Full text: Hessenland (3.1889)

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Dieser Anblick erregte den Zorn Herzog Karls 
im höchsten Grade: machtlos, den Seinen zu 
Hilfe zu kommen, befahl er die Geschütze aufzu 
fahren und Freund und Feind ohne Unterschied 
niederzuschießen. Aber die Kanonade, so heftig 
sie war, brachte nur drei Neußern den Unter 
gang, die übrigen kamen wohlbehalten, unter 
dem Jubel der Bevölkerung, in der Stadt an 
und führten ihre Gefangenen, darunter einen 
schöngewachscnen Mohren, samt den erbeuteten 
Fahnen dem Landgrafen im Triumphe vor. Der 
qber ehrte diese erste kühne Waffenthat dadurch, 
daß er mit allen Glocken läuten und die Geist 
lichkeit in den Kirchen ein feierliches Tedeum 
anstimmen ließ. 
(Fortsetzung folgt.) 
Iur Geschichte von Wilhelmshöhe. 
Von K- Neuber. 
(Fortsetzung.) 
Nach dem Schlosse wandte Wilhelm IX. sein 
Augenmerk den Wasserkünsten zu, welche unter 
Aufgebung der großartigen, aber wahrscheinlich 
durch die damit verbundenen Veränderungen der 
Erdoberfläche kostspieligen Anlagen der Vorfahren, 
in einer mehr der Natur angepaßten Weise zur 
Ausführung kamen. Auch hierzu war ein tüchtiger 
Mann gefunden in dem Inspektor der sämmt 
lichen Wasserleitungen zu Wilhelmshöhe, Namens 
Steinhöfer. Festgehalten wurde von den 
früheren Plänen, daß Schloß, Fontaine und 
Cascaden in einer geraden Linie verblieben und 
zwischen Fontaine und Cascaden die Pluto-Grotte. 
Zu deren Linken, sich mehr an die Boden-Ver 
hältnisse anlehnend, wurde in Nachbildung der 
Teufelsbrücke in der Schweiz ein nach dieser 
benannter Wasserfall angelegt, der unter einer 
steil aufsteigenden, nur in einem Bogen gebauten 
Brücke hervorströmt und über die davor befind 
lichen Felsen hinabstürzt. Sodann wurde in 
einiger Entfernung südlich davon mitten im 
Walde nach Steinhöfers eigner Idee der Berg- 
Wasserfall oder Steinhöfer'sche Wasser 
fall angelegt, welcher von der Höhe zwischen 
wild durch einander gewachsenen Bäumen und 
Gesträuchen über mächtige Steinblöcke, die von 
der Natur hier in wilder Unordnung aufeinander 
gethürmt scheinen, herabstürzt. Dieser Wasser 
fall entnimmt seinen Zufluß dem auf der Höhe 
befindlichen Pfaffenteiche und dem in einer 
Entfernung von */< Stunde weiter entlegenen 
Asch, einem romantisch gelegenen Gebirgs-See, 
von dessen Ufern man vor sich das mit manchen 
Thalgründen wetteifernde Druselthal in der 
Tiefe und gegenüber den südlichen Theil des 
Habichtswaldes mit seinen reichhaltigen Forsten 
erschaut, und führt darauf sein Wasser in Schlangen- 
Wegen zu der bereits erwähnten Teufelsbrücke. 
Unter dieser über Felsen in einen davor ge 
legenen Teich sich ergießend, verläuft das Wasser 
weiter in einer Stein-Rinne zu dem gleichfalls 
unter Wilhelm IX. von Steinhöfer an der Nord- 
Seite nach, römischen Muster angelegten Wasser 
falle, der römische Wasserfall oder Aquä 
dukt (Aquaeductus), um dann von diesem in 
einer Höhe von 120 Fuß in den Abgrund zu 
stürzen) Von da ergießt sich das Wasser über 
kleine Felsen-Parthien in Cascaden um den A p o l l o- 
Berg (aus dem der Apollo-Tempel) in das Fon 
taine-Bassin und von da durch den sog. Schloß 
garten an der Rosen-Jnsel vorbei zum 
großen Lac, dessen Abfluß wieder Felsen-Cascaden 
bildet und dann sich bei Wahlershausen in den 
D r u s e l b a ch ergießt. Außerdem erbaute sich 
Wilhelm IX. nach dem Muster der alten, nun 
mehr längst dahin geschwundenen Ritterburgen 
ein Schlößchen nicht weit vom Steinhöfer'schen 
Wasserfalle, westwärts desselben, die sog. Löwen 
burg oder Felsenburg. Unter Leitung des bereits 
genannten Ober-Baudirektors Jussow aufgeführt, 
(1793) ist dieselbe eine kunstvolle Nachbildung 
einer vielen Stürmen getrotzt habenden Burg 
und enthält alle mit einer solchen verbundenen 
Eigenthümlichkeiten und Einrichtungen, wie Herrn- 
Haus, Ritter-Saal, Rüstkammer, Burg-Kapelle, 
Frauen-Wohnung, ferner Burghof, Burggarten, 
Turnier-Platz und die feindliche Angriffe ab 
wehrenden starken Thore mit Zugbrücken. Auch 
eine besondere Schloß-Wache wurde für diese 
Burg gehalten, die Schweizer-Leibgarde, welche 
in der Ausrüstung der Infanterie bei festlichen 
Gelegenheiten große Bärenmützen trug und aus 
Unteroffizieren des Leibgarde-Regiments von 
tadelloser Dienstführung gebildet wurde. An der 
Spitze stand ein Feldwebel, und über diesem be 
fehligte ein Flügel-Adjutant des Kurfürsten. 
Auch nach Einverleibung des Kurfürstenthums 
Hessen in die Preußische Monarchie ist diese
        

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