Full text: Hessenland (3.1889)

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Wand graf zu Kessen, Wurfürst und Erzbischof 
von Köln. 
Von Hugo Vrunner. 
(Fortsetzung. 
Landgraf Heinrich, dem zu Hause in der 
Zeit seiner Abwesenheit ein Sohn geboren war, 
ging nach Marburg zurück zu den Tauffcier- 
lichkeiten. Ein Theil des Belagerungsheeres 
von Linz, vermuthlich die aufgebotenen Reichs 
fürsten , folgten ihm, während die hessischen 
Söldner zur Verfügung der Stadt Köln blieben.') 
Denn die Kölner rüsteten mit aller Macht. 
Sie setzten die Stadt in Vertheidigungszustand, 
wandten sich um Hilfe an die Kurfürsten 
von Mainz und Trier und ließen durch be 
nachbarte Söldnerhauptleute ausgedehnte Wer 
bungen veranstalten. Den Kardinallegaten 
Marcus gingen sie noch einmal niit der Bitte 
um Vermittelung zwischen ihnen und dem Erz 
bischof an, allein vergeblich. 2 ) ~ 
Drohend, wie mit gezücktem Schwerte, stand 
Herzog Karl von Burgund bei Mastricht in 
mitten eines zahlreichen und gewaltigen Heeres, 
und es war ungewiß, wen er zuerst treffen 
würde. Aber in der größten Noth schwebte 
doch die Stadt Neuß, der der erste Stoß des 
Feindes gelten mußte. Um die Mitte des 
Monats Juli hatte der Herzog ihr heimlich 
einen außerordentlichen Gesandten in der Per 
son des Ritters Robert von Arburch zugeschickt 
und ihr Schutz und Schirm, ja Befreiung von 
der erzbischöflichen Herrschaft in Aussicht ge 
stellt, wenn die Bürger sich gutwillig unterwür 
fen. Doch der Rath antwortete ausweichend: 
gern würden sie sich der Treue des Herzogs an 
vertrauen, wenn sie nicht schon ihren Streit mit 
dem Erzbischof in die Entscheidung des heiligen 
Stuhles und des Kaisers gestellt hätten. Eben 
so war der Versuch Roberts, die Rathsherren 
heimlich und einzeln zu bearbeiten, klüglich ge- 
') Zeitschr. für Hess. Gesch. VI, 15 Anm.— vgl ll, 
177. Nach der an den Abt von Hersseld ergangenen 
Einladung zur Taufe sStand. Landesblbl. Mss. Hass. 
fol. 109) wollte der Landgraf schon den 24. Juli wieder 
in M. sein; er ritt aber erst am 1. August wieder von 
Köln ab iNeujahrsblatt f. Franks. Gesch. 1877, S. 71). 
^Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von 
Köln, hgg. von Konst. Höhlbaum, H. Vlll, S. 3 u. 4. 
S. Nr. 11). 
scheitert, denn „man fürchtete den Schuß ans 
der französischen Kanone, welche mit goldenen 
Kugeln schießt." *) 
Nunmehr aber durften sich die Ncußer nicht 
mehr über das täuschen, was ihnen bevorstand. Sie 
entsandten etliche ihrer Rathsherren nach Köln an 
das Domkapitel und an den Rath der Stadt, um sich 
über deren Beistand Gewißheit zu verschaffen; 
denn die Sorge um den Kölner Handel ließ 
besonders den letzteren nur schwer zu einem 
Entschluß kommen?) 
Endlich aber willigten sie ein. Landgraf Her 
mann ging in eigener Person mit einer beträcht 
lichen Anzahl adeliger Vasallen des Kapitels und 
einer zahlrenhen Schaar von Söldnern, die zum 
größten Theile aus den von L. Heinrich zürück- 
gelassenen Hessen bestand, nach Neuß ab, um 
die Vertheidigung der Stadt selbst zu leite». 
Die Zahl der Streiter, welche er anfangs mit 
sich nahm, können wir aus etwa 1800 beziffern. 
Darunter waren 600 hessische Reisige und etwa 
1000 zu Fuß. Später wuchs die Zahl der 
fremden Söldner in Neuß bis auf 3000 an. a ) 
Die Zahl der wehrhaften Bürger wird nicht 
angegeben, war aber gewiß nicht unbeträchtlich. 
Das Hauptkvntingent zu dem hessischen Fußvolk 
stellten die Städte Kassel, Witzenhansen, Wvlf- 
hagen, Allendorf, Schmalkalden, Marburg, Wetter, 
') Magnum Clironicon Bel gi cum (Scrip- 
tores Rerum Germ. ex. bild. J. Pistorii, 111,411). 
*' Ebenda; vergl. auch Höhlbaums Mittheilungen 
a. a. O. S. 3. 
3 ) Die hessischen Chronisten geben über Anstimmend 
1500 Mann als das hessische Kontingent an, Lauie be 
sonders 1000 z. F. und 500 z. R. — Der Basler Chronist 
Joh. Knebel sBasler Chroniken II. 163) nennt nach einem 
Kölner Briefe 600 reisige Hessen gegenüber 1500 Fußsol 
daten aus verschiedenen Nationen, und als Gesamtsumme 
2500. Das Nagn. Chrom Belg, und der franz. Ge 
schichtsschreiber Co mines (Memoires, 1. IV. c. 1.) geben 
die Stärke der Besatzung auf 1800 Mann an. Letzterer 
sagt von den Hessen, sie waren „tres gens de bien, et 
aussi ils le monstrerent.“ Bgl. übr. noch die Zlschr. s. 
Hess. Gesch. VI, 15. — L öhre r, Gesch. der Stadt Neuß, 
S. 145, und A n n a l e n des Vereins s. d. Gesch. des 
Niederrheins, Jahrg. 1887.
        

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