Volltext: Hessenland (3.1889)

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Rücken wandten, um in den gesünderen Gegenden 
am obern Tiber ein Lager zu beziehen und die 
Auszahlung der versprochenen Summen ab 
zuwarten. Bald war ihre Geduld aufs neue 
erschöpft; sie stürmten in hellen Haufen gegen 
das Zelt Bemelbergs heran, der, gewarnt, sich 
in Sicherheit gebracht hatte; in ihrer Wuth 
zerstörten sie das Zelt. Als Vemelberg annehmen 
konnte, daß sie Vernunftgründen zugänglich 
wären, trat er, nicht ohne sich sicheres Geleit 
ausbedungen zu haben, in ihren Ring, forderte 
jeden auf, der Klagen gegen ihn vorbringen 
könne, hervorzutreten; er wolle ihm „Fuß halten 
und Antwort geben"; zugleich legte er seine 
beiden Stellen als Locotenent Frundsbergs und 
Hauptmann nieder. Das brachte sie zur Er 
nüchterung: sie drangen in ihn, sie in dem 
wildfremden Lande nicht im Stiche zu lassen, 
er gab endlich ihren Bitten nach und wählte 
sich den Hauptmann Wendelin von Wevhers zu 
seinem Locoteneuten. Aber alle Anordnungen 
und Bemühungen des wackern Konrad, der die 
Seinen nicht verlassen wollte, wie es damals 
viele ihrer Hauptleute thaten, machten die 
Intriguen des Papstes zu nichte, der jetzt wieder 
neue Hoffnung schöpfte, da ein französisches 
Heer unter dem Marschall Lautrec, das schon 
Alessandria und Pavia erobert hatte, zu seinem 
Schutze heranrückte. Auch war die Haltung des 
Vicekönigs von Neapel, Lannoy, eine höchst zwei 
deutige. Kaum waren daher die Landsknechte 
nach Rom zurückgekehrt., so brach ein neuer 
Aufruhr unter ihnen aus; sie setzten ihre Haupt 
leute in Gewahrsam und übertrugen einem aus 
ihrer Mitte gewählten Ausschuß von 20 Männern 
die Wahrung ihrer Rechte. Wie vorauszusehen, 
wurde die Verwirrung dadurch noch gesteigert. 
Zum Unglück gelang cs dem Papst, Anfang 
Dezember aus den Händen seiner Feinde zu ent 
rinnen, und die Landsknechte, die sich um den 
Lohn aller ihrer Mühen gebracht sahen, ver 
langten am 14. Januar 1528 ihren Abschied. 
Nur mit Mühe gelang es Oranien und Bemel- 
berg, sie zurückzuhalten, bis sie von ihrer Reise 
nach Neapel zurückgekehrt wären. Der neue 
Vicekönig von Neapel Moncada bewilligte ihnen 
angesichts der drohenden Lage ausreichende 
Gelder, so daß endlich die Knechte den rück 
ständigen Sold erhalten konnten. Leichten Herzens 
zogen die Kaiserlichen, nur noch 13,000 Mann 
stark, aus dem unseligen Rom, das so vielen 
der Ihrigen zum Grab geworden war; aber 
nicht gen Norden zur Heimath, sondern auf Um 
wegen, um die Feinde zu vermeiden, nach 
Neapel. 
Neues Ungemach wartete ihrer hier; zu Lande 
und zu Wasser von Lautrec und dem Dogen 
Doria von Genua belagert, vom frischen Wasser 
abgeschnitten, sahen sie den Tod in schrecklichster 
Gestalt vor Augen. 
(Fortsetzung folgt.) 
Amalie Kassenpflug, 
die Freundin von Deutschlands größter Dichterin. 
Von Ios. Grineau. 
(Schluß.) 
„Mein Blick war klar und mein Erkennen 
stark!" Wohl durste Annette von Droste- 
Hülshoff dieses stolze Wort im Bewußtsein 
ihrer wahrhaft phänomenalen Seelenkenutniß 
ausrufen; und mit diesem klaren, scharfen Blicke, 
der allen Dingen auf den tiefsten Grund schaute 
und selbst die verborgensten Herzensfalten durch 
drang, hat sie auch das Wesen ihrer Freundin 
erfaßt und es dann im Spiegel der eigenen Seele 
zurückgestrahlt, als ein lebenstreues, von idealster 
Auffassung verklärtes Portrait. 
Das Bild. 
1. 
Sie steh'n vor Deinem Bild und schauen 
In Dein verschleiert Augenlicht, 
Und sagen dann: „Du sei'st es nicht; 
Zu klar die Stirn, zu voll die Wange, 
Zu üppig in der Locken Hange, 
Ein lieblich fremdes Angesicht." 
O wüßten sie es, wie ein treues 
Gemüth die kleinsten Züge hegt, 
Ein Zucken nur, ein flüchtig scheues, 
Als Kleinod in die Seele legt; 
Wie nur ein Wort, mit gleichem Klange 
Gehaucht, dem Feinde selbst das bange, 
Bewegte Herz entgegen trägt — 
Sie würden besser mich begreifen, 
Säh'n deiner Locken dunklen Hag 
Sie mich mit leisem Finger streifen.
        

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