und er abseits vor dem Thore mit dem Adjutanten 
ritt, 
Hielt urplötzlich er vor einem stolzen Denkmal von 
Granit. 
Aufgeschossen wie aus Felsen von echt hessischem 
Basalt 
Reckte sich ein Riesen - Würfel hoch empor und wohl- 
gestalt, 
Dessen Scheitel bronz'nes Bildwerk sinn- und deutungs 
voll umfloß, 
Das aus gallischen Geschützen kunstgerecht ein Meister 
goß. 
An den Platten Würfelflächen prangten erz'ner Tafeln 
vier, 
Deren Inschrift mehr durch Inhalt glänzte als durch 
güld'ne Zier. 
Und der Kaiser hielt und schaute zu den Tafeln und 
hinauf 
Zu dem Scheitel von dem Würfel und dem bronz'nen 
Zierrath d'rauf. 
Zu dem Sturmbock, beut gewalt'gen, halb von Löwen 
fell bedeckt, 
Dessen Königshaupt im Tode noch so wie im Leben 
schreckt; 
Zu dem Helm - Koloß, der trutzig auf dem Löwen 
vließe lag 
Zwischen Schild und Riesenkenle wie auf Hünen- 
Sarkophag. 
! Und der Cäsar heischet Kunde — lauschet ernst dem 
Adjutant: 
j Daß ein Häuflein Hessen-Krieger hier die letzte Ruh- 
statt fand, 
Hier wo sie beim Sturm auf Frankfurt fielen ihrer 
Fahne treu 
In dem Christmond, an dem zweiten, siebzehnhundert- 
neunzigzwei. 
Daß der Preußen König Friedrich Wilhelm, Frank 
reichs Gegner, dies 
Denkmal fünfundfünfzig Hessen - Grenadieren setzen 
hieß, 
Als der Augenzeuge ihres Heldcnmuth's, mit dem 
dem Tod 
Jeder dieser wackren Braven standhaft Brust und 
Stirne bot. 
Schweigend höret es der Kaiser — ernsten Blick'ö 
schaut er dabei 
Bald zur güld'nen Schrift der Tafeln, bald zur 
bronz'nen Bildnerei; 
Der Begleiter aber, der so Ernst wie Schweigen miß 
versteht, 
Wagt das Wort: „Sprecht — und dies Machwerk 
sinkt vor Frankreichs Majestät!“ 
Da bricht Jener schnell sein Schweigen und sein Auge 
stammt empört: 
„Feinde, die da tapfer fielen, sei'n auch noch im Tod 
geehrt.“ 
Spricht's und spornt das Roß von hinnen — weg 
vom Hessen-Monument, 
Nach der Schrift noch salutierend, die die Fünfund- 
sünfzig nennt. 
Ludwig Wahr. 
Ans alter und neuer Zeit. 
Q u i d q u i cl delirant Es war im 
Spätsommer 1842, als der König Friedrich Wil 
helm IV. von Preußen zum ersten mal nach seiner 
Thronbesteigung die Provinz Westfalen besuchte. Am 
20. August fuhren der König und die Königin mit 
großem Gefolge von Berlin ab. Die ersten Nacht 
lager wurden in Magdeburg und Halberstadt gehalten. 
Am 22. August überschritt das königliche Paar die 
Grenze von Westfalen und von da reihte sich Fest 
an Fest. Die Reise gestaltete sich zu einem wahren 
Triumphzuge. Besonders feierlich war die Aufnahme 
in Münster, der alten Bischofsstadt. Hier entfaltete 
sich die ganze Pracht und der glänzende Reichthum 
des westfälischen Adels, noch verniehrt durch den Pomp 
der katholischen höheren Geistlichkeit, welche sich zahl 
reich eingefunden hatte. König Friedrich Wilhelm IV.
	        

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