Full text: Hessenland (3.1889)

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fürstlichen Generalstabes, in einer Originalzeichnung 
ausgeführt, bei welcher Detail und Schrift von H. 
Brandes, Terrain von C. Armann im Jahre 1860 
lithographisch hergestellt wurden. Nach dem Jahre 
1866 wurde er durch den Generalstabschef Graf 
Moltke nach Berlin berufen, wo er seitdem der 
wissenschaftliche Leiter aller kartographischen Arbeiten 
ist. Als bei der Gründung des deutschen archäologischen 
Instituts in Athen eine genaue Aufnahme der Land 
schaft Attika beschlossen wurde, übernahm Kaupert 
die Leitung des Kartenwerks, das mit den vom 
Preußischen Unterrichtsministerium gewährten Mitteln 
ununterbrochen fortgeführt wird. Ihm selbst verdankt 
die Wissenschaft die erste genaue Darstellung von 
Athen und Umgegend, ebenso von Olympia, so daß 
auf einigen der wichtigsten Plätze der alten Kultur 
die historisch-topographische Forschung durch sein Ver 
dienst auf festem Boden steht. Auch für die geologische 
Forschung in Attika ist dadurch erst eine sichere Grund 
lage gewonnen. 
Soeben erschien in der E. Hühn'schen Hofbuch 
handlung dahier: Abriß einer Geschichte des 
Hessenlandes (mit Ausschluß der nach dem Tode 
Philipps des Großmüthigen abgezweigten Gebietstheile) 
zum Gebrauche der Schüler zusammengestellt von 
Karl Wagner, Oberlehrer des König!. Wihelms- 
Gymnasiums zu Kassel. Wir begrüßen mit Freude 
diese Schrift, die einem längst gefühlten Bedürfnisse 
Abhilfe schafft und sich sicher auch außerhalb der 
Schule Freunde erwerben wird. Besprechung derselben 
wird in der nächsten Nummer unserer Zeitschrift 
folgen. 
Die „Zeitschrift für Naturwissenschaften“ (heraus 
gegeben vom naturw. Verein für Sachsen und Thü 
ringen in Halle) bringt in ihrem neuesten Hefte 
(Bd. 8, Heft 1, S. 105) in dem Referate über die 
Februarsitzung d. I. folgende interessante Notiz: 
Oberbergrath Dunkel) legte eine auf die Ein 
führung der Blitzableiter bezügliche Korrespondenz des 
Magistrats von Rinteln mit der Stadt Frankfurt 
aus dem Jahre 1785 in Abschrift vor. Aus diesen 
Dokumenten ist genau ersichtlich, in welcher Weise die 
damalige Universitätsstadt Rinteln durch auf den 
Wällen ausgeführte „Gewitterstangen« gegen Blitz 
schlag geschützt war. Diese Schutzmaßregeln scheinen 
unabhängig von der 2 Jahrzente früher gemachten 
Entdeckung Franklins getroffen worden zu sein. 
A. 
*) Hessischer Landsmann und, wenn wir nicht irren, 
Vetter des am 13. März 1885 in Marburg verstorbenen 
Geh. Bergrathes Prof. Dr. Wilhelm Dunker. 
Die „Hessischen Blätter« widmen dem am 31. Juli 
auf seiner Billa zu Rothenditmold verstorbenen 
kurfürstlich-hessischen Generalmajor Freiherrn Ludwig 
Schenk zu Schweinsberg einen warmen Nachruf, 
dem wir folgende Angaben entnehmen: Ludwig 
Schenk zu Schweinsberg war am 31. Oktober 1811 
zu Vacha als Sohn des Oberstlieutenants Karl 
Ludwig Schenk zu Schweinsberg geboren. Gleich 
den meisten seiner Vorfahren trat er in die hessische 
Armee ein und empfing in seinem 18. Lebensjahre 
das Lieutenantspatent im Leibdragoner-Regiment, aus 
welchem er später zur Garde du Korps versetzt wurde. 
Im Jahre 1850 erhielt er als Major das Kommando 
dieses Elite-Korps, von 1853 bis 1859 befehligte 
er das zweite knrhessische Husaren-Regiment in Hof 
geismar, wurde dann zum Generalmajor und Stadt 
kommandanten von Kassel ernannt, welche letztere 
Stelle er bis zum Jahre 1866 bekleidete. Im Juni 
des letztgenannten Jahres führte Generalmajor von 
Schenk die hessische Armee-Division von Kassel nach 
Hanau und wurde dann von der Bundesversammlung 
bei der nach der Gefangennehmung des Kurfürsten 
Friedrich Wilhelm von Hessen eingesetzten kommissarischen 
Regierung des Kurstaates mit der Versetzung der 
Geschäfte des Kriegsministers betraut. Nach der 
Einverleibung Kurhessens in Preußen hielt er seine 
militärische Stellung für abgeschlossen und trat in 
den Privatstand. Dem Verblichenen werden treffliche 
militärische Eigenschaften nachgerühmt und seine 
politische wie religiöse Ueberzeugnngstreue wird auch 
von seinen Gegnern anerkannt. 
Joseph Maria Hugo von Ritzen f. Am 
31. Juli d. I. verstarb zu Gießen Joseph Maria 
Hugo von Ritgen, ordentlicher Professor der 
Kunstgeschichte und Geheimer Baurath. Mit dem 
Entschlafenen ist einer der hervorragendsten Vertreter 
deutscher Wissenschaft, einer der ersten Meister 
romanischer Baukunst heimgegangen. 
Geboren am 3. März 1811 zu Stadtberge in 
Westfalen (auf damals großherzoglich-hessischem Ge 
biete), kam Hugo von Ritgen 1814 nach Gießen, 
an dessen Universität sein Vater in diesem Jahre als 
Professor der Medizin berufen wurde. Nach Absolvierung 
des dortigen Gymnasiums widmete er sich zunächst 
an der Ludwigs-Universität sechs Semester dem 
Studium der Medizin und der Naturwissenschaften. 
Da jedoch seine Vorliebe für Kunst- und Bau 
wissenschaft immer mehr überwog, wechselte er den 
Beruf und begann das Studium der bautechnischen 
Fächer unter Leitung des Oberbauraths Möller in 
Darmstadt; außerdem wurde er in der Kunst der 
Darstellung durch die Maler Schildbach und Lukas 
unterwiesen. Nach bestandener Staatsprüfung vollendete 
er seine Ausbildung in Paris unter Hittdorf und
        

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