Full text: Hessenland (3.1889)

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zweiten Bande. Ein reiches, warmes Gefühlsleben 
pulsirt in den Gedichten, Heimath und Vaterhaus, 
Lenz und Liebe geben den Stoff zu freudig erregten 
und ernsten Gesängen. Die politischen Lieder mögen 
Bielen, die anderer Meinung sind als der Verfasser, 
oder die mit Goethe denken: „ein politisch Lied, ein 
garstig Lied/ weniger zusagen, doch wird man auch 
ihnen den poetischen Werth nicht absprechen. „Ein 
i 1 Menschenleben^ ist der zweite Band betitelt und in 
der That, cs spiegeln sich in demselben das eigene 
Leben des Verfassers, die bewegten Zeiten, die er durch 
gemacht, seine Bestrebungen, seine Hoffnungen und 
Täuschungen, seine Irrthümer wieder und wie ein 
Widerhall aus tiefem Herzensgründe klingt sein 
Schlußwort: 
Was ich wollte, was ich sollte. 
Schlug nicht immer glücklich ein, 
Denn der finstere Himmel grollte, 
Wenn ich baut auf Sonnenschein. 
Und die Jahre, die geraten, 
Waren anch nicht alle gut. 
Denn es treibt auf diesen Pfaden 
Nur zu leicht der Jugendmnt. 
Keiner reiße fromm und weise, 
Drum den Kranz vom Grabe mir, 
Und beim Tadel, wie beim Preise, 
Denkt: ich war ein Mensch wie Ihr. — 
Den Freunden der Trabert'schen Muse wird die 
Nachricht willkommen sein, daß demnächst der dritte 
Band seiner deurschen Gedichte aus Oesterreich unter 
dem Titel „Trösteinsamkeit" erscheinen wird. 
So eben erschien im Verlage von Otto Janke zu 
Berlin „Strom schnellen/ Roman von Hugo 
Frederking, 3 Bände. Wir werden auf dieses 
Werk unseres hessischen Landsmannes und Dichters in 
einer späteren Nummer zurückkommen. A. 
Eine treffliche Schrift ist das soeben in geschmack 
voller Ausstattung im Verlage derN. G. Elw ert'schen 
Universitäts-Buchhandlung zu Marburg erschienene 
Büchlein: „Marburg, seine Hauptgebäude, Institute 
und Sehenswürdigkeiten nebst Chronik der Stadt und 
Universität und einem Führer in Marburgs Um 
gebungen. Mit dem Plane der Stadt und zwanzig 
Abbildungen nach Originalzeichnungen." 
Verfasser dieses Büchleins ist der Universitäts 
Buchdrucker Johann August Koch, ein geborener 
Marburger, der mit der geschichtlichen Entwickelung 
seiner Vaterstadt wohl vertraut und von großer 
Anhänglichkeit an dieselbe durchdrungen ist. Als 
Zweck seiner Schrift bezeichnet er in seinem Vor 
worte: Marburg, die alte Perle des Hessen 
landes, in seiner Gegenwart in Wort und Bild 
dem Fremden, wie Einheimischen vorzuführen, um 
dazu beizutragen, daß diese durch ihre Lage so be 
günstigte Stadt, die alte berühmte Pflanzstätte der 
Wissenschaft, sich mehr und mehr Freunde erwerbe 
und erhalte. — Ohne Zweifel wird das Büchlein 
eine sehr günstige Aufnahme finden. 
Vom Dechant H. F. Müller in Kassel, 
welcher sich bekanntlich als geistlicher Komponist, 
namentlich durch sein „Weihnachts-Oratorium", einen 
sehr geachteten Namen erworben hat, wird demnächst 
im Verlage von A. Maier in Fulda ein neues 
Werk: „Die heilige Elisabeth", geistliches Festspiel 
in 7 Bildern, für Soli, vierstimmigen gemischten 
Chor mit Klavierbegleitung und verbindenden Text, 
zur Aufführung mit lebenden Bildern, erscheinen. 
Abriß einer Geschichte des Hessen 
landes (mit Ausschluß der nach dem Tode 
Philipps des Großmüthigen abgezweigten Ge 
bietstheile) zum Gebrauche der Schule zusammen 
gestellt von Carl Wagner, Oberlehrer am 
König! Wilhelms-Gymnasium zu Cassel. Cassel, 
Verlag von E. Hühn. 1889. (30 52 Seiten. 
Preis 75 Pf. kartonnirt.) 
Wir müssen vor allem dem Verfasser dafür sehr- 
dankbar sein, daß er dies für das Bedürfniß der 
Schüler geschriebene, ursprünglich nur für die 
Schüler bestimmte Büchlein, durch den Buchhandel 
weiteren Kreisen zugängig gemacht hat/) damit ist 
er einem längst und dringend gefühlten Bedürfnisse 
entgegengekommen. Auch darf man mit der Lösung 
der Aufgabe, die eigenthümliche Schwierigkeiten bietet, 
vollauf zufrieden sein, da es, trotz des engen Raumes, 
dem Verfasser gelungen ist, von der chattischen Vor 
zeit bis zur Gegenwart ein kurzes Abbild hessischer 
Geschichte zu geben, in dem man von wichtigen 
Strichen nur wenige vermißt und in dem fast keine 
Linie verzeichnet erscheint. Die unbedeutenden Mängel, 
die dem Merkchen noch anhaften, erklären sich aus 
den benutzten Hilfsmitteln, die zum großen Theile 
minder wichtig — wie Nr. 3 bis 8 und Nr. 13 des 
S. 52 gegebenen Verzeichnisses — oder wie Nr. 6 
völlig werthlos und für Laien gefährlich sind. Eine solche 
Zusammenstellung dient zugleich als Litteraturangabe 
für Leser, die sich selbst weiter unterrichten wollen, 
und da müßten statt obiger Bücher andere werth 
vollere Schriften aufgeführt sein. Ich nenne hier 
nur: Reh ms Handbuch der Geschichte beider Hessen 
bis 1648, Arnold, Ansiedelungen und Wanderungen 
deutscher Stämme 1875 u. ö., Vilmars hessische 
Chronik (1854) und Hoffmeisters historisch-genea 
logisches Handbuch (3. Aust. 1874), sowie vor allem 
sämmtiche 25 Bände der Zeitschrift des Vereins 
für hessische Geschichte und Landeskunde nebst den 
Supplementen. Zuletzt die „Allg. Deutsche Biographie". 
*) Rühmend anzuerkennen ist, daß beide Kasseler Gym 
nasien die hessische Geschichte schon länger in ihren Unter 
richtsplan für Secunda ausgenommen haben.
        

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