Full text: Hessenland (3.1889)

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Der Rhönklub hielt seine diesjährige Hauptver 
sammlung am 4. August in der schönen Mainstadt 
Wurz bürg ab. Die Aufnahme der Gäste seitens 
der Würzburger war eine überaus herzliche und der 
Verlauf des Festes ein nach jeder Richtung hin zufrieden 
stellender. Der vom Vorsitzenden, Dr. Justus Schneider 
von Fulda, erstattete Jahresbericht gab ein erfreuliches 
Bild sowohl von der Thätigkeit des Gesammtvorstandes 
wie derjenigen der einzelnen Sektionen, deren am 1. 
Januar 1889 30 bestanden mit 2583 Mitgliedern. 
Die Eröffnung der Bahn Fulda-Gersfeld erfolgte am 
I. Oktober, der nächstes Jahr diejenige der Strecke 
Fulda-Tann folgen werde. Die Frequenz der neuen 
Bahn ist vortrefflich. Eine Haltestelle Milseburg wird 
angestrebt. Leider weigert sich der Kreisausschuß 
Gersfeld, die erforderlichen Grundstücke zu einem Ver 
bindungswege zu derselben zu beschaffen, der Zentral- 
ansschuß habe deshalb wegen des nöthigen Grunder 
werbs mit den Besitzern verhandelt, und es wird zu 
nächst versucht, auf der gewonnenen neuen Grundlage 
eine endgiltige und alle Betheiligte befriedigende Rege 
lung der Herstellung des Zufuhrweges herbeizuführen, 
so daß die Hoffnung begründet ist, daß es sich er 
möglichen lassen werde, die Haltestelle Milseburg, deren 
Bedeutung für den Touristenverkehr nicht zu unter 
schätzen ist, mit Beginn des nächsten Sommers dem Be 
triebe zu übergeben. — Als Ort der nächsten Generalver 
sammlung wurde das Rhönstädtchen Mellrichstadl be 
stimmt. Einstimmig wurde Fulda als Vorort und der bis 
herige Zentralausschuß, bestehend aus den Herren Dr. 
Justus Schneider als Vorsitzendem, Ludwig Uth als 
Schriftführer und Hermann Jacobson als Kassirer, auf 
drei Jahre wiedergewählt. Wir wünschen dem Rhön- 
klub, welcher seit seiner Stiftung am 6. August 1876 
andauernd eine im Interesse des Rhöngebirges sehr- 
ersprießliche Thätigkeit entfaltet hat, ferneres Blühen 
und Gedeihen. 
U n i v e r s i t ä t s u a ch r i ch 1 e n. Die Wahl des 
Professors der Theologie Dr. Wilhelm Herr- 
m a n n zum Rektor der Universität M a r b u r g 
für das Amtsjahr 1889/90 hat die ministerielle 
Bestätigung erhalten. — In Würdigung der hohen 
Verdienste um die Verwaltung der evangelischen Kirche 
und die Förderung aller kirchlichen Aufgaben in Hessen 
ist dem Präsidenten des königlichen Konsistoriums 
E. von Weyrauch zu Kassel, wie es in dem be 
treffenden Diplome heißt, „de ecclesiae rebus 
publicis novo ordine constituendis meritissimo, 
in resuscitando ecclesiae hac in provincia amore 
ac desiderio felicissimo viro animi strenui ingenii 
acuti iustitiae pariter dedito ac benevolentiae“ 
von der theologischen Fakultät der Universität 
Marburg die theologische Doktorwürde honoris 
causa verliehen worden. 
An Stelle des mit dem 1. Oktober von Gießen 
an die Universität Marburg übersiedelnden Pro 
fessors der Rechtswissenschaft Dr. H. O. Lehmann 
ist der Privatdocent Dr. S ch m i d t in Leipzig zum 
ordentlichen Professor der juristisck)en Fakultät der 
Universität Gießen ernannt worden. 
Todesfälle. Am 10. August verschied zu Fulda 
nach längerem Leiden der P. Augustin Möller, 
Vikar des Klosters am Frauenberge bei Fulda, ein 
auch in weiteren Kreisen bekannter, als Kanzelredner 
und als Beichtvater sehr beliebter und hochgeachteter 
Klostergeistlicher. Während einer langen Reihe von 
Jahren bekleidete er die Stelle eines Garnisonspfarrers 
in Fulda, und hatte sich als solcher auch in mili 
tärischen Kreisen die allgemeine'Hochschätzung erworben. 
Geboren war er im Jahre 1827 zu Fritzlar, die 
Ordensgelübde hatte er 1845 abgelegt und die 
Priesterweihe am 31. Oktober 1850 empfangen. 
Das Hinscheiden diejes würdigen Priesters hat weit 
über die Grenzen der Diözese Fulda hinaus die auf 
richtigste Theilnahme hervorgerufen. K. i. p. 
Am 28. August starb zu Weißenhirsch bei Dresden 
der frühere Oberprttsident von Hessen-Nassau August 
von Ende. Geboren war derselbe am 18. Mai 
1815 zu Waldau bei Kassel, als Sohn des 
Forstraths Friedrich August von Ende, er war somit 
seiner Geburt nach ein Hesse. Er besuchte bis 
1835 die Landesschule Pforta, studirte hiernach in 
Berlin Rechts- und Staatswissenschaft, war nach be 
standenem Assessor-Examen bei den königl. preußischen 
Regierungen in Erfurt, Frankfurt a. O. und Breslau 
beschäftigt, von 184 3 —1853 war er Landrath des 
Waldenburger-und von 1853 — 1862 des Breslauer 
Land-Kreises, von 1862—1870 Polizeipräsident in 
Breslau, 1870 und 1871 Regierungspräsident in 
Schleswig, von 1872—1875 Regierungspräsident in 
Düsseldorf und Kurator der Kunstakademie daselbst. 
Zu Anfang 1876 wurde er zum Oberpräsident der 
Provinz Hessen-Nassau ernannt, in welcher Stellung 
er bis zum Jahre 1881 verblieb. Herr von Ende 
war 1848 Mitglied des deutschen Parlamentes zu 
Frankfurt a. M., 1871 des deutschen Reichstages 
und im Jahre 1877 vertrat er in dem letzteren den 
5. hessischen Wahlkreis Marburg-Frankenberg-Kirch- 
hain. Er hatte ein besonderes Interesse für wirthschaft- 
liche Angelegenheiten, für Handel und Industrie, und 
war ein eifriger Förderer derselben. 
Hessische Klicherschau. 
Deutsche Gedichte aus Oesterreich von A. 
T r a b e r t. Zweiter Band: E i n M e n s ch e n l e b e n. 
Frankfurt a/M. Verlag von Z. Wendel. 
Was s. Z. in unserer Zeitschrift von dem ersten 
Bande der deutschen Gedichte aus Oesterreich von A. 
Trabert: Schwertliedereines Friedsamen,gesagt worden 
ist, das gilt auch in vollem Maße von dem vorliegenden
	        

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