Full text: Hessenland (3.1889)

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Entschlafenen sowie über die an ihrem Grabe 
erfolgten wunderbaren Heilungen und fügte die 
Bitte hinzu, diese demüthige Magd des Herrn 
in die Zahl der Heiligen aufzunehmen. Der 
Papst ging auf die Bitte ein, erforderte aber 
vor Gewährung derselben erst beglaubigte Zeug 
nisse über die berichteten Thatsachen. Bevor diese 
Forderung noch erfüllt war, wurde Magister 
Konrad am 31. Juli 1233 von einigen.Rittern, 
welche er unter Anschuldigung der Ketzerei ver 
folgt hatte, jenseits des Lahnbergs in der Nähe 
des Frauenbergs erschlagen. Vielleicht wären 
nun seine Bemühungen für Elisabeths Heilig 
sprechung erfolglos geblieben, wenn sich nicht ein 
Beförderer der Sache von einer Seite gefunden 
hätte, von welcher man es am wenigsten erwarten 
konnte. Es war kein Anderer als der jüngste 
Bruder ihres verstorbenen Gemahls, der leiden 
schaftliche und etwas wilde, aber treuherzige 
Landgraf Konrad. Bei diesem trat plötzlich im 
Jahr 1233 in Folge des wegen Einäscherung 
von Fritzlar ihm auferlegten Kirchenbannes eine 
völlige Umwandlung seines bisherigen Lebens 
wandels ein, die ihn aus einem Gegner zu einem 
eifrigen Verehrer seiner Schwägerin machte. An 
ihrem Grab legte er den mit schwarzem Kreuz 
geschmückten weißen Mantel der Brüder des 
deutschen Ordens an und übergab mit päpstlicher 
Bewilligung das von ihr gestiftete Hospital sowie 
ihr Grab dem deutschen Orden zur Obhut und 
zum Eigenthum. Dann reiste er nach Italien 
und erwirkte durch persönliche Fürsprache, daß 
der Papst am 27. Mai 1235 zu Perugia die 
Aufnahme Elisabeths unter die Heiligen der Kirche 
feierlich verkündigte und die Gläubigen aufforderte 
den Tag ihres Todes festlich zu begehen. Mit 
dieser Bulle reiste Konrad nach Deutschland zurück 
und legte am 14. August 1235 den Grundstein 
zu der Kirche, die sich über ihrem Grab wölben 
sollte. Den Abschluß der ihr gewidmeten Ehren 
bildete aber das am 1. Mai 1236 dahier gefeierte 
Fest. An diesem Tag wurden in Gegenwart des 
Kaisers Friedrich II. und anderer geistlichen und 
weltlichen Fürsten, namentlich in Gegenwart von 
Elisabeths Schwiegermutter, ihres vorhergenannten 
Schwagers und ihrer Kinder, sowie einer nach 
Tausenden zählenden Menge ihre Gebeine aus 
dem Grab erhoben, von der Hand des Kaisers 
mit einer goldenen Krone geschmückt und den 
Gläubigen zur Verehrung dargeboten. Auf solche 
Weise ward der Name Elisabeths und damit auch 
der Name Marburgs nicht nur in Deutschland, 
sondern in der gesummten abendländischen Christen 
heit weit und breit bekannt und berühmt. — 
Nur etwas über 10 Jahre waren verflossen, seit 
dem die Stadt Marburg Berühmtheit erlangt hatte, 
so gewann sie wieder nach einer anderen Seite 
hin Bedeutung, freilich nicht für das gesammte 
Abendland, kaum für das gesammte Deutschland, 
sondern nur für Hessen und seine Nachbarländer. 
Es war nichts Geringeres als die Gründung 
eines hessischen Fürstenthums, welche von hier 
aus erfolgt ist. Die Veranlassung dazu gab das 
im Jahr 1247 mit dem Tod des kinderlosen 
Landgrafen H e i n r i ch N a s p e erfolgte Aussterben 
des Mannesstammes der thüringischen Fürsten. 
Von mehreren Seiten wurden Erbansprüche ge 
macht. Die berechtigtsten waren einerseits die des 
Markgrafen Heinrich von Meißen, welcher nicht 
nur ein Schwestersohn des letztverstorbenen Land 
grafen war, sondern welchem auch Kaiser Fried 
rich II. für den Erbfall die Reichslehen in 
Thüringen und Sachsen übertragen hatte, anderer 
seits die Erbansprüche Sophieens, der ältesten 
Tochter des Landgrafen Ludwigs IV. und 
Elisabeths. Sie war die zweite Gemahlin des 
Herzogs Heinrich II von Brabant und nahm 
für ihren erst dreijährigen Sohn Heinrich die hes 
sischen Besitzungen der thüringischen Landgrafen und 
die Wartburg als Allodial-Erbschaft in Anspruch. 
Allein so berechtigt ihre Ansprüche waren, so 
schwer waren sie durchzuführen. Denn Deutsch 
land war damals durch Bürgerkrieg zerrissen, 
und ein allgemein anerkannter Richter war nirgends 
zu finden. Dazu kam. daß die bisher den Land 
grafen unterworfenen Grafen und Herren das 
Aussterben derselben als eine günstige Gelegen 
heit ansahen, sich frei und unabhängig zu machen. 
Der gefährlichste Gegner aber war, namentlich 
fürSophieen, der Erzbischof Werner von Mainz, 
welcher die den thüringischen Landgrafen gehörigen 
Besitzungen für heimgefallenes Lehn erklärt und 
sofort in Besitz genommen hatte. Doch diese 
Schwierigkeiten schreckten die Herzogin Sophie 
nicht zurück. Sie hatte in einer schweren Jugend, 
welche sie auf der Wartburg am Hof ihres Oheims 
verlebte, soviel Selbständigkeit, Willenskraft und 
Menschenkenntniß erlangt, um auch gefahrvollen 
Verhältnissen mit Muth und Festigkeit entgegen 
zu treten. Während ihre Mutter Elisabeth durch 
selbstlose Aufopferung für Arme und Kranke und 
durch demüthige Beugung unter die Befehle ihres 
Beichtvaters sich die Bewunderung ihrer Zeitge 
nossen erwarb, zeigte Sophie in weltlichen Dingen 
eine Willenskraft und Klugheit, um welche sie 
viele Männer beneiden konnten. 
Nachdem ihr Gemahl noch im Jahr 1247 in 
Oberhessen und Thüringen erschienen war, uin 
die Ansprüche seines zweitgebornen Sohnes an 
zukündigen, aber schon im Anfang des folgenden 
Jahres einen frühzeitigen Tod gefunden hatte, 
eilte Sophie im Frühjahr 1248 ohne Heer, nur 
auf ihr gutes Recht und die Anhänglichkeit der
        

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