Full text: Hessenland (3.1889)

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er häufig in seinen Angelegenheiten in Anspruch 
nahm. Dort lernte bekanntlich der Kurprinz 
seine nachmalige Gemahlin, die Fürstin Gertrude 
von Hanau, auf einem Balle, den der in Bonn 
anwesende General Croussel gab, kennen. Die 
Schwierigkeiten, die sich der Verehelichung ent 
gegenstellten, sind zu bekannt, als daß wir hier 
näher darauf einzugehen brauchten. Nur das 
wollen wir erwähnen, daß Professor Mackel- 
dey es war, der dem Kurprinzen bei dem Mangel 
der elterlichen Einwilligung zu seiner Ver- 
heirathung über diese Schwierigkeit hinweghalf. 
Jener hatte nämlich herausgefunden, daß in 
Westfalen ein protestantischer Ort existire, der 
einst unter der Landeshoheit der Aebtissin von 
Essen gestanden, und weil diese keine oberkirchliche 
Befugnisse über denselben hatte, so wurden sie 
vorkommenden Falls von den Ortspfarrer selbst 
ausgeübt, an welcher Berechtigung auch die 
spätere Zeit nichts geändert hatte. Mit dem In 
haber einer geistlichen Gewalt, die von dem 
Nachweis elterlicher Einwilligung und auch vom 
öffentlichen Aufgebot dispensiren konnte, wurde 
sich also verständigt, und von ihm ist unter 
Assistenz der mitgebrachten Zeugen die Trauung 
in der dortigen Pfarrkirche vollzogen worden. 
Eine Art von Erstna-Ereeii hatte aus der Ver 
legenheit geholfen. Nachträglich ist denn auch 
die Einwilligung des Kurfürsten hinzugekommen. 
So zu lesen in des Professors Friedrich Müllers 
Werke „Kassel seit siebzig Jahren". Auch später 
»och soll der Kurprinz, als er schon Mitregent 
geworden war, öfter in Staatsangelegenheiten 
den Rath Mackeldey's eingeholt haben, wie denn 
auch die in Kurhessen verbliebene Familie des 
jüngeren Bruders des Professors, des nach 
maligen Vorstandes des Justizministeriums in 
Kassel, Friedrich Mackeldey, gestorben im Jahre 
1865 als Obergerichtspräsident in Fulda, sich 
stets des besonderen Wohlwollens des Kurprinzen 
und Kurfürsten Friedrich Wilhelm zu erfreuen 
hatte. — 
Ein Biograph Mackeldey's schildert dessen treff 
lichen Charaktereigenschaften in dem „Neuen Nekro 
loge der Deutschen", Jahrgang 1834, wie folgt: 
„Als Mensch gehörte Mackeldey in jeder Beziehung 
zu den erfreulichsten und wohlthuendsten Er 
scheinungen. Ein hingebendes Wohlwollen für 
Jedermann, Innigkeit des Gemüths und ein sehr 
reger Sinn für alles Gute und Schöne, ver 
bunden mit einer unbeschreiblichen Liebenswürdig 
keit seines ganzen Wesens, Uneigennützigkeit, 
strenge Rechtlichkeit, Geradheit und Biederkeit, 
sowie ein tiefer Abscheu gegen alles Schlechte in 
jeglicher Gestalt, zeichneten ihn sein ganzes Leben 
hindurch rühmlich aus." — „Der Lehrberuf", 
heißt es ferner daselbst, „war ihm über Alles 
theuer; ihm opferte er willig Muße und Gesund 
heit, denn nur dem unbegrenzten Eifer für seine 
Amtspflicht konnte es zugeschrieben werden, wenn 
er sich zu einer Zeit, als sein schweres Hämvrhvi- 
dalleiden, verbunden mit heftigen Gichtan 
fällen, den Körper bereits in seinen Grundfesten 
erschüttert und eine außerordentliche Höhe erreicht 
hatte, noch täglich nach dem Hörsaale tragen 
ließ, um durch einen mehrere Stunden lang mit 
gewohnter Heiterkeit und Ruhe fortgesetzten Vor 
trag eine wahrhaft herkulische Probe von seltener 
Herrschaft des Geistes über den Körper abzulegen. 
— Auch seine häuslichen Tugenden verdienen 
noch rühmliche Erwähnung. Er lebte in einer 
sehr glücklichen Familienverbindung, wie sein 
Herz deren würdig und bedürftig war". — 
Zu Ende des Jahres 1833 hatten seine körper 
lichen Leiden einen bedenklichen Grad erreicht; 
das Uebel machte weitere Fortschritte, so daß er 
sich im Juni des folgenden Jahres einer Operation 
unterziehen mußte, die zwar dein Kranken für- 
einige Zeit Erleichterung brachte, Genesung aber 
nicht bewirken konnte; sein Leiden schritt unauf 
hörlich fort, die Kräfte sanken allmählich bis zur 
tödtlichen Erschöpfung herab. Bis einige Stunden 
vor dem Tode behielt der Kranke den vollen 
Gebrauch seines Verstandes, mit vieler Seelen 
ruhe traf er, über den tödtlichen Ausgang nicht 
mehr im Zweifel, die erforderlichen häuslichen 
Anordnungen, und verschied am 20. Oktober 1884 
im Alter von fünfzig Jahren, tief betrauert von 
seiner Gattin und seinen sechs noch unversorgten 
Kindern, die in ihm den zärtlichsten Gatten, den 
liebevollsten Vater verloren. Reichthümer hatte 
er bei seiner idealen Lebcnsrichtung nicht er 
worben, die Staatsregierung, welche den hohen 
Werth des Verblichenen wohl zu würdigen 
wußte, sorgte in freigebiger Weise für die An 
gehörigen des Verblichenen. Aber nicht diese allein 
beklagten sein frühes Hinscheiden, die Theilnahme 
war eine allgemeine, selbst die früheren erbitterten 
Gegner versagten ihm nicht die Anerkennung 
seines trefflichen Charakters, seines redlichen 
Strebens, seines erfolgreichen Wirkens als einer 
der ersten und ruhmreichsten akademischen Lehrer 
in unserem deutschen Vaterlande. — 
Mackeldey's schriftstellerische Thätigkeit war 
eine sehr umfangreiche. Es würde zu weit führen, 
wollten wir hier seine Schriften einzeln erwähnen, 
sie finden sich angegeben in Strieder's „Grundlage 
einer hessischen Gelehrten-, Schriftsteller- und 
Künstlergeschichte", Bd .19, herausgegeben von K. 
W. Justi, Marburg 1831, ferner in dem „Neuen 
Nekrolog der Deutschen", 12. Jahrgang 1834, 
und in dem vortrefflichen Artikel des Professors 
Stintzing über Mackeldey in der von der Akademie 
der Wissenschaften in München herausgegebenen
        

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