Full text: Hessenland (3.1889)

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Nachlaß«. In der ersten Abtheilung behandelte 
Julius Rodenberg die Jugendzeit Dingelstedt's in 
Rinteln, in der zweiten dessen Universitätsjahre 
in Marburg und die hannoverische Episode, in der 
dritten dessen Leben und Wirken in Kassel, in dem vor 
liegenden Hefte beschäftigt sich der Verfasser in der 
ihm eigenen anziehenden, fesselnden, geistreichen Weise 
mit Franz Dingelstedt's Aufenthalt in 
Fulda, der Zeit vom Herbste 1838 bis Herbst 
1841 , in welcher, wie der Verfasser bemerkt, das 
Leben des Dichters voll innerer und äußerer Bewegung 
war; „in Fulda hat er zuerst die Augen der Welt 
auf sich gezogen, und alser es verließ, wußte ganz 
Deutschland, wer Franz Dingelstedt fei.“ — Wir 
werden darauf zurückkommen. 
In der am 13. Juli zu Marburg abgehaltenen 
Versammlung des Bezirksvereins für hessische 
Geschichte und Landeskunde hielt der Vorsitzende 
Archivrath Dr Könnecke einen längeren Vortrag 
über „neue Quellen zur Lebensgeschichte Grimmels- 
hausen's«. Der „Oberhessischeu Zeitung« zufolge 
behandelte der Vortragende zunächst den bisherigen 
Gang und den gegenwärtigen Stand der Forschung 
über diesen bedeutendsten deutschen Romandichter 
des 17. Jahrhunderts, und theilte dann seine 
auf langjähriger urkundlicher Forschung beruhenden 
Ergebnisse mit. Hiernach ist es namentlich sicher, 
daß Grimmelshausen wirklich ein Gelnhäuser ist. 
Sein Vater, Großvater und Urgroßvater sind als 
Gelnhäuser Bürger nachweisbar; auch läßt es sich 
an der Hand der Akten, Kirchenbücher und anderer 
gleichzeitiger Quellen für die Jahre 1646—1660, 
1662, 1666—1676 in verschiedenen Lebensstellungen 
nachweisen. Wichtig ist auch der Nachweis, daß 
Grimmelshausens Familie, also auch er lutherisch 
waren, und daß er schon 1046 als Katholik vor 
kommt, also spätestens in diesem Jahre zum Katholi 
zismus übergetreten sein muß. Der Vortragende 
sprach die Hoffnung aus, daß weitere Forschungen 
noch von anderen wichtigen Ergebnissen über Grimmels 
hausen, seine Familie und seine Schriften begleitet 
sein würden. (Eingehende Studien über Grimmels 
hausen hat s. Z., wie wir wissen, unser verehrter 
Kasseler Mitbürger, der Amtsgerichtssekretär a. D. 
Georg Flohr, ein geborener Gelnhäuser, gemacht. 
Es wäre sehr erwünscht, wenn er sich entschließen würde, 
die Ergebnisse derselben zu veröffentlichen. D. Red.) 
Universitätsnachrichten. Am 20. Juli wurde 
non dem Akademischen Senat zu M a r b u r g der Pro 
fessor der Theologie Dr. theol. u. phil. Wilhelm 
H e r r m a n n zum Rektor der alma Philippina für 
das Amtsjahr 1880/90 gewählt. — Dem Univer 
sitäts-Musikdirektor R ich a r d B a r t h in M a r b u r g 
ist in Anbetracht seiner Verdienste um Förderung der 
Kunst das Prädikat „Professor« verliehen worden. 
An der Universität Gießen haben sich als Privat- 
docenten habilitirt: in der medizinischen Fakultät Dr. 
Poppert für Chirurgie, in der juristischen Dr. 
Günther für Strafrecht. — Demnächst wird an der 
Hochschule Gießen ein Lehrstuhl für Geographie 
errichtet werden, der zunächst mit einem außerordent 
lichen Professor besetzt werden soll. Die Wahl des 
zu berufenden Gelehrten dürfte in der Kürze erfolgen. 
Todesfälle. Am 17. Juli verschied zu K o p e n - 
Hagen die Prinzessin Auguste von Hessen, 
Tochter des 1867 verstorbenen Landgrafen Wilhelm 
von Hessen, Schwester der Königin Louise von Däne 
mark. Sie war am 30. Oktober 1823 geboren, 
verlebte ihre Jugendzeit auf Schloß Rumpcnheim 
und vermählte sich am 28. Mai 1854 auf Schloß 
Pauker in Holstein mit Baron Karl von Blixen- 
Finecke, welcher am 6. Januar 1873 starb. — 
Am 23. Juli d. I. starb zu Fulda nach 
eben vollendetem 89. Lebensjahre der Ober 
gerichtsrath z. D. Georg Christian Stöber, 
ein ausgezeichneter hessischer Jurist und hervorragendes 
Mitglied des vorhinnigen Obergerichts zu Fulda. 
Geboren war G. Chr. Stöber am 15. Juni 1800 
zu Neukirchen bei Ziegenhain als Sohn des dortigen 
Amtmanns St. und dessen Ehegattin Klara, geb. 
Becker. Mit vorzüglichen Anlagen, namentlich mit 
klarem Verstände ausgestattet, bezog er in seinem 
17. Lebensjahre die Hochschule Marburg, um Juris 
prudenz zu studieren. Dort war er Mitglied der 
Verbindung Teutonia, die später in der Burschenschaft 
Germania aufging (um Verwechselungen vorzubeugen, 
bemerken wir, daß das heute in Marburg blühende 
Corps Teutonia mit jener Verbindung nichts 
gemein hat; dasselbe wurde sieben Jahre später, 
im Juli 1825, gestiftet). Nach vollendetem Studium 
und Ablegung der vorgeschriebenen Examina trat G. 
Chr. Stöber in den kurhessischen Staatsdienst. Er 
diente so zu sagen von der Pike auf, war nacheinander 
Aktuar, dann Advokat zu Oberaula, hiernach 
Landgerichtsassessor zu Marburg, Justizbeamter in 
Treis an der Lumbde und in Rotenburg; im Jahre 
1847 wurde er zum Obergerichtsrath in Kassel ernannt 
und 1851 in gleicher Eigenschaft nach Fulda versetzt. In 
seiner Stellung als Mitglied des Obergerichts kam ihm 
seine frühere Laufbahn und die während derselben an den 
Justizämtern gesammelte Erfahrung sehr zu statten, er 
war ein ebenso praktischer, wie theoretisch-wissenschaftlich 
gebildeter Jurist. Nach Einverleibung Kurhessens in
        

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