Volltext: Hessenland (3.1889)

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tausendjährigen Geschichte mußten dazu mit 
wirken. Erst wenn man das Bewußtsein dieser 
Thatsache in sich aufgenommen hat, trinkt man 
diesen Wein mit vollem Verständniß." — 
Es ist allerdings nur ein kleiner Fleck Erde, auf 
welchem der Schloß Johannisberger, dieser feinste, 
bouguetreichste, stärkste unserer deutschen Weine, ge 
deiht. Nur ca. 24 km (98 Morg.) betrügt gegenwärtig 
das Weingartenareal, und 40 Stück Wein sind es, 
die im Durchschnitt Schloß Johannisberg jährlich 
liefert. Außer dem Schloß-Johannisberger gibt es 
auch noch Dorf-Johannisberger und Johannis 
berger-Klause, Weine, die zwar mit dem Schloß- 
Johannisberger sich nicht messen können, unter denen 
sich aber auch einzelne edle Sorten befinden. Man 
unterscheidet sonach Schloß-, Klause- und Dorf- 
Johannisberger. 
In Fuldaischen Zeiten flössen die Ertrüge des 
Johannisbergs in die fürstliche Kabinetskasse. 
Das Einkommen der Johannisberger Weinrech 
nung war eines der wenigen Fuldaischen Kabi- 
netsgeheimnisse. Der Hofkellermcister Burkard 
Schild, der ob seiner Verdienste um den Wein 
bau auf Schloß Saaleck und Schloß Johannnis- 
berg zum Hofkammerrath befördert wurde, legte 
nur dem Fürstbischof Rechnung ab, die sodann 
im Kabinette geprüft und abgeschlossen wurde. 
Sicher aber ist, daß die Erträgnisse des Johan 
nisbergs auch in finanzieller Beziehung sehr er 
giebig waren. 
Im Jahre 1802 wurde das altehrwürdige 
Hochstift Fulda nach mehr als tausendjährigem 
ruhmreichen Bestehen in Folge des Luneviller 
Friedens durch die Reichsdeputativn säkularisirt 
und das Fürstenthum dem fürstlichen Hanse 
Oranien-Nassau als Entschädign ng für den Ver 
lust der erblichen Statthaltere i in den Nieder 
landen übergeben. Der Erbprinz Wilhelm 
Friedrich von Oranien, welcher am 6. December 
1802 in seine neue Hauptstadt eingezogen war 
und dort die Regierung angetreten hatte, war 
dadurch auch Besitzer des Johannisbergs im 
Rheingau geworden. Er wußte den Werth 
desselben wohl zu schätzön und schickte eiligst 
seinen Bevollmächtigten, Justizrath Conradi, hin, 
um, wie Karl Braun, dem wir hier folgen, in 
seiner Schrift über den Johannisberg schreibt, 
von den dortigen überirdischen und unterirdischen 
Schätzen Besitz zu ergreifen. Der oranische Be 
vollmächtigte fand aber in den Kellern des Jo 
hannisberges nur einige wenige Stückfüsser voll 
Wein vor, und auch der war gerade nicht von 
dem besten. Die sofort eingeleitete Untersuchung 
ergab, daß kurz vor dem Eintreffen des Kvm- 
missarius der beträchtliche Vorrath an den Wein 
händler Hergen in Mainz verkauft und über 
liefert worden war. Durchschnittlich sollen zwölf 
hundert Gulden für das Stück bezahlt worden 
sein. Der Prinz von Oranien hatte das Nach 
sehen; er ließ dafür den Vermittler jenes Han 
dels, den Pater Kellermeister Karl Arnd, büßen, 
den er sofort seiner Stelle entsetzte, den; aber 
die späteren Ereignisse hinlängliche Genugthuung 
verschafften. (Schluß folgt.) 
Narburger Wand Misten 
Von F. Iw eng er- 
(Fortsetzung.) 
Am 18. Oktober 1818 wurde die Rheinische 
Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn errichtet. 
Im Noveinber desselben Jahres erhielt Mackcl- 
dey einen ebenso ehrenvollen als Vortheil 
haften Ruf an diese neue Hochschule. Die Ver 
suchung, diesem Rufe zu folgen, war groß, aber 
nicht minder groß auch seine Liebe und Anhäng 
lichkeit für Marburg. Lange schwankte er zwischen 
Bleiben und Gehen, bis ihn endlich, nach hartem 
Kampfe niit sich selbst, die Rücksicht auf seine 
Familie, die er in Marburg nicht hinlänglich 
gesichert wußte, und der anfängliche Mangel jeder 
Aussicht, für die Ablehnung jenes Rufes verhält- 
uißmäßige Entschädigung zu erhalten, bestimmte, 
den kurhessischen Staatsdienst zu verlassen und 
in den königl. preußischen überzutreten. Auf sein 
an den damals regierenden Kurfürsten Wilhelm I. 
unmittelbar eingereichtes Abschiedsgesuch wurde 
ihm durch ein eigenes Handschreiben des 
letzteren in den gnädigsten und huldvollsten Aus 
drücken seine Bitte zugestanden. Bald darauf 
wurden ihm zwar von Kassel aus noch sehr vor- 
theilhafte Anträge geinacht, wenn er in Marburg 
bleiben wollte, allein sie erfolgten zu spät; er 
hatte den Ruf nach Bonn bereits angenommen 
und glaubte sein einmal gegebenes Wort nicht 
brechen zu dürfen, so gerne er auch bei jenen An 
trägen, wären sie früher erfolgt, in Marburg 
geblieben wäre. Nur mit tiefem Schmerz schied 
er von der ihm theueren Stadt und nie erlosch 
die dankbare Erinnerung an die frohe und glück 
liche Zeit, die er dort verlebt hatte. So berichtet 
der Biograph Mackeldcy's in Strieder's Grund 
lage zu einer hessischen Gelehrten- Schriftsteller-
        

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