Full text: Hessenland (3.1889)

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Vielleicht entschließt der Verfasser sich bei nächster 
Auflage, die dem Büchlein hoffentlich bald zu Theil 
wird, schon den Titel etwas umzugestalten, sowohl 
dem Ausdrucke wie Umfange nach. Erstens wird 
eine hessische Geschichte geboten und nicht eine 
solche des Hessenlandes, unter welchem Begriff — man 
mag ihn fassen wie man will — kaum Hanau und 
sicher nicht Rinteln und Schmalkalden fallen. Dann 
ist die darmstädtische Geschichte bis 1654 so eng 
mit derjenigen von Hessen-Kassel verflochten und bis 
zur Hanauer Erbschaft so kurz zu fassen, daß sie in 
wenigen Zeilen angefügt werden kann sammt Darnr- 
stads Schicksalen bis zum Rheinbünde und im 
Großherzogthume, ebenso wie die Thaten des Land 
grafen Friedrich II. von Hessen-Homburg aus diesem 
Heldengeschlechte und die Jahre 1816—1866 dieses 
Ländchcns. 
Weiler ist durch Müllenhoff erwiesen, daß Chatti 
sprachlich sich zu Hessen entwickeln mußte und daß 
diese Benennung wohl von ihrer Kleidung, dem 
Hute, herkommt wie bei Sachsen und Franken von ihren 
Waffen. Bonifatius, eine Latinisirung seines 
Taufnamens Winfrid, starb 755 und hat in 
Fulda sein ehernes Standbild (1842) erhalten. 
S. 10 muß es in der Uebersicht 1122 heißen und 
darf Zeilen 3 von unten etwa noch bemerkt werden, 
daß alle vier nach H. Raspe I. sich ebenso nannten und 
alle kinderlos starben. S. 11 könnte Landgraf Konrads 
Todesjahr (1- 1241) zugefügt werden und S. 12 
wäre deutlich zu bemerken, daß H. R. schon 1 2 Jahre 
beider Lande Geschicke allein gelenkt hatte. S. 13 ist 
zu erwähnen, daß Sigfrid von Anhalt auch Erbansprüche 
machte, aber nichts erhielt. Der hessisch-thüringische 
Erbfolgekrieg hätte nach den abschließenden Unter 
suchungen von Ilgen und Vogel (Zeitschr. des 
Vereins für hessische Geschichte) genauer dargestellt 
werden müssen, wonach Heinrich der Erlauchte zuerst 
Vormund seines Neffen war und erst nach und 
nach die Feindschaft sich entwickelte. S. 14 ist in 
zu unbestimmten Grenzen von dem „Ehattenlande" 
geredet und S. 15 wäre zu erwähnen, daß die erste 
Theilung in Ober- und Niederhessen nur drei Jahre 
dauerte, sowie daß Otto 1366 starb. S. 16 unten 
ist die Zeit nach dem Tode Ludwigs I. bis 1491 zu 
kurz behandelt, die Landgrafen Ludwig II. und Heinrich III. 
sind gar nicht erwähnt und die harten zwischen ihnen 
wüthenden Fehden und blutigen Bruderkriege um die 
Theilung Hessens, während der Heinrich III. 11 Jahre 
lang Vormund über seinen Kasseler Neffen war. 
Warum fehlen überhaupt die Regierungsjahre der 
Fürsten vor Landgraf Karl außer für Landgraf Philipp, 
sowohl im Texte als in der Regententafel? Das große 
Publikum vermißt dieselben. Kinder behalten sie leichter 
in Acht als allgemeine Zeitbestimmungen. Die Zahlen 
sind reichlich ebenso wichtig, als die der bran- 
denburgischen Kurfürsten vor Friedrich Wilhelm, 
welche doch auch auswendig gelernt werden müssen. 
S. 21 ist bei Amelie Elisabeth von „Hanau" ver 
gessen und S. 27 sind die vielen Colonien der Refugies 
in Hessen nicht genannt. S. 28 muß stärker be 
tont werden, daß Wilhelm VIII. seit 1730 all 
mächtiger Statthalter in Hessen für den königlichen 
Bruder war. S. 35 unten fehlt: (Denkstein auf dem 
Forste, wo Emmerich, Hasserodt u. A. fielen. S. 45 
fehlen die drei Regenten Hessens Namens Heinrich 
Raspe und, wie schon erwähnt S. 46/47 viele Re- 
g erungszahlen, die sich jedoch der Leser leicht selbst 
nachtragen kann. Alle diese kleinen Ausstellungen 
wollen und können natürlich den großen Werth des 
Büchleins nicht vermindern. Es ist unter jetzigen 
Verhältnissen in der hessischen Geschichtslitteratur 
die denkbar beste Lösung der Aufgabe und empfehlen 
wir dringend allen, die für hessische Geschichte In 
teresse haben, dieses Büchlein zu lesen und sich die 
kleine Ausgabe nicht verdrießen zu lassen. Denn 
einen völlig gut begründeten Abriß zu schreiben, 
wird überhaupt erst möglich sein, wenn wir eine, 
heute noch ungeschriebene hessische Geschichte be 
sitzen, zu welcher der leider zu früh verewigte 
Oberbibliothekar Dr. Duncker berufen wie keiner 
war. Zur Zeit ist jedoch dies Ziel noch recht 
fern, da noch viele, meist kritische, Vorarbeiten zu 
erledigen sind. 
Dr. phil. Seelig. 
Krieflmsten. 
M. H. Regensburg. Einverstanden. Besten Dank und 
freundlichsten Gruß. 
I. G. Fulda. Ihr freundliches Anerbieten nehmen 
wir mit Dank an. Entschuldigen Sie gütigst die ver 
zögerte Antwort. Näheres brieflich. 
G. K. Hannover. Abdruck wird demnächst erfolgen. 
C. Th. D. Marburg. Die eingesandte Mittheilung 
haben wir mit großem Interesse gelesen. Sie wird in 
dem angekündigten Nachfrags-Artikel Verwendung finden. 
Ii. M. Eschwege. Soeben erhalten und zur Auf 
nahme in die nächste Nummer bestimmt. Freundlichsten 
Gruß. 
WM" Die auswärtigen, die Zeitschrift „Hessen 
land" unter Streifband beziehenden Abonnenten, 
welche mit den Quartalsbeträgen noch im Rück 
stände sind, werden höflichst ersucht, dieselben 
im Laufe des Monats September an den unter 
zeichneten Redakteur und Verleger einsenden zu 
wollen. 
Is. Awenger, 
Z o r d a n st r a ß e 15. 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zw eng er in Kassel. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.
        

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