Full text: Hessenland (3.1889)

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Treu schirmend das Werk, das große, 
Das Er für Gott vollbracht. — 
Als ihm die Hand sie boten, 
Da schlossen den Bund zugleich: 
Die alte römische Kirche, 
Das junge germanische Reich. 
Z. Hrincan. 
Assekuranz *). 
Die guten Zeiten sind dahin, 
Wo noch beim Häuserbaucn 
Der Bauherr hegte frommen Sinn 
Und wahres Gottvertrauen. 
Denn wo ein Haus vollendet stand, 
Schrieb man ob Thor und Pforte: 
„Es steht dies Haus in Gottes Hand" 
Und sonst noch Bibelworte. 
Verschwunden ist die Sitte ganz 
Von jedes Hauses Schwelle, 
Ein Schild der Assekuranz 
Hängt an des Spruches Stelle. 
Obgleick der Herr dreihundert Jahr 
Gar manches Haus beschützet, 
Heut wird es Keinem offenbar, 
Daß solch ein Spruch noch nützet. 
Man sagt: „Das war vor Zeiten gut, 
Doch heut ist's klar und faktisch. 
Daß es der Glaub' allein nicht thut, 
Drum ist er auch nicht praktisch. 
Das Feuer ist ein Element, 
Es schützt kein bloßes Segnen, 
Und Allem, was man irdisch nennt, 
Muß irdisch man begegnen. 
Trotz Lied und Spruch ward manches Dach 
Den Flammen doch zum Raube, 
Durch Schaden kommt dann nach und nach 
In Mißkredit der Glaube. 
Fromm-gläubig war die Welt einmal; 
Doch jetzt ist sie vernünftig, 
Und was sie sonst dem Herrn empfahl — 
Versichert sie nun künftig." 
Karl I-inck 
*) An einem alten Hause an der Geseriede in Hannover 
ist über der Thür der Spruch: 
Wer Gott verträumet 
Hat wohl gebauwet — 
durch ein Schild der Assekuranz folgendermaßen unter 
brochen: 
WER GO s Versichert ITRAUWET 
HAT WO) Elberfeld. JBAUWET. 
Die fünsundzwanzigstc Jahresversammlung des 
Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. 
Die diesjährige Hauptversammlung des hessischen Ge 
schichtsvereins fand am 18., 19. und 20. Juli zu 
Marburg statt. In der am Abend des 18. in 
den Räumen der Museumsgesellschaft abgehaltenen 
Sitzung des Gesammtausschusses, an welcher sich der 
Vorsitzende des Vereins, Major v. Stamford, die 
Vorstandsmitglieder Lenz und Rogge-Ludwig aus 
Kassel, Er. Wackernagel aus Hanau, sowie von 
Seiten des MarbnrgerZweigvereins dessen Vorsitzender, 
Archivrath Er. Könnecke, und dessen Stellvertreter, 
Oberst Nebelthan betheiligten, wurden Vereins- 
angelegenheiren berathen, sodann die Tagesordnung 
für den folgenden Tag und die der Beschlußfassung 
der Versammlung zu unterbreitenden Anträge fest 
gestellt. Dieser Sitzung folgte eine in fröhlicher 
Stimmung verlaufende gesellige Vereinigung einer 
großen Anzahl Marburger und inzwischen aus Kassel 
und anderen Orten eingetroffener Vereinsmitglicder. 
Am folgenden Morgen fand die Besichtigung der 
hauptsächlichsten Sehenswürdigkeiten der Stadt,Elisabeth- 
kirche, Universitätsgebäude, lutherische Kirche rc., unter 
Führung des Bauinspektors Schwammborn statt 
und begab man sich dann nach Einnahme eines 
Frühstücks im Bücking'schen Garten in das Schloß, 
um zunächst hier die Sammlung hessischer Alter 
thümer zu besichtigen, deren Reichhaltigkeit und vor 
treffliche Anordnung, welche der unermüdlichen kunst 
verständigen Thätigkeit des Konservators Bickell zu 
verdanken ist, das Staunen Aller erregte. Beim 
Eintritt in diese Sammlungsräume, den sog. kleinen 
Rittersaal und die unteren Räume des Südbaues, 
begrüßte der Vicebürgermeister Professor Er' 
Schmidt-Rimpler in Verhinderung des Oberbürger 
meisters Schüler die Versammlung mit herzlichen 
Worten im Namen der Stadt und schloß seine 
Anrede mit den Worten: »Möge sich Ihr 
historischer Sinn an den Erinnerungszeichen ferner 
Vergangenheit erfreuen, möge durch Ihre Arbeiten und 
durch den Austausch der Gedanken neue Förderung 
der Geschichtskunde erwachsen, möge daneben aber 
auch in unserer alten und doch so jugendfrohen 
Stadt heilere Geselligkeit Ihr Herz erquicken." 
Zur festgesetzten Stunde, um 12 Uhr, wurde dann 
in dem großen Rittersaale des Schlosses die Jahres 
versammlung, zu welcher sich etwa 70 Herren und 
Damen eingefnnden hatten, durch den Vorsitzenden 
des Gesammtvereins, Major a. D. v. Stamford, 
mit einer Anrede eröffnet, mit welcher er die Anwesenden 
begrüßte und dann der Fortschritte gedachte, welche 
der Verein seit seiner ersten und zweiten Versammlung 
in dieser Stadt in den Jahren 1863 und 1875 in 
seiner Entwickelung gemacht habe, dabei besonders die 
seitdem durch das kunstverständliche Walten des 
Konservators Bickell geschaffene Sammlung mittel
	        

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