Full text: Hessenland (3.1889)

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allzusehr nachahme, sogar einer großen spanischen 
Perrücke sich bediene, daß er große Marställe 
baue und viele Pferde halte, daß er in seinem 
Lande preußische Werber dulde, welche die katho 
lischen Landeskinder der protestantischen Religion 
zuführten, daß er die Ordensdisciplin vernach 
lässige, woher es denn auch komme, daß jüngst 
ein Geistlicher des Kapitels vom katholischen 
Glauben abgefallen sei. Heute wird man sich 
bezüglich einzelner dieser Klagepunkte, nament 
lich der ersten, des Lächelns nicht enthalten 
können. Damals war es anders. Rom 
nahm die Sache ernst und zog den Fürstabt zur 
Verantwortung. Dieser benahm sich, wie cs sich 
für einen deutschen Reichsfürsten gebührte. Er 
wies die Anschuldigungen mit Entschiedenheit 
zurück, erklärte, daß er nicht allein geistlicher 
Fürst, sondern auch deutscher Reichsfürst sei, und 
als solcher Verpflichtungen habe, denen er sich 
nicht entziehen könne und die er getreulich zu 
erfüllen bestrebt sei; diese Verpflichtungen legten 
ihm aber auch Repräsentationsrücksichten nach 
außen und einen Aufwand auf, der seiner Würde 
entspreche. Bezüglich des letzten Klagepunktes 
aber erklärte er: nicht er trage die Schuld und 
Verantwortlichkeit, daß ein Geistlicher des 
Kapitels abtrünnig geworden sei, sondern der 
muthmaßliche Denunciant selbst, welcher als 
ehemaliger Superior des Benediktiner-Konvents 
einem jungen Dvmicellaren, Namens von Langen 
schwarz, zu viel Freiheit gelassen und gestattet 
habe, öfters Besuche bei der protestantischen 
Familie von Riedesel in Lauterbach zu machen, 
was schließlich den Abfall desselben vom 
Katholicismus zur Folge gehabt habe. Kon 
stantin von Buttlar kannte den Denuncianten, 
nannte ihn aber nicht. In Rom mochte man 
die Gehaltlosigkeit der Denunciation einsehen 
und gab sich mit der Erklärung des Fürstabtes 
zufrieden. 
Auch um die Stadt Fulda hat sich Fürstabt 
Konstantin von Buttlar vielfach verdient ge 
macht. Ihm lag die Wohlfahrt seiner Haupt 
stadt sehr am Herzen, das erkannten denn auch 
die Bürger dankbar an, und der Senat der 
Stadt Fulda widmete ihm als Zeichen seines 
Dankes die berühmte 42zeilige Guttenbergische 
Bibel auf Pergament wit farbigen Initialen, 
von welcher gegenwärtig nur noch 7 Exemplare 
vorhanden sein sollen, die einen sehr großen 
Werth haben. Der 1. Band dieser Bibel bildet 
heute noch eine Hauptzierde der Fuldaer Landes- 
bibliothck. Er enthält die Widmung, die wie 
folgt lautet: 
Reverendissirno et Celsissirno 8. Sacri Ro 
mani Imperii Principi ac Domino Do- 
*~t~ 
mino Constantino, Inclyfcae Ecclesiae Ful- 
densis Abbati, Divae Augustae Archi- 
cancellario, Per Germaniam ac Gallium 
Primati, Domino Nostro Clementissimo, 
Hic Sacer Codex humillime oblatus est a 
Senatu Fuldensi Anno MDCCXXIil. — 
Im strengen Winter 1725/26 reiste Fürstabt 
Konstantin mit großem Gefolge in Angelegen 
heiten seines Landes nach Wien?) Auf dem Rück 
wege erkrankte er, konnte kaum noch lebend in 
das Schloß Eichenzell gebracht werden und starb 
daselbst, allgemein betrauert, erst 48 Jahre alt, 
am 13. März 1726. lieber seinen Tod waren 
wunderliche Sagen verbreitet, es hieß, er sei an 
Gift gestorben?) Es hat sich aber herausgestellt, 
daß diese Annahme grundlos war. Wiederholte 
Schlaganfälle sollen sein Ende herbeigeführt 
haben. Sein zweiter Nachfolger als Fürstabt 
von Fulda, der nachmalige Fürstbischof Amand 
von Buseck, ließ ihm im Dome zu Fulda 1740 
nächst der Epistelseite des Benediktusaltares Fm 
aus schwarzem und rothem Marmor gefertigtes 
Denkmal errichten. Das schönste Denkmal aber 
hat sich Fürstabt Konstantin von Buttlar selbst ge 
setzt durch seine hohen Regententugenden, durch die 
baulichen Schöpfungen, die Fulda ihm zu verdanken 
hat und die heute noch unsere Bewunderung erregen. 
Er ist einer der erhabensten Vertreter jener Epoche in 
der Geschichte des Hochstifts Fulda, die der selige 
Domkapitular und Dompfarrer Isidor Schleichert, 
ein gründlicher Kenner der fuldaischen Geschichte, 
mit den Namen „Fulda gloriosa" bezeichnet hat. 
(Schluß folgt.) 
Zweck der Reise des Fürstabtes an den kaiserlichen 
Hof in Wien war nach Schailnnt die Nückerwerbung der 
früher fürstlich fuldaischen Besitzungen voll Salzungen 
und Lichtenberg, die dem sächsischen Hause, Gothaer Linie, 
verpfändet waren, bereu Auslieferung gegen Zahlung 
der Pfandsumme aber von diesem verweigert wurde. 
2 ) Im vorigeil Jahrhundert war man gleich bei der 
Hand. unerwartete Todesfälle Vergiftungen zuzuschreiben. 
Der berühmte Dr. M. A. Weikard, früher Leibarzt des 
Fürstbischofs von Fulda Heinrich von Bibra, später Hof 
arzt der Kaiserin Katharina II. von Rußland, schiebt all 
irgend einer Stelle seiner „Vermischten Medizillischeil 
Schriften" die Schuld seinen eigenen Kollegell, den 
Aerzten, zu, die häufig die Kraukheitserscheinungen nicht 
zu erkennen vermöchten und dann, um diesen Umstand 
zu verdecken, zu dem wohlfeilen Auskunftsmittel der 
Vergiftung ihre Zuflucht zu nehmen pflegten. Auch 
mögen, da die Toxikologie damals noch wenig aus 
gebildet war, durch die Aerzte selbst Vergiftungeil vor 
gekommen sein. Dr. Weikard ist aufrichtig genug, ein 
zugestehen, daß er selbst in Gemeinschaft mit dem Hofrathe 
Dr. Zißler dem allerdings an einem unheilbaren Gehirn- 
leiden erkrankten Hofmarschall von Bastheim aus Irrthum 
eine zu große Dosis voll Phosphor, der kurz vorher erst 
als Heilmittel aufgekommen war und dessen unter Um 
ständen sehr gefährliche Wirkungen man noch ilicht genau 
kannte, verordnet und dadurch den Patienten vergiftet zu 
haben.
        

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