Full text: Hessenland (3.1889)

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onraö von Kemelberg, öer kleine Keß, 
der Wanösknechlsoberst. 
Eine historische Skizze von E. St end eil- 
(Fortsetzung.) 
II. 
Es wollte kein Friedmsjahr der geängstigten 
Christenheit tagen. Gewaltiges Gähren im 
Schooße der einzelnen Länder; Feindschaft um 
dynastischer Interessen willen zwischen den beiden 
mächtigsten weltlichen Herrschern des Abend 
landes; der Papst dem einen der beiden ver 
bündet; Italien wiederum die Wahlstatt für das 
Ringen der Herrscher. Da zogen die Deutschen im 
November des Jahres 1526 von Bozen und Trient 
her auf wilden, in Eis und Schnee starrenden Alpen- 
strafien durch die mit so viel Blut getränkten 
Klausen in das gepriesene Land Jtalia, um das 
von dem Heere der Liga unter dem Herzog 
VonUrbino in Mailand belagerte kaiserliche 
Heer zu entsetzen; nicht wie in den früheren Jahr 
hunderten glänzende Ritter in schweren Panzern 
und Helmen mit wallendeni Federbusch, nein 
— derbe Bauernsöhne aus allen Theilen des 
weiten heiligen römischen Reiches, die dem Pstuge 
entlaufen waren, um reiche Beute zu machen 
oder aus fremder Erde einen rühmlichen Soldaten 
tod zu finden — vergessen, verschollen, beweint von 
Niemand. Der Ruhm des deutschen Ritterthunis 
lag bei Morgarten und Sempach gefällt unter 
den Spießen der schweizer Bauern; nicht des 
Einzelnen Tapferkeit galt mehr, die Schlachten 
wurden durch die Wirkung der Masse entschieden. 
Diese Masse, die Gemeinde der Landsknechte, in 
Ordnung zu halten, in dem Kampf an geeigneter 
Stelle zu verwenden, vor allem aber bei guter 
Laune zu erhalten, war der Führer Hauptauf 
gabe. Sonst hatte die Gemeinde ihre unantast 
baren Gesetze, die kein Offizier verletzen durfte; 
der Offizier war nur der Beamte, der diese 
Gesetze zur Ausführung brachte. Alles kam 
naturgemäß auf den Obersten an, dem sich die 
Landsknechte auf einen Artikelbrief hin ver 
pflichtet hatten; er mußte nicht nur ein ge 
schickter und besonnener Führer und ein tapferer 
Kriegsmann sein, wichtiger war es für ihn, 
durch unerschütterliche Ruhe und durch die Gabe 
der Rede und der Ueberredung den schwierigen 
Geist der Landsknechte zu lenken, nicht minder, 
stets bei Kasse zu sein. Alles das traf bei 
Georg von Frundsberg und seinem Loco- 
tenenten Konrad von Bemelberg zu, der 
sich im Juni 1526 dem Kaiser auf 3 Jahre 
verpflichtet hatte. Mit 38 Fähnlein Lands 
knechte erschienen sie im November 1526 in 
Oberitalien; in blutigen Gefechten wiesen sie den 
Ligisten die Eisenrechen ihrer Vierecke und er 
zwangen den Uebergang über den Po. Der 
Herzog vonUrbino ließ nunmehr von dem 
in Atailand eingeschlossenen Connetable von 
Bourbon ab, der sich endlich am 7. Februar 1527 
bei Fiorenzuola mit dem deutschen Heere ver 
einigte. Schon das lange Warten auf den 
Herzog von Bourbon, der dann den 
Oberbefehl über das kaiserliche Heer übernahm, 
hatte die Landsknechte verdrossen ; als man end 
lich Ende Februar in das päpstliche Gebiet ein 
rückte, traf die Nachricht ein, der Bicekönig von 
Neapel, Lannoy, habe mit dem Papst einen Ver 
trag abgeschlossen, kraft dessen das kaiserliche 
Heer den Kirchenstaat räumen sollte; jetzt brach 
der Unwille der spanischen und deutschen Söldner 
in offene Meuterei aus; Bourbon's Quartier 
wurde geplündert, er selbst rettete nur das nackte 
Leben. Frundsberg berief, im Vertrauen auf 
seine Macht über die rohen Gemüther, die Ge 
meinde der Landsknechte; aber wüthendes Ge 
schrei unterbrach seine Rede ; ja die Wildesten 
richteten die Speere auf seine Brust. Das war 
zuviel für den alten Helden; vom Schlage ge 
troffen , brach er zusammen; mühsam raffte er 
sich noch einmal auf, verließ aber das Heer und 
kehrte siech zur Heimath, wo er schon im August 
1528 verschied. Bemelberg hatte unter diesen 
schwierigen Verhältnissen die Führung der Lands 
knechte übernommen, ohne dabei durch das An 
sehen und die Würde Frundsbergs unterstützt zu 
sein; denn er blieb Hauptmann und Locotenent 
und handelte nur im Aufträge des Obersten.
        

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