Full text: Hessenland (3.1889)

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Auch war seine hessische Herkunft nicht gerade 
förderlich für seine Beliebtheit unter den meist 
dem Süden Deutschlands entstammten Kriegs 
knechten. Nichtsdestoweniger zeigte er sich der 
Aufgabe gewachsen; er und Bourbon führten 
das Heer, den Herzog von Urbino, der in den 
Pässen der Apenninen lauerte, täuschend, in 
kühnem Zuge über das Gebirge und bedrohten 
zu gleicher Zeit Florenz und Rom. Da aber 
auch hier die Stimmung des Heeres sich nicht 
besserte und Florenz von dem Herzog von Urbino 
gedeckt wurde, beschlossen die beiden Heerführer, 
gerades Weges in Eilmärschen ans Rom loszu 
gehen , um durch einen entscheidenden Schritt 
alle Truggespinste, die welsche Tücke geschäftig 
wob, zu zerstören. Es blieb kaum ein anderer 
Ausweg, als durch einen Sturm sich der heiligen 
Stadt zu bemächtigen ; denn hinter ihnen drängte 
das ligistischc Heer heran, und in der armseligen 
Campagna grinste ihnen das Gespenst des 
Hungertodes mit jedem Tage schrecklicher ent 
gegen. Am 5. Mai war das kaiserliche Heer 
vor Rom angelangt, am 6. in aller Frühe schritt 
man zum Sturm, den der dichte Nebel be 
günstigte. „Es war ein herber Sturm, denn 
das Geschütz, sonderlich die Handrohren, gingen 
immer aufs sie ab, doch hat Gott mercklich ob 
ihnen gehalten, denn so oft sie einfielen, fiel ein 
dicker Nebel an, der sie bedeckt und überschattet. 
Es haben auch etliche Kriegsleut bekennt und 
gesagt, Gott sey ihnen Vorgängen im Nebel, und 
hab sie über die Mauer hineingezogen." Bourbon 
sank, als er eine Leiter anlegte, von einer Kugel 
tödtlich im Unterleib getroffen, mit den Worten: 
„Nach Rom! Nach Rom!" zu Boden. Das 
entflammte die Wuth der Stürmenden noch 
mehr; der verlorene Haufen, das erste Treffen 
der Landsknechte, drang unwiderstehlich vor; der 
Profoß Klaus Seidenstücker bahnte, mit seinem 
gewaltigen Schlachtschwert die Feinde nieder 
mähend, den Seinen den Weg. Konrad von 
Bemelberg drang an der Spitze des gewaltigen 
Haufens nach; auch die Spanier erklommen die 
Mauer; die Leostadt war in den Händen der 
Kaiserlichen. Bemelberg „versammlet aufs dem 
Platz bei St. Peters Burgk den verlorenen 
Hauffen, die den Sturm erobert hatten, und 
ließ ausruffen, daß keiner plünderte oder sich 
vom Hauffen ließ, bey Verlust seines Lebens, 
und thät sich nach diesem Sieg alles Kriegsvolck 
wieder in Ordnung, und blieben stehen, bis sie 
alle zusammen kamen, haben eine starcke Ordnung 
gemacht und musten sorgen, die aus der Statt 
möchten in sie fallen." So wurde (denn „der 
Hunger wolt kein Verzug leiden") auch das 
Trastevere erstürmt. Bis gegen 6 Uhr Abends 
war die harte Blutarbeit gethan; aber erst 
gegen Mitternacht — bis dahin hielt sie die 
Erwartung eines Angriffs zusammen — zer 
streuten sich die Sieger zur Plünderung, die 
jeder Schilderung spottet: das Rom der Re 
naissance ging unter den Händen roher Kriegs 
knechte zu Grunde. Und doch sind sämmtliche 
Berichte darin einig, daß die Deutschen dabei 
weit glimpflicher verfuhren als die Spanier. 
„Die Teutschen haben sich an Essen und Trinken 
begnügen lassen und die Leut umb wenig Geld 
geschätzt." Wir werden kaum fehlgehen, wenn 
wir diese Haltung der deutschen Landsknechte 
auf Rechnung Bemelbergs setzen. 
Auf dem wackeren Konrad ruhte in dieser 
Zeit, die der Einnahme Roms folgte, eine große 
Last; denn die Lage des kaiserlichen Heeres 
war noch immer eine bedenkliche. Papst Klemens, 
dessen Geiz und Ränkesucht es über sich gewonnen 
hatte, die ewige Roma dem Wüthen einer zügel 
losen, wüthenden, hungrigen Soldateska Preis zu 
geben, hielt sich noch in der festen Engelsburg 
und erwartete Hülfe vom Herzog von Urbino. 
Doch wagte dieser keinen entschiedenen Angriff, 
bei dem die Kaiserlichen in große Bedrängniß 
gerathen wären. Diesen fehlte ja vor allem ein 
Führer; Philibert von Chalons, der Prinz von 
Oranien, der nach anfänglichem, heftigem Wider 
spruch dem Connetable im Oberbefehle gefolgt 
war, vermochte es nicht, dessen Ansehen zu ge 
winnen. Auch als der Papst endlich nach Urbinos 
Rückzug jeden Gedanken auf Entsatz aufgab und 
am 5. Juni kapitulirte, war nicht viel gewonnen. 
Zwar hatte Klemens VII. sich verbindlich ge 
macht, in 3 Raten 400,000 Dukaten zu zahlen; 
aber die Zahlungen erfolgten so lässig und so 
ungenügend, daß 14 Fähnlein keinen Sold be 
kamen. Die Spanier wurden dabei entschieden 
bevorzugt; ein Spanier wurde auch Kommandant 
der Engelsburg. Der Papst schürte geflissentlich 
die Zwietracht zwischen beiden Nationen, bei der 
er nur gewinnen konnte. Die Unmäßigkeit in 
der Lebensweise, die Ausdünstungeu der Leichen 
machten das Klima in dem sommerlichen Rom 
immer mörderischer; unsichere Gerüchte über die 
im Anzuge begriffene Pest durchschwirrten die 
Straßen der Stadt, die die Landsknechte eine 
„Mördergrube" nannten. So brach endlich die 
lang verhaltene Wuth der rauhen Krieger, die 
sich verrathen glaubten, in Helle Flammen aus; 
sie richtete sich zunächst gegen Oranien, der mit 
Mühe ihnen entkam und in Siena Zuflucht fand. 
Das war nicht geeignet, die Stimmung der 
Landsknechte zu ändern, die endlich am 10. Juli 
— nur 3 Fähnlein blieben unter Veit Wähinger 
als Besatzung der Engelsburg zurück, auch die 
Leibwache des Papstes bildeten deutsche Lands 
knechte unter Sebastian Schertlin — Rom den
        

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