Full text: Hessenland (3.1889)

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die rechtmäßige Landesregierung in Knrhessen 
wieder hergestellt worden war, wurde er von 
dieser durch ein Reskript vom 31. Mai 1814 in 
seinem Lehramt bestätigt. Professor Mackeldey 
hatte nach und nach den Kreis seiner Vorlesungen 
sehr erweitert. Er las über juristische Encyklo 
pädie , Institutionen, Pandekten, gemeinen 
deutschen Civilproceß, während der westphülischen 
Zeit über den Code Napoleon und französische 
Rcchtsgeschichte, später auch über deutsches Privat- 
und Lehnrccht. Die Ablehnung verschiedener 
vortheilhafter Berufungen, die an ihn in den 
Jahren 1816 und 1817 von auswärtigen Hoch 
schulen ergingen, hatte zur Folge, daß er Gehalts 
zulage erhielt und ihm der Titel „Hofrath" 
verliehen wurde. So verlebte er in dem ihm 
lieb und theuer gewordenen Marburg nun die 
glücklichsten Jahre seines Lebens. Hier fand er 
seine liebsten und treuesten Freunde, hier ver- 
heirathete er sich am 14. Mai 1816 mit Mathilde 
von Wedell, zweiter Tochter des 1807 zu Biele 
feld verstorbenen k. preußischen Generalmajors 
von Wedell, und Dame des k. preußischen Luisen- 
ordcns, mit welcher er in der gesegnetsten Ehe 
lebte. Professor Mackeldey nahm unter den 
Professoren der Universität Marburg eine der 
ersten Stellen ein, er galt für eine Zierde der 
Hochschule und war hochangesehen in allen Kreisen 
der Gesellschaft. Die Studenten hingen mit 
einer wahren Verehrung an ihm. Seine Vor 
lesungen waren die besuchtesten Marburgs, seine 
Vorträge über Institutionen und Pandekten 
waren, wie einer seiner Biographen schreibt, 
„vorzüglich darauf berechnet und geeignet, durch 
Erzeugung klarer und fester Begriffe den jungen 
Anfänger einzuführen in das große und schwierige 
Gebiet des römischen Rechtes, ein gründlicheres 
Verständniß desselben vorzubereiten und unter 
Benutzung des historischen und philologischen 
Elements, soweit es zur Ermittelung und Be 
gründung des darzustellenden juristischen Dogmas 
gereichte, ihn für ein tieferes Selbststudium zu 
beleben und geschickt zu machen. Und an dem 
größten Theile seiner Zuhörer ist ihm das gewiß 
geglückt. Viele, die später zu hohen Stellen 
und Würden gelangten, verdankten seiner Führung 
ihre juristische Bildung und praktische Brauch 
barkeit, und wohl keiner hat seine Vorlesungen 
ohne Nutzen besucht." Sein Vortrag wird als 
glänzend gerühmt, er verstand es, trotz seiner 
Taubheit, seiner Stimme die erforderliche Modu 
lation zu geben, und denselben neben dem lehr 
reichen Inhalte zugleich so anziehend zu gestalten, 
daß ein heute noch in Marburg lebender, bei 
dem hohen Alter von 88 Jahren noch vollständig 
geistig frischer und körperlich rüstiger ehemaliger 
Zuhörer des Professors Mackeldey, ein alter 
Burschenschaftler seines Zeichens, lobend hervor 
zuheben pflegt, daß es eine Lust gewesen 
sei, seine Vorlesungen zu besuchen. ' Die 
sem alten Herrn, der über ein ausge 
zeichnetes Gedächtniß verfügt, verdankt der 
Schreiber dieses Artikels manche Mittheilung 
aus dem Leben des Prosessors Mackeldey, unter 
anderem auch folgende Anekdote: Professor 
Mackeldey hielt seine Kollegien in dem Richard- 
schen Hause an dem Fuße des Schloßbergs hinter 
der katholischen Kirche. Im Sommersemester 
1818 war sein Kolleg über Pandekten so besucht, 
daß das bisher benutzte Lokal nicht ausreiste, 
die Zuhörer aufzunehmen, es mußte noch ein 
anstoßendes Zimmer dazu benutzt werden. In 
diesem befand sich nun ein s. g. Wasserständer, 
stud. zur. Plaut, ein kleiner verwachsener Jude, 
der nachmals in den 40er Jahren mit seinem 
Freunde Gosen ein Antiquariatsgeschüst in der 
Untergasse betrieb, benutzte nun in der ersten 
Vorlesung des Semesters diesen Wasserstünder, 
um darin in Bequemlichkeit den Vortrag nach 
zuschreiben ; er kroch in denselben, vielleicht wurde 
er auch von seinen übermüthigen Kommilitonen 
hineingehoben, breitete sein Heft ans dem um 
geschlagenen Deckel aus, steckte sein hörnernes 
Stacheltintenfaß, wie es damals gebräuchlich war, 
ein und lauschte mit Eifer den Worten des 
Professors. Das erregte nun eine großartige 
Heiterkeit unter den anderen Zuhörern, die aus 
dem Lachen nicht herauskommen konnten. Dem 
Professor Mackeldey fiel dies auf, und da er sich 
den Grund zu diesem ungestümen Gebühren 
seiner Herrn Studiosen nicht erklären konnte 
und annehmen mußte, dasselbe gelte ihm selbst, 
so wurde er schließlich ungehalten und war eben 
im Begriff, das Katheder zu verlassen und die 
Vorlesung zu schließen, als einer seiner Zuhörer 
ihm auf einem Zettel schriftlich die Ursache der 
allgemeinen Heiterkeit mittheilte. Da war es 
dann der Herr Professor selbst, den diese komische 
Situation des Stud. Plaut höchlich belustigte, 
und der herzlich in das allgemeine Lachen mit 
einstimmte. 
(Schluß folgt.)
	        

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