Full text: Hessenland (3.1889)

188 
Frankfurt wieder der alte Bundestag und die i 
auf feine Anordnung in Hessen einrückenden 
Bayern machten auch der Kasseler Bürgergarde 
für immer ein gewaltsames Ende. 
Seitdem sind bald vierzig Jahre vorüberge 
gangen, und sind es jetzt nicht mehr Viele, die 
noch Zeugen ihrer nicht crgebnißlosen Thätigkeit 
in gefahrvoller Zeit gewesen sind. Die Art, wie 
sie vor einigen Jahren in einem Karnevalszug 
wieder ins Gedächtnis; gerufen wurde, war kei- 
nenfalls eine ihren; einstigen Ansehen und ihrer 
einstigen Bedeutung würdige gewesen. 
—7 
Johannisberg. 
Historische Skizze von F. Iw eng er. 
Johannisberg in Zwing und Bann 
Hast du mein Herz geschlagen .... 
(Ls kann in keiner Zone 
Nicht einer auch nur wagen, 
Mit dir sich zu vergleichen, 
Du aller Berge Krone, 
So weit ÜL Länder reichen! 
Fri edr ich Hornse cf. 
Der 20. Juni des Jahres des Heils 1716 verdient 
mit goldener Schrift in die Jahrbücher der Ge 
schichte des Hochstiftes Fulda eingetragen zu 
werden. An jenem Tage erwarb der hochherzige 
Fürstabt von Fulda,Konstantin von Buttlar, 
vom Erzbisthum Mainz käuflich den Johannis 
berg im Rheingau, uub von da beginnt jene sorg 
fältige, rationelle Behandlung der Rebenpflanzung 
daselbst, durch welche nicht nur der „Johannis 
berger" bald zu der werthvollsten Perle aller 
deutschen Weine werden, die auch, zur Nach 
ahmung und zum Wetteifer anspornend, dem 
ganzen Rheingau zum größten Vortheile ge 
reichen sollte. Auch die Geschichte des Wein 
baues bildet einen beachtenswertsten Zweig der 
Kulturgeschichte, und wenn wir uns in der nach 
folgenden Skizze mit der Geschichte des Johannis 
bergs beschäftigen, so glauben wir, so gut dies 
in unsern geringen Kräften steht, in dieser Be 
ziehung einen kleinen kulturhistorischen Beitrag 
zu liefern, dein eine gewisse Berechtigung sicherlich 1 
nicht abgesprochen werden kann. 
Wem das Verdienst zuzuschreiben ist, zuerst j 
die Reben im Rheingau angepflanzt zu haben, j 
ob es die Römer waren, ob es zur Zeit Karls ! 
des Großen geschehen ist, darüber gehen die j 
Ansichten der Gelehrten auseinander. Als nicht 
unbegründet darf aber die Annahme gelten, daß. 
Rhabanus Maurus, der Erzbischof von Mainz, 
früher Abt des Benediktinerklvsters Fulda, dem 
die Geschichte den ruhmvollen Beinamen „Magister 
Germaniae“ gegeben, dem die Kultur D.utsch- 
lands so unendlich viel verdankt, während seines 
öfteren Aufenthalts in dem am Fuße des 
Bischofsberges gelegenen Orte Winkel, in.der 
Mitte des 9. Jahrhunderts, einen Theil des 
Berges mit Reben bestecken ließ. Diese Ansicht 
vertritt der als emsiger Forscher auf dein Ge 
biete der vaterländischen Geschichte bekannte 
Finanz-Kammer-Direktor F. X. Bernhard Aloys 
Schlereth in seiner Abhandlung über den „Jo 
hannisberg in; Rheingau" (S. Schneider's 
„Buchonia" Bd. III., Heft 2, Fulda 1828). 
Rhabanus Maurus gehörte dem Benediktiner 
orden an, und Benediktiner sind es auch gewesen, 
die das von ihm begonnene Werk der Anpflanzung 
des Johannisbergcs, oder Bischvfsberges, wie er 
ursprünglich hieß, mit Reben im 12. Jahrhundert 
wieder aufnahmen und in rühmenswerther Weise 
fortsetzten: 
Die Brüder vom heiligen Benedikt 
Die haben sich klug in die Welt geschickt; — 
Mit Gottesfurcht verbanden 
Sie frohen Mcnschensini;; 
Wo sie ein Hüglein fanden, 
Da pflanzten sie Reben hin. 
Und als sie kainen an den Rhein 
Und sah';; den Gau voll Sonnenschein, 
Da sielen sie verwundert 
Noll Andacht auf die Knie: 
Wir ha'n ein ganz Jahrhundert 
Zu bauen und roden allhie! 
So stieg denn bald mit Thur»; und Thor 
Johannisberg in; Glanz empor, 
Und seine Glocken riefen 
In Berg und Land hinein: 
Bald sollt ihr übertricfei; 
Von Freude, Glück und Wein. 
Da ward gerodet manchen Tag, 
Der Bauer thut's den Mönchen nach: 
Es schufen Menschenhände 
Das Paradies am Rhein, 
Der Himmel giebt als Spende 
Dazu den Sonnenschein.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.