Full text: Hessenland (3.1889)

237 
wichtigen Dienste, ein bleibendes Denkmal der 
kaiserlichen Zufriedenheit und Erkenntlichkeit zu 
geben, als ein volles, auf die männliche, und 
nach deren Abgang weibliche Descendenz des 
Fürsten in direkter Linie nach dem Rechte der 
Erstgeburt übergehendes Eigenthum, vorbehaltlich 
der Entrichtung des Weinzehnten an die Krone 
Oesterreich. 
Als unentbehrliches Faktotum verblieb auch 
unter Fürst Metternich der P. Kellermeister 
Carolus Arnd, jener wunderliche Mann, der den 
edelsten aller Weine baute und schnödes Wasser 
dazu trank, auf dem Johannisberg. Bibelfest 
scheint der hochwürdige Herr Pater nicht gewesen 
zu sein, ansonsten würde er gewiß den Spruch 
des Apostels Paulus in dem Brief an den 
Thimotheus, welcher vom Wasser- und vom 
Weintrinken handelt, mehr beherzigt haben. Da 
waren doch seine beiden Genossen aus dem Bene 
diktinerkonvente in Fulda, die nach einander am 
Johannisberg die Seelsorge versahen, die Patres 
Josephus Gegenbauer und Lambertus Oswald, 
ganz andere Leute, die verstandeu sich auf das 
Weintrinken, wie das sich für einen gelehrten, ehr 
würdigen Benediktiner, der Gottes edle Gabe 
wohl zu würdigen weiß, geziemte. Den letztge 
nannten Herrn Pater, der früher Lektor im 
Kloster zu Fulda gewesen war, und in den 40er 
Jahren auf Johannisberg verstarb, hat Schreiber 
dieser Zeilen die Ehre zu seinen Verwandten zu 
zählen. Der P. Kellermeister Karl Arnd stand 
bis in sein hohes Alter seinem Posten in gleich 
verdienstlicher Weise, wie in seiner Jugend, vor. 
Er entstammte einer im Jahre 1726 aus Pfaffen 
dorf bei Coblenz in Fulda eingewanderten Familie, 
die heute uoch daselbstweit verzweigt ist und in bestem 
Ansehen steht. Er war geboren im April 1759 
und starb am 10. Mai 1844. Die Stelle als Keller 
meister zu Schloß Johannisberg hat er seit 1793 be 
kleidet. Er hatte als solcher unter dem letzten 
Fürstbischof von Fulda, Adalbert III. von Har- 
stall, dem Prinzen von Oranien, den« Herzog 
von Nassau-Usingen, dem Marschall Kellermann, 
dem Kaiser von Oesterreich, dem Fürsten Metter 
nich gedient und nahm den Ruf eines ausge 
zeichneten Weinbauers und Weinkenners sowie 
eines rechtschaffenen Mannes mit ins Grab. — 
Nach dem am 11. Juni 1859 erfolgten Tode 
des Fürsten Clemens Wenzel Lothar von Metter 
nich ging der Johannisberg auf seinen einzigen 
Sohn aus zweiter Ehe mit der Freiin von Ley- 
kam, Gräfin von Beilstein, de» Fürsten Richard 
von Metternich über, in dessen Besitz er sich 
heute noch unter preußischer Oberhoheit befindet. 
Wir brechen hier unsere historische Schilderung 
ab, einmal weil eine Fortsetzung nicht mehr in 
den Rahmen unserer Zeitschrift passen würde, 
dann aber auch weil dieselbe vielfach in das 
politische Gebiet überspielt, welches wir unserem 
Programm gemäß möglichst zu vermeiden suchen. 
Wenden wir uns nun wieder dem idealeren 
Gegenstände, dem Johannisberger Weine, zu. 
Wir verdanken unserem vaterländischen Historiker 
F. B. Aloys Schlereth die Veröffentlichung einer 
Tabelle über die Quantität und die Qualität 
des auf dem Johannisberg seit der Zeit, in 
welcher dieser in den Besitz des Hochstiftes Fulda 
gelangte, bis zu dem Jahre 1824 geherbsteten 
Weines. Sie umfaßt sonach einen Zeitraum 
von hundert und einigen Jahren und ist zusammen 
gestellt theils nach den fuldaischen Kammer-Akten 
und -Rechnungen, theils nach dem von dem P. 
Kellermeister C. Arnd aufgestellten Verzeichnisse. 
Dieser Tabelle entnehmen wir, daß die Jahre 
1719, 1723, 1724, 1726, 1727, 1738, 1746, 
1748, 1749, 1750, 1766, 1775, 1779, 1781, 
1783, 1794, 1798, 1806, 1807, 1 8 1 1 und 1822 
eine an Qualität sehr gute Ernte lieferten. 
Die Jahrgänge 1719 und 1748 werden als 
„Ehrenweine", die Jahrgänge 1811 und 1822 
als „Hauptweine" bezeichnet. 
In Fulda hatte man schon aus Patriotismus 
eine ganz besondere Anhänglichkeit für den Jo 
hannisberger. Dort fanden bis in die 30er Jahre 
dieses Jahrhunderts wohlhabende Privatleute ein 
stolzes Behagen darin, in ihren Kellern Johannis 
berger der besten Jahrgänge gelagert zu wissen, 
— und keine höhere Festlichkeit verging in den 
altfuldaischen Familien, ohne daß als edelste 
Gabe Johannisberger kredenzt worden wäre.*) 
Heute ist es anders in Fulda. Die guten alten 
Zeiten, in welchen man dort mehr dem Wein 
gotte Bacchus als dem Bierheiligen Gambrinus 
huldigte, sind vorüber, leider wohl für immer. 
Die Preise des Johannisberger Schloßweins 
haben sich auch inzwischen so verändert, daß es sich 
jetzt nur uoch sehr reiche Leute verstatten können, 
diesen Göttertrank zu schlürfen. Interessanten 
Aufschluß giebt uns darüber W. von Hamm in 
seinem „Weinbuche". Wir lassen die entsprechende 
Stelle hier folgen: 
„Von den 24,71 da (98,84 Morgen), welche 
das Weingartenareal von Schloß Johannisberg 
umfaßt, sind gewöhnlich nur 19,02 da in trag- 
sähigen Zustande. An Arbeiten und Melio 
rationen wird natürlich nichts gespart; alle 
Räumlichkeiten, besonders Kelter und Kelterhaus, 
sind musterhaft eingerichtet. Ueberhaupt kann 
der Johannisberg als eine hohe Schule des 
Weinbaues und der Weinbehandlung betrachtet 
*) Wie werden demnächst in einem Nachtrage zu 
unserem Artikel „Johannisberg" eine Schilderung da 
maliger Verhältnisse in Fulda bringen.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.