Volltext: Hessenland (3.1889)

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von Buttlar, welches tut Ulstergrunde des Hoch 
stistes Fulda ansässig war und in Buttlar seinen 
Stammsitz hatte. Er war geboren am 29. Sep 
tember 1679 als ältester Sohn des General 
majors Johann Christian von Buttlar auf 
Mariengart. Seine Mutter war Maria Renata, 
geborene Freiin von Freyberg. Seine Familien- 
Vornamen waren Friedrich Otto. Anfangs 
Stiftsherr zu Fritzlar, trat er am 9. November 
1703 als Novize in den Benediktinerorden ad 
8. Salvatorem zu Fulda. An dem gleichen Tage 
des folgenden Jahres legte er das Ordensgelübde 
ab und erhielt den Klosternamen Konstantin. 
Im Jahre 1710 wurde er Kapitnlar. Nach 
dem Tode Adalbert's I. von Schlcifras, dem 
Erbauer des jetzigen Domes, ward er am 
19. Oktober 1714 zum Fürstabt des Hochstiftes 
Fulda erwählt. Er war der jüngste unter den 
Kapitularen und an die Möglichkeit seiner Wahl 
hatte Niemand, er selbst wohl am allerwenigsten, 
gedacht. Malkmus giebt uns in seinem „Ful- 
daer Historienbüchlein" eine interessante Schil 
derung dieser Wahlhandlung, die wir hier folgen 
lassen: 
Es war Sitte und Vorschrift bei der Wahl 
des Fürstabtes, daß einer der Kapitulare 
vorher an die versammelten Wähler eine An 
sprache hielt, worin er ihnen die Wichtigkeit 
ihres Vorhabens auseinandersetzte und sie auf 
forderte, demjenigen ihre Stimme zu geben, den 
sie nach ihrem Gewissen für den würdigsten, 
tauglichsten und nützlichsten hielten. Diesmal 
hatte der jüngste der Kapitulare, Konstantin 
von Buttlar, der ein sehr guter Lateiner und 
Lektor der Theologie im Konvente war, den 
Auftrag übernommen, die Ansprache zu halten, 
und er vollzog dieselbe in entsprechender Weise. 
Bei den Wahlen kam es bisweilen vor, daß sich 
die erforderliche Zahl von Stimmen nicht so 
gleich beim ersten Skrutinium auf Einen ver 
einigte, sondern mehrmals gewählt werden mußte. 
Das geschah mitunter ganz zufällig; zuweilen 
lag aber auch eine Absichtlichkeit darin. Manche 
warteten das erste Mal ab, bis sie sahen, wo 
hin sich die Stimmen zu einigen schienen, und 
traten das zweite Mal entweder bei, oder 
wirkten nach einer anderen Seite, je nachdem der 
eine oder der andere Wahlkandidat ihnen genehm 
war oder nicht. Bei dieser Wahl aber lenkte Gott 
die Sache auf merkwürdige Weise. Mehrere 
Kapitulare dachten bei sich ohne Verabredung 
mit andern: Ich will das erste Mal meine 
Stimme dem Konstantin von Buttlar geben, 
das kann wenigstens nichts schaden, denn der ist 
der jüngste von allen und wird wohl nicht Fürst 
werden; beim zweiten Skrutinium sehe ich dann 
weiter, was ich thue. Aber so dachte die Mehr 
zahl, und schon beim ersten Wahlgang hatte 
Konstantin die Majorität der Stimmen und 
war also Fürstabt von Fulda. Es läßt sich 
denken, daß die Wahlherren über dieses Ergebniß 
sehr erstaunt waren. Die Wahl war jedoch eine 
gute und glückliche. Konstantin war ein gelehr 
ter, frommer und in jeder Hinsicht vortrefflicher 
Herr und in der That der würdigste und dem 
Landeswohl nützlichste, der gewühlt werden 
konnte. Während seiner dreizehnjährigen Re 
gierung gab er viele weise Gesetze, vollendete die 
von seinem Vorgänger, dem Fürstabt Adalbert I. 
von Schleifras begonnenen Bauten des Schlosses 
zu Fulda und jenes auf Bieberstein, legte bei 
letzterem einen Thiergarten an, den er mit einer 
Mauer umgeben ließ, baute eine Brücke zu 
Löschenrod, führte die Propsteigebäude auf dem 
Michaelsberg auf, veranlaßte den Bau der Butt- 
lar'schen Häuser (heute: Gasthof zum Kurfürsten, 
Bürgerverein u. s. w.); das stilvolle Orangerie 
gebäude in dem Schloßgarten war sein Werk. 
Die prachtvollen Wandgemälde in demselben 
ließ er durch seinen Hofmaler Wohlhaupter aus 
Wien Herstellen. Seine Hauptthat aber war 
und blieb die Erwerbung des Johannisbergs. 
Er war klein von Figur, aber wohlgestaltet von 
Gesicht und Körper, sodaß selbst die Kaiserin, 
die Gemahlin Karls VI., nach einer Audienz, 
die er in Wien bei ihr hatte, zu ihren Hof 
leuten sagte: „Seht da meinen schönen Kanzler." ') 
Seine von Wohlhaupter gemalten Brustbilder, 
von denen noch mehrere vorhanden sind, lassen 
den schönen Mann wohl erkennen, doch zeigen 
dieselben eine auffallende Gesichtsröthe, die aber 
nicht etwa als ein Abglanz der natürlichen Wein 
farbe seines Antlitzes zu betrachten ist, sondern 
darin ihren Grund hat, daß Wohlhaupter es 
liebte, seine Portraits auf rothem Bolusgrunde 
zu malen, um dadurch ein besseres, frischeres 
und wärmeres Kolorit zu erzielen. — Trotz 
seiner trefflichen Eigenschaften als Regent wie 
als Mensch, seines unbegrenzten Wohlwollens 
gegen Jedermann, hatte Fürstabt Konstantin 
von Buttlar doch auch Gegner, und zwar in 
dem Orden selbst, die zwar nicht offen gegen 
ihn auftraten, wohl aber im Geheimen ihn an 
zuschwärzen und zu verdächtigen suchten. Einer 
derselben denunciirte ihn sogar in Rom. Nach 
der Anschuldignngsschrift, die Malkmus in seinem 
„Fuldaer Historienbüchlein" erwähnt, gingen die 
gegen ihn gerichteten Anklagen dahin, daß er 
statt geistlicher Kleidung weltliche, namentlich 
einen grünen Rock trage, daß er allzuviel Luxus 
treibe und den Prunk der weltlichen Fürsten 
') Bekanntlich bekleideten die Fürstäbte die Würde 
eines Erzkanzlers der deutschen Kaiserin.
        

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