Full text: Hessenland (3.1889)

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_ „Bringen Sie die bestellte Ente, Kompot, 
Salat, Butter und Käse! Auch zwei Pilsener; 
die aber gleich!" 
„Ja wohl Herr Amtsrichter!" Der Kellner 
stürzte fort. 
..Merkst du etwas, Herr Richard Löpel? Er 
wird sich zerreißen vor Geschäftigkeit. Ha, ha, 
ha! Für Geld läßt man den Teufel tanzen!" 
Wohlgefällig drehte Max Binder den üppigen, 
dunklen Schnurrbart, und zeigte beim Lachen 
eiseufeste, aber kolossal große Zähne; es war 
überhaupt alles massig an ihm; die etwas gebogene 
Nase saß ihm groß und herausfordernd im Ge 
sicht, ebenso dunkle, fast schwarze Augen; sein 
dunkles Haar entbehrte jedoch aller Massenhaftig- 
keit; er trug es in der Mitte der Stirn ge 
scheitelt, und erweiterte diese, durch zwei spärliche 
Abtheilungen des Haares nach den Seiten des 
Kopfes zu, in ungewöhnlicher Weise. — 
Die Ente kam, sowie alle dazu bestellten Ge 
nüsse. Alles war schmackhaft zubereitet. Die 
Freunde saßen gemüthlich, und je eine Seite 
des Ecksophas in Beschlag nehmend, abgeschieden 
von der übrigen Welt, dennoch wollte Richard 
Löpels Lachen dem Freunde heute arg erzwungen 
scheinen; daher ließ er nach beendetem Mahle 
rasch den Tisch abräumen, und die Gläser frisch 
füllen: „Lassen sie die Portiere herunter!" befahl 
er dem Kellner. 
Der Vorhang sank; die Cigarren dampften, 
und der Amtsrichter lehnte sich behaglich zurück. 
„So", sagte er, und schlug dem Freunde leicht 
auf die Schulter; jetzt krame aus, was dich be 
drückt!" 
„Wozu?" erwiderte der also Aufgeforderte, 
strich mit der Hand durch die hochbuschigen, 
krausen Haare, und guckte in die Gaslampe. 
„Na, dann will ich einhelfen!" Lachend klopfte 
der Amtsrichter die Asche von seiner Cigarre 
und sagte: 
„Deine Frau schmollt! Ha, ha, ha!" 
Löpel fuhr in die Höhe unb sah den Spot 
tenden ganz verdutzt an: 
„Ja, ja! Wir Junggesellen sind die Pfiffi 
kusse, und ihr Ehemänner die Schwachmatici!" 
(Fortsetzung solgt.) 
Frühjahrs Aulrnnft. 
(Wetterauer Mundart.) 
Dr ahld Weanter, der hott Schreiwes') kritt 9 ), 
Hen moacht's Ahm aach se graus. 
Do hiß: „etzt oawwer mißlichst') schwinn ') 
„Dm Hob 9 ) eann Doarf cnnaus! 
„Hüi's Wannerbuch, mein lüiwer Schatz, 
„Etzt süchtig, glecklich Reis! 
„Etzt mach' emohl ohn emm anneru Platz 
„Die oarme Leu°) woas weiß!" 
Ds Froijohr kohm, die Sprihn derrihrscht.') 
Däi peife off'm Dach. 
„Woas Raues?" „Harrers schuhnd gehihrt? 9 ) 
„Dr Weanter hott de Krach! 
„Hen kann met woarine Sonnestroahn 
„Sich nüit verbombedirn;'") 
„Die Meller, däi worin ") wirrer moahn, ") 
„Do muß e rederirn!" 
Die Schwoarzbach schüißt durch groinc Grond, 
Die Bölle'°) eanu die Leanne") 
Sein leawig'Z woarrn'"), Gainsblomme sein 
Ohm Uwwer her se scanne. 17 ) 
Jungk Heckelaab, wäi Botter zoart, 
Eaß aus dm Holz gesprunge; 
Di: Gaas 18 ) kimmt met ihrm Knewilbvart 
Eann foirertseatt ihr Junge. 
■i-aeä- 
! Wer uhnbaß'"') woar setzt vcrr dr Diehr") 
j Ea n ehremt ") Licht eann Leawe, 
Goar Väile, däi de Houste huhu, 
Sein Weanterschzeit denneawe. '**) 
Eann wärt's dann woarm, eann scheint die Sonn, 
Kimmt's Froijohr her — verstirrer? 9 ') —, 
Do glawe'") se, etzt wehrsch") gewann, 
Do aggedihrn 97 ) se wirrer. 
Die Lehrche steit, die Woachtinn 78 ) schläht * 9 ) 
Eann Prißlaab 3U ) wihst eann Schlotte 9 ') 
Eann ohn dr Kerre 3a ) reißt die Kouh, 
Will bei die Heerd, die Lotte. 
Die Gruuße sein wäi klahne Keann, 3;t ) 
Begroawe all ihr Soarje. 
Mir leir e jerer Doagk eamm Scann 
Als wäi e Sonndoagksmoarje. 
Ds Ackcrmennche, 3 ') schwoarz eann gro, 
Rieft „spitz' die Schar", dv schorje 9 ") 
Ohm Pluck die Koih schuhnd MvarjetS frvi M ) 
Eann reiße däife Forje. 3 ) 
Beim Parrhaus bloikt e Kaiserkruhn, 
Die Miss wärt gühl 38 ) met Blomme, 
Die Keann, däi suche Hondsveijuhn"). 
„Azzi!" — „Wühl se bekomme!" 
Gebroirrercher eann Schweastercher 
Wärrn etzt getrahn eann's Freie;
        

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