Full text: Hessenland (3.1889)

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verschiedene Stücke spielt und die klangvollen 
Töne hervorbringt, die während des Springens 
der Kaskaden gehört und den unterhalb der ge 
dachten Grotte angebrachten 2 Stein-Figuren, 
einem Zentauren und einem Tritonen oder Faun, 
welche beide auf Muscheln zu blasen scheinen, 
zugeschrieben werden. 
Die Herstellung aller dieser Arbeiten verschlang 
die Summe von etwa 30000 Thalern. Friedrich II. 
war es nicht vergönnt, die von ihm im Sinne 
seines Vorgängers Karl geplanten Bestrebungen 
vollständig auszuführen. Sein Sohn und Nach 
folger Wilhelm IX., als Kurfürst Wilhelm I. 
genannt (1785—1821), trat jedoch in dieser Hin 
sicht in seine Fnßtapfen ein und, sonst so spar 
sam und manche vom Vater getroffene Einrichtung 
als zu kostspielig aufgebend, wandte er dessen 
Bauplänen, namentlich bezüglich des Schlosses 
Weißenstein, eine erhöhte Aufmerksamkeit zu. 
Ja er verfuhr sogar in durchgreifender Weise, 
da wahrscheinlich die bisher vorgenommenen Aus 
besserungen sich nicht als ausreichend gezeigt 
hatten, ließ das Schloß Weißenstein abbrechen 
und ein von Grund aus neues Schloß aufführen 
(1787), nach ihm Wilhelmshöhe genannt 
(1798)'). Dasselbe besteht gleich dem früheren 
aus einem Hauptgebäude und zwei damit durch 
Bogengänge verbundenen Seitengebäuden, letztere 
von dem durch verschiedene Bauten in der Stadt 
berühmt gewordenen Ober-Baudirektor Du Rh, 
und ersteres von seinem nicht minder bedeutenden 
Nachfolger I u s s o w insgesammt in altrömischer 
Bauart aufgeführt, dreistöckig mit platten 
italienischen Dächern, die Seiten schmal und 
halbzirkelförmig gerundet und mit je 6 jonischen 
Säulen. Zu beiden Seiten einer jeden Rundung 
sind Nischen, in welche am nördlichen Flügel 
(nach dem Gasthofe hin) 4 die 4 Tageszeiten 
darstellende Statuen: Aurora, Apollo, Luna, 
Hesperus, hingestellt wurden. Die Nischen am 
südlichen Flügel wurden ursprünglich leer gelassen, 
sollten aber gleichfalls noch mit Statuen geziert 
werden. Später wurden aus jeden Flügel über 
haupt nur 2 aufgestellt, auf den nördlichen 
Aurora und Apollo, auf den südlichen Luna 
und Hesperus. 
Zu beiden Seiten der steinernen Haupttreppen 
') Anzeige des Gouvernements v. 21. Aug. 1798 bekannt 
geinacht in der Polizei- u. Commercien-Zeitung vom 3. Sept. 
1798. S. Sainmlung Fürst!. Hess. Landesordnungen Theil 
VII S. 785. Anmerk. — vgl. Kassel und die umliegende 
Gegend. Eine Skizze für Reisende. Kassel 1792 S. 99 fg. 
2. Ausl. 1796 S. 99 fg. 
Kurze Beschreibung von, Weihenstein bei Kassel. 1797 
S. 1. fg. 
W. Döring: Beschreibung des Kurfürst!. Landsitzes Wil 
helmshöhe bei Kassel — Kassel 1804. S. 5. fg. 
nach dem Walde, bezw. nach dem' Riesenschlosse 
hin, liegen kolossale Löwen. 
Das Hauptgebäude hat sowohl in der nach 
dem Walde hin gelegenen Seite, als auch in der 
Vorder-Seite nach Kassel zu 6 große freistehende 
Säulen jonischer Ordnung, welche einen Portikus 
tragen, in der Vorderseite mit der Inschrift: 
Wilhelmshöhe, auf der Rückseite : Wilhelmus IX. 
condidit. (s. jedoch Forts.) 
Haupt- und Nebengebäude sind beide, zum 
Unterschiede vom vormaligen Schlosse Weißensteiu, 
zum Wohnen eingerichtet und enthalten eine 
Menge hübsch eingerichteter und zum Theil pracht 
voll ausgestatteter Zimmer und Säle. Das Haupt 
gebäude hat in der Mitte der Bedachung eine 
runde 48 Fuß hohe mit Kupfer gedeckte Kuppel, 
die in der Höhe den gestirnten Himmel, an der 
Seite die Bildnisse sämmtlicher Regenten vom 
Stammvater Heinrich dem Kinde an, (inzwischen 
bis zum letzten Kurfürsten Friedrich Wilhelm 
fortgeführt) und über denselben das hessische 
Wappen mit den sich durch die fortlaufenden 
Gebiets-Erwerbungen ergebenden Entwicklungen 
desselben enthält. 
Von den Seitenflügeln ist in dem südlichen die 
reichhaltige Schloß-Bibliothek, in dem 
nördlichen die Schloß-Kapelle. Gottesdienst 
wurde in dieser gehalten anfänglich vom Pfarrer 
zu Kirchditmold'), später von dem der Altstädter 
Gemeinde zu Kassel und in neuester Zeit von dem 
der dortigen Hofgemeinde. Auf der an den nörd 
lichen Flügel angrenzenden und durch Kastanien 
bäume beschatteten Esplanade wurde für 
größere Hoffeste das Ballhaus erbaut. 
Wilhelm IX. hat in seinem Schlosse Wilhelms 
höhe sich ein bleibendes, herrliches Denkmal ge 
schaffen, das umgeben von reichen Natur-Schön 
heiten, auch durch seinen soliden Bau und seine 
kunstreiche Gestaltung die Bewunderung des Be 
schauers erweckt, er hatte aber auch das große 
Glück, zur Vollführung seines Werks eine Reihe 
von Männern zur Seite zu haben, welche in der 
Kunstgeschichte einen guten Klang sich errungen 
haben. Abgesehen von den bereits genannten 
Baumeistern, von denen die Pläne ausgegangen, 
sind hier zu nennen: Die Bildhauer Naht und 
Ruhl als Verfertiger der Statuen, der Löwen 
und anderer Figuren, sowie die Maler-Familie 
Tischbein, insbesondere der ältere Tischbein 
(gestorben als Direktor der Kunst-Akademie zu 
Kassel am 22. August 1789), dessen Gemälde haupt 
sächlich die griechische und römische Sage und 
Geschichte zum Gegenstände hatten. (Forts, folgt.) 
9 Ledderhose, Beyträge (Kassel 1781) S. 52: zuerst am 
9. Okt. 1768. 
i-äH'
        

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