Full text: Hessenland (3.1889)

Wie ragen kühn die Burgen 
Von Waldesgrün umlaubt. 
Und, leuchtend, ruht mein Auge 
Auf Bergen und Gefild; 
Stets hüt' ich treu im Herzen 
Dies theure Heimathbild. 
Hcorg Kkäßner. 
In Kch«»»ilmev «irr o sächs Franzose. ) 
(Historisch.) 
Es harr^) i de Franzosezeit 
In Rewelsderfer Bür') 
Äus reener Liew ö Lost gefreit') 
Dos scheuste Mäje nür. 
Hä drocht seng Früh oft o seng Brost. fl 
Ö Anne dreize bräßt 6 ) hä Most. 
Ee große Wäschbett 7 ) harre voll 
Scho i demm Häusehnfl stieh. 
Off eemol drommeld es bie doll 
Ö pfeff ö blüß bie nie: 
Franzose bahre iemaschiern 
Ö wolle Alles moddsakriernfl. 
Es komme ööch züm Rieweleng 
So sächs vo derre Küll 10 ). 
Die schie, jong Früh langt Asse schweng ") 
Ö Schnaps, ee gahns Bodäll; 
Doch lüsse see dos Alles stieh 
Ö zärrte o dr Früh net schie. 
Do ross dr Bür wüll dorch die Dehr, 
Vom Ehn äus: „Halt, zerreck! 
Die Früh es meng! Die Früh hett mär! 
Es dos ee Ohd, ee Scheck? '*) 
Do äßt ö drenkt, so veel ehr wollt; 
Doch sowos wedd hei nett gedolld!" 
Do zoje see vom Lärrer l3 ) blos 
Ö flüchte: Sabberlod! 
See stürmte off de Bür nü los 
Ö kräsche: „Schmeißten dod!" 
Doch fer de Bür worsch grood ee Kost. 
Hä schmeß die sächs Käll i de Most. 'fl . 
Met senge Fäist'fl wüsch hä da äus 
De sächs Rock ö Gestell, 
Ö worf see da dr Häusdehr näus 
Ö ross: Bär noch bvs well, 
De komm nür här! de komm doch rieh! 
Na, es meng Früh net wongerschie?" 16 ) 
Kurt Iluhn. 
*) Ein Schwälnier nur und sechs Franzosen, fl hatte 
3 ) Ein Riebelsdörfer Bauer 4 ) geheirathet s ) Er drückte 
seine Frau oft an seine Brust. *) preßte T ) Eine große 
Waschbütte fl Hausflur fl massakriren °) Kerl ") Die 
schöne, junge Frau holte Essen geschwind 'fl Da rief der 
Bauer wohl durch die Thür: „Halt, zurück! Die Frau 
ist mein! Die Frau gehört mir! Zst das eine Art, ein 
Schick? 'fl Leder 'fl Er schmiß die sechs Kerle in den 
Most, 'fl Mit seinen Fäusten 'fl Und ries: „Wer noch 
was will, der komme nur her! der komme doch herein! 
Na, ist meine Frau nicht wunderschön?" 
Aus alter und neuer Zeit. ^ 
Hessens letzte Lehnsbraut. Wilhelm I., 146$ 
geboren und 1555 zu Spangenberg verstorben, regierte 
1483—1493. Bon ihm wird gesagt, daß er „zuvor 
ein redlich Vernunft nnd gut Verständniß gehabt 
hätte", daß er aber nach einer gleich seinem Groß 
vater Landgraf Ludwig in das gelobte Land 1491 
unternommenen Reise 1492 gemüthskrank zurückgekehrt 
sei, weshalb er seinem jüngeren Bruder Wilhelm II., 
dem Mittleren, die Alleinherrschaft abtrat. Wilhelm I. 
war als wohlwollender leutseliger Fürst bei den 
Bürgern Kassels sehr beliebt. Er gab denselben im 
„Hochzeitshaus", an dessen Stelle jetzt der „Stadt 
bau" steht, oft Feste, ließ ihnen zum Tanze aufspielen 
und machte — der Regierungssorgen vergessend — 
mit seiner Gemahlin, der stolzen Anna von Braun 
schweig, wohl auch selbst ein Tänzchen. Ein solches 
Fest veranstaltete der Fürst auch 1490 vor Beginn 
der Fastenzeit. Unter den Theilnehmern befand sich 
der reiche Schlächter Kilian mit seiner einzigen Tochter- 
Maria. Mit Schnabelschuhen und rothen wollenen 
Strümpfen — dem Abzeichen der Metzger — bekleidet, 
schritt er durch die gaffende Menge neben dem Pferde, 
welches seine schöne Tochter zum „Hochzeitshaus" trug 
nnd das von einem jungen Mann geführt wurde, 
welcher Maria's Verlobter war. Als Schlächter tüchtig 
im Geschäft war Valentin — so hieß der junge Mann 
— schön von Gestalt und unbescholtenen Rufes. An 
der Festlichkeit nahm derselbe nicht Theil, eilte vielmehr, 
nachdem er seine Verlobte bis zum Festlokal begleitet 
hatte, in das in der obersten Gasse gelegene Wohn 
haus seines zukünftigen Schwiegervaters, um dessen 
Geschäfte diesen Abend „in allen Ehren allein zu 
führen." War ihm doch bekannt, daß seine Verlobung 
mit Maria von Meister Kilian diesen Abend öffent 
lich kund gegeben werden sollte. Und in der That 
wartete dieser nur auf einen günstigen Augenblick, um
        

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