Full text: Hessenland (3.1889)

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Aus Hcimach und Fremde. 
Kassel. Mil dem 1. Juli d. I. nahm eine, 
hier seit vielen Jahren zumeist aus früheren kur- 
hessischen Offizieren unter Leitung des Oberstlieutenants 
a. D. Julius von Barde leben bestandene Lese 
gesellschaft ihr Ende, deren Zweck vorzugsweise dahin 
ging, die Mitglieder mit den neuesten Erscheinungen 
auf dem Gebiete der hessischen Literatur bekannt zu 
machen. Der Grund der.Auflösung liegt darin, daß der 
seitherige hochverehrte Leiter dieses „Lesekranzes* 
wegen vorgerückten Alters sein Amt niederzulegen 
sich veranlaßt sah, und keines der Mitglieder glaubte, 
ihn in genügender Weise ersetzen zu können. In 
einer an ihn gerichteten Adresse gaben diese ihrer 
Anerkennung und ihren Dank für seine langjährige 
mühevolle und umsichtige Leitung Ausdruck. 
N.-L. 
Fulda. Der Doni zu Fulda zählt zu jenen 
Kirchen, welche von Papst Leo XIII., anläßlich 
seines goldncn Priester-Jubiläums, durch ein besonderes 
Andenken ausgezeichnet worden sind. Das Ehren 
geschenk besteht in einem kolossalen Bronzestandbild, 
welches eine getreue Nachbildung der berühmten 
Petrusstatue von Rom ist. Diese, bekanntlich eine 
der seltenen Schöpfungen der altchristlichen Plastik, 
soll einer griechischen Inschrift an der Basis nach, 
als Weihegeschenk eines byzantinischen Großen an 
den Vater der Christenheit im 5. Jahrhundert nach 
Rom gekommen sein. Nach Kennerurtheil stellt sich 
das den römischen Togafiguren nachgebildete Erzbild 
den besseren Werken der Kaiserzeit würdig zur Seite. 
Das kolossale Bildwerk erhebt sich auf einem fast 
mannshohen Piedestal von sicilianischem Jaspis und 
stellt den Apostelfürsten auf einem weißen Marmor 
sessel thronend dar, wie er die Rechte segnend erhebt, 
während die Linke die Schlüssel vor sich hält. Fnlda's 
Kathedrale hat mit diesem erhabenen Kunstwerk, das 
seit Mitte April im Mittelschiff vor dem ersten Pfeiler- 
links aufgestellt ist, eine würdige Zierde erhalten. 
Auch ist nunmehr die künstlerische Ausgestaltung der 
Gruft des hl. Bonifatius in Aussicht genommen, 
deren Plan der hochw. Bischof Joseph bei seiner- 
jüngst stattgehabten Romreise dem hl. Vater unter 
breitete. K. Hr. 
Hanau den 5. Juli. Gestern sollte die ent 
scheidende Sitzung des großen Comites für das 
Denkmal der Brüder Grimm stattfinden. Die 
technische Kommission hatte vorgeschlagen, den mit dem 
ersten Preise gekrönten Entwurf des hiesigen Akademie- 
Direktors Wiese abzulehnen und das Modell des 
Prof. Eberle in München ausführen zu lassen. 
Das große Comite hat jedoch in namentlicher Ab 
stimmung init 22 gegen 21 Stimmen beschlossen, 
daß Herr Wiese aufgefordert wurde, innerhalb vier 
Monaten ein ganz neues Grimm-Denkmal-Modell 
unentgeltlich anzufertigen, und daß dann erst darüber 
zu entscheiden sei, ob nach dem Antrage des technischen 
Ausschusses Eberle oder Wiese mit der Herstellung 
des Monuments betraut werden solle. Daß der vom 
Preisgericht prämiirte Wiese'sche Entwurf nicht zur 
Ausführung zu bringen sei, war vorher mit großer 
Majorität festgestellt worden. 
Universitäts-Nachrichten. Marburg. Die 
hiesige juristische Fakultät hat den Staatsminister 
von Bötticher und den Direktor im Reichamt des 
Inneren, Bosse, Ehrenhalber zu Doktoren beider 
Rechte, die theologische Fakultät den Pfarrer Thikötter 
Pastor an der Luisenkirche in Bremen, h. c. zum Doktor 
der Theologie ernannt. — Dem ordentlichen Professor 
in der juristischen Fakultät hiesiger Universität, Dr. 
Brockhaus, ist zum Zwecke der Uebernahme einer 
Professur an der Universität Jena die erbetene Ent 
lassung aus seinem hiesigen Lehramte zum 1. Juli 
d. Js. ertheilt worden. — Der bisherige außerordentliche 
Professor in der theologischen Fakultät hiesiger Uni 
versität, Licent. theol. et Dr. philos. Ad. Jülich er, 
ist zum ordentlichen Professor ernannt und demselben 
der nach dem Ableben des Konsistorial-Raths Pro 
fessor Dr. Ranke erledigte ordentliche Lehrstuhl 
verliehen worden. — Die Universität Gießen ist 
in diesem Sommersemester von 616 Stu- 
direnden besucht, zu denen noch 38 nicht imma- 
trikulirte Zuhörer kommen, so daß die Gesammtziffer 
sich auf 654 beläuft. Von den 616 Studirenden 
widmen sich 104 der Theologie, 88 der Rechtswissen 
schaft, 157 der Medicin und 267 der Philosophie. 
Ihrer Staatsangehörigkeit nach sind 4 39 aus dem 
Großherzoglhum Hessen, 102 Preußen, 10 Bayern, 
4 Sachsen, 3 Badenser, 5 Braunschweiger, je 2 aus 
Sachsen-Weimar, Oesterreich-Ungarn und Nord 
amerika, je 1 aus Oldenburg, Elsaß-Lothringen, 
Schwarzburg, Großbritannien, Australien. 
Todesfälle. Am 5. Juni starb zu Fulda 
im Alter von 42 Jahren der Seminarlehrer Wil 
helm Füller, ein anerkannt tüchtiger Lehrer; 
am 14. Juni verschied daselbst nach langem Leiden 
im 71. Lebensjahre der Telegraphen-Jnspektor a. D. 
Eduard Wilhelm F i n ck, ein sehr begabter,
        

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