Full text: Hessenland (3.1889)

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alterlicher Kunstwerke hervorhebend. Nachdem er 
sodann für die herzliche Begrüßung der Stadl durch 
ihren Vicebürgermeister gedankt hatte, widmete er 
einige Worte dem Andenken des durch einen jähen 
Tod am 13. November v. I. dahingerafften, für 
den Verein so erfolgreich thätig gewesenen Majors 
z. D. von Gironcourt, zu dessen ehrenden! Andenken 
sich die Versammelten von ihren Sitzen erhoben. 
Ans dem von dem Bibliothekar des Vereins, 
Rogge-Ludwig, in Vertretung des durch Krankheit 
verhinderten Schriftführers Sekretär Stern erstatteten 
Geschäftsbericht über die Thätigkeit des Vereins, be 
treffend die Vermehrung der Büchersammlung, die 
gehaltenen Vorträge, die Ernennung zweier Ehren 
mitglieder bei Gelegenheit ihres 5,0jährigen Dienst- 
jubiläums, der Herren Lehrer Bücking zu Marburg 
und Forstmeister Weber zu Kassel, ist zu bemerken, 
daß die Zahl der Mitglieder des Vereins, welche 
bei der ersten Versammlung zu Marburg im Jahre 
1865 453, bei der zweiten im Jahre 1875 713 
betragen hat, jetzt auf 1290 gestiegen ist. 
Aus dem hierauf von dem Kassenführer des 
Vereins Custos Lenz über die Kassenverhältnisse er 
stattetem Bericht ergab sich, daß in dem Vorjahre 
ein Kassenbestand von 507,28 Mark mit 2700 Mark 
Vereinsschulden vorhanden war, daß in dem abge 
laufenen Jahre die Einnahmen 6015, die Ausgaben 
4911 Mark betragen; erstere die letzteren mithin 
um 1104 überstiegen hat, sodaß dieser Summe jetzt 
nur noch 715 Mark Vcreinsschuldeu gegenüberstehen, 
und sonach diese sich unl mehr als 1000 Mark 
verringert haben. Die Rechnung war von einem 
Sachverständigen, Sekretär Säuberlich, geprüft und 
richtig befunden und wurde dein Kassenführer Decharge 
ertheilt. 
Es wurden sodann der Versammlung folgende 
Anträge zur Beschlußfassung vorgelegt: 
1) Beibehaltung des jährlichen Mitgliederbeitrags 
von 3 Mark, 
2) die jährliche Unterstützung der Marburger 
Sammlung mit 450 Mark, 
3) Abhaltung der nächsten Jahresversammlung in 
Fulda auf von dort ergangene Einladung. 
4) zu der diesjährigen in Metz stattfindenden Haupt 
versammlung deutscher Geschichtsforscher einen 
Deputirten abzusenden, dessen Wahl diesmal dein 
Hanauer Verein zustehe. 
Nachdem diese Anträge ohne dagegen erhobenen 
Widerspruch angenommen waren, wurde der bisherige 
Vorstand des Hauptvereins, bestehend aus den Herren 
v. Stamford, Dr. Lohmeyer, Dr. Pinder, Lenz, Rogge- 
Ludwig und Stern durch Zuruf wieder gewählt. 
Nach Erledigung dieser geschäftlichen Angelegenheiten 
hielt Geh. Regierungsrath Dr. Münscher den 
im Programm angekündigten, mit dem lebhaftesten 
Beifall aufgenommenen Vortrag „die Bedeutung 
Marburgs in der hessischen Geschichte«, über welchen 
demnächst ausführlicher Bericht erfolgen wird. 
Die nach Schluß der Sitzung bereits vorgeschrittene 
Zeit gestattete leider nur eine flüchtige Besichtigung 
des Schlosses und einiger Archivräume. 
Um 3 Uhr begann in dem Saale des neuen 
Mnseumgebäudes das Festmahl, an welchem sich etwa 
60 Personen beiheiligten. Den ersten Toast brachte 
Regierungspräsident Rothe aus auf Se. Majestät 
den Kaiser Wilhelin, den 2. auf die Stadt, in 
welcher die Jahresversammlung stattgefunden, nicht 
wie sonst regelmäßig geschehen, ein von auswärts 
gekommener Teilnehmer der Versammlung, sondern 
diesmal ein Bewohner der Stadt, Geh. Regierungs 
rath Dr. Münscher. Der Redner sprach in 
seiner die Stadt feiernden Rede insbesondere der 
Marburger Ortsbehörde den Dank des Vereins aus 
für die Bewilligung von Geldmitteln zur Anschaffung 
von Schränken zur Aufbewahrung der Vereinssamm- 
hing. 
Der dritte der üblichen Trinksprüche, welcher dem 
Geschichtsverein galt, war dem Marburger Ausschuß 
vorsteher, Herrn Siebert, zugetheilt worden, der Redner 
wurde aber nach einigen einleitenden Worten, von 
einer Musikbande, welche unter den nach der Straße 
zu gehenden Fenstern des Saales Posto gefaßt hatte, 
in solcher Weise unterbrochen, daß er seine Rede nicht 
beenden konnte und der Zweck derselben im Unklaren 
blieb. Es war daher sehr dankenswerth, daß der 
Vorsitzende des Vereins, Major v. Stamford, sich 
von der diesmaligen Bestimmung, wonach über 
haupt nur drei Toaste ausgebracht werden sollten, 
emanzipirte und durch einen dem Vorredner im Namen 
des Vereins ausgesprochenen Dank den beabsichtigten 
Zweck von dessen Ansprache den Theilnehmern am Fest 
mahl zur Kenntniß brachte. 
Am andern Morgen um 9 Uhr unternahm eine 
größere Anzahl der Festgäste einen Ausflug mit der 
Eisenbahn, zunächst nach Kaldern zur Besichtigung der 
dortigen, hochinteressanten Kirche, welche jetzt in ihrem 
sehr dringend der Reparatur befindlichen Zustande 
dem evangelischen Gottesdienste dient, mit ihrem 
spütestromanischen Gewölbebau in der ersten Hälfte 
des 13. Jahrhunderts für das hier befindliche 
Cistercienserkloster erbaut worden war und in der von 
Dehn Rothfelser und Lotz heraus gegebenen Schrift 
„die Baudenkmäler im Regierungsbezirk Kassel« 
ausführlicher beschrieben ist. Pfarrer Kümmel, in 
Kaldern hatte die Güte, in der Kirche Näheres über 
die Geschichte derselben mitzutheilen. Nach einer 
etwa zweistündigen Fußwanderung durch eine an 
Naturschönheiten überaus reiche Gegend erreichte 
man die Eisenbahn wieder in Buchenau und von 
da nach kurzer Fahrt das Hauptziel des Ausflugs, 
das am Fuße des mit dem Schlosse gekrönten hohen 
kegelförmigen Berges so malerisch gelegene Städtchen 
Biedenkopf. Nach Einnahme eines für die durch ver
        

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