Full text: Hessenland (3.1889)

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an ihrer Seite, ebenfalls auf dem schönen Fried 
hofe von Meersburg, die letzte Ruhestätte zu 
finden. 
Am Abende ihres Lebens scheint Amalie selbst 
noch literarisch thätig gewesen zu sein. Wenigstens 
findet sich in dem in Münster erscheinenden 
„Literarischen Handweiser", Jahrg. 1870, No. 93 
folgende Notiz: 
„Bei C. Meyer in Hannover erschien soeben: 
„Margarethe Verflassen, ein Bild aus der katho 
lischen Kirche von A. H." 248 S. Das hier 
geschilderte Leben wird in seiner ersten Periode 
von Versuchen ausgefüllt, sich im Ordensstande 
der Charitas oder der christlichen Jugenderziehung 
zu widmen, nach deren Fehlschlagen aber von 
dem Bestreben, die Nachfolge Christi in der Welt 
durch Selbstverleugnung und angestrengte Arbeit 
an dem eigenen inneren Fortschritt anzutreten. 
Für den glücklichen Erfolg, mit dem es Mar 
garethen gelang, ihre von Natur edle und wahre, 
aber auch lebhafte und fast bis zum Stolz un 
abhängige Seele unter das Kreuz des Herrn zu 
bringen, legt hier eine protestantische Freundin 
derselben Zeugniß ab in einer geistreichen Bio 
graphie, welche mit ruhiger Klarheit und edler 
Einfachheit überall die tieferen religiösen Grund 
strömungen und bedeutenden Beziehungen in 
diesem so stillen und anspruchslosen Lebensgnng 
aufweist. Unter den Initialen verbirgt sich der 
Name Amalie Hassenpflug, deren vertraute 
Freundschaft mit unserer großen westfälischen 
Dichterin Annette von Droste durch ein Gedicht 
der Letzteren bekundet wird" u. s. w. 
Diese mit G. B. unterzeichnete Kritik hat 
wahrscheinlich der gelehrte Orientalist Professor 
Dr. Gustav Bickell geschrieben, Amaliens und 
auch unser Landsmann. 
Ob das so wohlwollend besprochene Buch große 
Verbreitung gefunden, vermag ich nicht zu sagen; 
mir ist es bis jetzt unbekannt geblieben. Doch 
wenn es auch nicht dazu bestimmt war, den 
Namen seiner Verfasserin der Nachwelt zu be 
wahren — : ihr hat Annette von Droste-Hülshoff 
ein Monument gesetzt von unvergänglicher Dauer, 
welches auch nur den oberflächlichsten Betrachter 
ungefesselt lassen kann. 
Wir aber dürfen uns freuen, daß Deutschlands 
größte Dichterin, ja — um mit Betty Paoli 
zu reden —, „die größte Dichterin aller Länder 
und aller Zeiten", das Bild einer edlen hessischen 
Frau an ihre unsterblichen Dichtungen gebannt 
hat. Annettens Bildniß dagegen, d. h. den 
Spiegel ihrer äußeren Erscheinung mit dem so 
verklärten und erdenfremden Ausdrucke mit der 
Gewalt seiner Kunst festgehalten zu haben, 
war das Verdienst eines h e s s i s ch e n K ü n st l e r s. 
Und dieser Künstler, der nach ihrem Tode in 
treuer und dankbarer Erinnerung ihre Marinor- 
büste geschaffen hat, war der Nesse Amaliens, 
Ka r l H a s s e n p f l u g. 
lochmals über die verkauften Wessen 
von <Larl Preser. 
Gleich nach dem Erscheinen meiner Arbeit 
über die historisch gewordene Lüge von den an 
geblich seitens hessischer Landgrafen nach Ame 
rika verkauften Hessen in Nr. 1 bis 5 des 
„Hessenlandes" von 1888, ging der Redaktion 
von Herrn „Ph. L." in Kassel ein Gedicht zu, 
welches den Zug der Hessen nach Amerika be 
handelt und mir von der Redaktion für ein 
weiteres Referat in dieser Sache zugewiesen 
wurde. 
Dieses Gedicht ist im Jahre 1776 unter dem 
Titel „Gedanken eines hessischen Gre 
nadiers" in der Waisenhausbuchdruckerei zu 
Kassel erschienen, also aller Welt zugänglich ge 
wesen, und sehr richtig bemerkt Herr „Ph. L." 
dazu, „wenn dasselbe auch keinen großen 
poetischen Werth in sich birgt, so ist es doch 
deshalb zu schätzen, weil man aus ihm erkennen 
kann, welcher Geist unter den hessischen Sol 
daten herrschte. Diese hielten sich nicht für un 
glückliche verkaufte Sklaven, wie leider noch jetzt 
von vielen, ja bedeutenden Historikern, ge 
fabelt wird, sondern folgten willig dem Rufe 
ihres Landesherrn, um für dessen nahen Ver 
wandten und Verbündeten, den König von Eng 
land , gegen dessen aufständische Unterthanen, 
die Pankees, zu kämpfen und sich neue Lorbeeren 
zu den alten zu erwerben." 
Der Dichter besingt erst die Ruhe Europa's. 
Mars ist „voller Unmuth" auf seinen Waffen 
eingeschlafen und Alles befleißigt sich, „seine 
Tempel einzureißen"; dann jedoch heißt es: 
Aber Zwietracht ruht nicht lange, 
Die mit Gift erfüllte Schlange, 
Führt nur Raserey im Sinn, 
Athmet nichts als Krieg und Morden, 
Stürzt sich durch der Hölle Pforten 
Nach Amerika nun hin. 
In das Land, wofür die Britten tapfer gegen 
die Franzosen fochten, wofür Wolff (der eng-
	        

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